Im Selber Stadtrat Unterschiedliche Zukunftsvisionen

Wie geht es weiter mit dem Einzelhandel, den Outlets, den Einwohnerzahlen und letztlich der Stadt Selb? Darüber gingen die Meinungen Foto: picture alliance/dpa/Moritz Frankenberg

Der Stadtrat beschließt den ISEK-Baustein Einzelhandel und Dienstleitung – und streitet sich über die Interpretation der Daten.

Selb - Einzelhandel und Dienstleistung in Selb sind wichtiger Bestandteil des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes, das seit 2003 regelmäßig fortgeschrieben werden muss. Dabei geht es nicht nur um Strukturen und Entwicklungsgebiete, sondern auch um mögliche Entwicklungen in der Zukunft. Und genau darüber waren sich die Mitglieder des Selber Stadtrates nicht einig: Wird es aufwärtsgehen oder doch eher abwärts mit der Einwohnerzahl und der Stadt?

Hintergrund der Beratung war, dass eine Mehrheit im Stadtrat das Konzept im vergangenen Jahr nicht verabschieden wollte, weil das Rosenthal-Outlet als Einzelstandort ohne ordentliche Anbindung an die Innenstadt vorgesehen war. Das war zwar in der Vorlage zur März-Sitzung eingearbeitet, allerdings fehlten in dem Gutachten der BBE Handelsberatung die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie des Onlinehandels. Und die sollten dem Stadtrat noch einmal vorgelegt werden.

Zu dem aktuellen Gutachten merkte Wolfgang Kreil, Fraktionssprecher der CSU, an, dass die angeführte Bevölkerungsprognose mit den Zahlen, die die Stadt in der Vergangenheit angeführt habe, kollidiere. Das Gutachten gibt bei der Bevölkerungsentwicklung in den Jahren 2010 bis 2019 ein Minus von 6,3 Prozent an. Die Einwohnerzahl der Stadt Selb liegt demnach zum 31. Dezember 2019 bei 14 895. Bis 2030 werde die Zahl der Einwohner noch einmal um 1685 auf 13 210 zurückgehen. Daraus ergeben sich laut Kreil Konsequenzen zum Beispiel für den Wohnungsmarkt. Ausgehend davon, dass in einer Wohnung zwei Menschen leben, hätte die Stadt dann 800 Wohnungen zu viel. Zumindest sei es erfreulich, dass die Einzelhandelsentwicklung und der Online-Handel „erwähnt“ seien.

Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch hielt dem entgegen, dass die Bevölkerungszahlen sich in einer Wellenbewegung entwickelten. So habe es 2017 in Selb einen Zuzugsüberschuss und ein insgesamt ein positives Saldo gegeben. Grundsätzlich könne man nicht genau voraussagen, wie sich die Bevölkerungszahl entwickeln werde. „Das ist von verschiedenen Aspekten abhängig“, sagte Pötzsch.

Die wichtigste Grundlage seien die Arbeitsplätze. Dass die Betriebe in Selb stark expandierten, „kann uns optimistisch stimmen“. Pötzsch zeigte sich sicher, dass Selb von der statistischen Aussage für 2030 abweichen werde. „Wir arbeiten hart daran, dass es nicht so kommt, wie im Gutachten vorausgesagt.“

Dazu kommt aus Pötzschs Sicht noch eines: „Wenn wir unsere Stadt positiv nach außen tragen, kommen sicher viele Menschen gerne nach Selb.“ Die Stadt und ihre Einwohner kämen aus einer schweren Zeit und „umso schwieriger ist es, wieder zu wachsen“. Dennoch sei eines sicher: „Wir entwickeln uns Stück für Stück.“

Nicht ganz so optimistisch wie der OB sah Walter Wejmelka, Fraktionssprecher der SPD, die Daten. „Am Ende lügen die Zahlen nicht – ob es uns gefällt oder nicht.“ Grundsätzlich nehme die Bevölkerung ab. Das kurzzeitige Hoch sei auch auf die Flüchtlinge zurückzuführen, die seinerzeit in den Landkreis gekommen seien. Das habe den Bevölkerungsschwund aber nur gebremst. Ansonsten seien die Zahlen für Selb und die Region eindeutig.

Das einzig Positive in der Nachbesserung der BBE Handelsberatung sei, dass beide Outlets aufgenommen seien. Denn wenn in dem Gutachten der Einzelhandel mit Städten wie Berlin, Rostock oder Hamburg verglichen werde, müsse man sich schon fragen, in welcher Welt die Gutachter lebten.

Und wenn man der Stadt in Sachen Corona rate, dem innerstädtischen Einzelhandel mit gezielten Maßnahmen zu höherer Frequenz zu verhelfen, sei das schwach. Zu diesem Schluss käme auch ein Sechstklässler. Letztlich stimmte der Stadtrat den Änderungen und damit dem Einzelhandels- und Dienstleistungskonzept zu.

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