Impfzentrum in Kulmbach Impfen nur noch mit Termin

Zu Menschenschlangen wie in den vergangenen Tagen wird es von Montag an vor dem Impfzentrum nicht mehr kommen. Weil der Impfstoff knapp wird, wird dann im Zentrum des Landkreises im „Fritz“ nur noch nach Terminvereinbarung geimpft. Foto: /Gabriele Fölsche

Die Nachfrage ist so groß wie lange nicht, und wieder wird der Impfstoff knapp. Das zwingt das Kulmbacher Impfzentrum zu einer Neuregelung, die bereits von Montag an greift.

Kulmbach - Klaus Peter Söllner ist nicht unbedingt bekannt als einer, der die „große Politik“ offen kritisiert. Doch am Freitag wurde der Landrat bei einer Pressekonferenz zum Thema Corona, Impfungen und Tests ungewohnt deutlich. Kulmbach habe alles mögliche unternommen, um auf gute Impfquoten zu kommen. Das sei, auch wenn es längst noch nicht genug ist, auch bisher gut gelungen. Nun habe die Nachfrage nach dem Coronaschutz deutlich angezogen, und plötzlich gebe es möglicherweise nicht mehr genug Impfstoff. An den geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn macht der Kulmbacher Landrat eine deutliche Ansage: „Spahn hat alles zu tun, damit genügend Impfstoff da ist. Sonst machen wir uns lächerlich und sind bloßgestellt.“

Söllner sprach von einer absurden Situation. „Wir werben mit Nachdruck für die Impfung, und wenn es jetzt dumm läuft, wird es mit dem Impfstoff schon in der kommenden Woche eng.“ Spahn müsse sich fragen, was falsch gelaufen ist, sollte es tatsächlich wieder Mangel an Vakzinen geben. „Das wäre dann eine absurde Situation, die man auch noch deutlicher titulieren könnte“, betonte der Landrat.

Gerade jetzt, wo die Nachfrage nach einer Impfung so deutlich angestiegen ist und gleichzeitig immer mehr Menschen einen Booster erhalten wollen, müsse deshalb das Kulmbacher Impfzentren den Einrichtungen in der Nachbarschaft folgen und vom kommenden Montag an wieder ausschließlich auf Impfung nach Terminvergabe umstellen, machte Krisenstabchef Oliver Hempfling deutlich. Er präsentierte Zahlen zu dem deutlich gestiegenen Interesse an der Impfung. Während noch im Oktober durchschnittlich 90 Impfungen pro Tag im Zentrum im „Fritz“ gewesen sind, stieg die Zahl bis einschließlich Donnerstag im November auf durchschnittlich 190 pro Tag an. Teilweise war es vor den Türen des Impfzentrums zu ellenlangen Menschenschlangen gekommen. Die wuchsen noch mehr an, als neben denen, die sich nun doch grundsätzlich zur Erstimpfung entschieden hatten, auch noch immer Menschen ihren Booster, also die dritte Impfung haben wollten.

Der Andrang auf der einen und der vermutlich schon in der kommenden Woche wieder knapp werdende Impfstoff on Biontech, nach dem die meisten Menschen fragen, habe nun den Landkreis zum Handeln gezwungen, machte Oliver Hempfling deutlich. „Wir haben mit der Impfung ohne Termin lang durchgehalten, aber es geht jetzt nicht mehr anders. Auch wegen der Planbarkeit des Impfstoffkontingents müssen wir zur Terminvergabe zurückkehren.“

Termine bekommt, wer sich über das bayerische Impfportal anmeldet und dort einen Termin anfordert. Diejenigen, die sich ihren Booster abholen wollen, müssen sich nicht wundern, wenn sie die Mitteilung erhalten, dass ihr Account gelöscht wurde. Aus Datenschutzgründen seien die Einträge vernichtet worden, informierten die Behördenvertreter. Das mache nun allen wieder mehr Arbeit. Aber eine Neuregistrierung sei in diesen Fällen unumgänglich.

Es sei damit zu rechnen, dass der Bund die Zuteilung des Biontech-Vakzins schon von der kommenden Woche an halbiert. Impfstoff des Herstellers Moderna stehe dagegen in größerer Menge zur Verfügung. Deswegen werde nun auch der Landkreis der Empfehlung er Ständigen Impfkommission (Stiko) folgen und Biontech vor allem an die Altersgruppe unter 30 Jahren verabreichen. Die älteren erhalten vor allem Moderna. Impfzentrumsleiter Marcel Hocquel betonte, dass der Impfstoff für die Zweitimpfungen davon nicht betroffen sei. Für alle, deren zweite Impfung noch ansteht, sei gewährleistet, dass sie auch in der zweiten Spritze den gleichen Impfstoff vorfinden werden.

Könnte es sein, dass es bald wieder Impfung nach Priorisierungsregeln gibt? Dazu gibt es Schulterzucken im Landratsamt. Man weiß es schlicht nicht. Der Landrat hat dazu eine klare Meinung: „Dieser Engpass muss schnellstmöglich behoben werden. Das wäre ja der Hammer.“

Autor

 

Bilder