In Arzberg Am Tisch scheiden sich die Geister

Christl Schemm
So stellen sich die Landschaftsarchitekten des Büros Sowatorini die Gestaltung des Areals Friedrich-Ebert-Straße 2 vor. Dieses war frei geworden, weil dort ein Haus abgerissen worden ist. Ob der Plan so realisiert wird, müssen die Mitglieder des Arzberger Stadtrats erst noch entscheiden Foto: Büro Sowatorini

Der Siegerentwurf des Büros Sowatorini für die Fläche Friedrich-Ebert-Straße 2 stößt nicht bei allen Arzberger Stadträten auf Gegenliebe. Manche kritisieren auch die Steigerung der Kosten. Das letzte Wort hat die Städtebauförderung.

Eine lange Tafel, in die Abdrücke der legendären Arzberg-Service-Form 1382 des Designers Hermann Gretsch eingelassen sind, soll an die Bedeutung des Porzellans für Arzberg erinnern. Und zum gemeinschaftlichen Essen und Trinken einladen. Drumherum ein Grünbereich, der das skulpturale, künstlerische Element umgibt. So ist der Entwurf des Büros Sowatorini für die Neugestaltung der Fläche Friedrich-Ebert-Straße 2 in Arzberg kurz zu umschreiben, der aus einem Architektenwettbewerb als Sieger hervorgegangen ist. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats stellten die beiden Landschaftsarchitekten Sebastian Sowa und Gianluca Torini den Entwurf erneut vor. Denn nach der Kür ihres Siegerbeitrags waren Zweifel aufgekommen, ob der Vorschlag tatsächlich so gewollt ist. Doch auch in der Stadtratssitzung entschieden die Mitglieder nicht, ob der Plan realisiert werden soll.

Kosten für Mehrfamilienhaus zu hoch

Wie mehrfach berichtet, sollte auf dem Grundstück eigentlich ein großes Mehrfamilienwohnhaus gebaut werden. Der Stadtrat entschied sich aber wegen der hohen Kosten dagegen. Daher sollte mit der Neugestaltung des Platzes eine Zwischenlösung gefunden und ein städtebaulicher Missstand beseitigt werden. Deswegen ist auch die Städtebauförderung der Regierung von Oberfranken mit im Boot. Sie hat insgesamt ein Wörtchen mitzureden, aber vor allem auch, wenn es darum geht, den Entwurf, den sich die Jury für Platz eins ausgesucht hat, zu realisieren. Die Städtebauförderung hat grundsätzlich signalisiert, den Weg mitzugehen, auch wenn die Umsetzung des Sowatorini-Entwurfs teurer wird, als ursprünglich für Wettbewerb und Bau geplant waren. Die Erhöhung hat die Jury, der auch zweite Bürgermeisterin Marion Stowasser-Fürbringer (UPW) und dritter Bürgermeister Michael Fuchs (CSU) angehörten, ausdrücklich in Kauf genommen.

Nun stehen eine nochmalige Preissteigerung und Kosten in Höhe von rund 265000 Euro im Raum. Allerdings bedeutet das auch, dass die Eigenmittel, die die Stadt aufbringen muss, ebenfalls steigen. Nämlich auf eine Höhe zwischen rund 26 000 Euro und 41000 Euro – je nachdem, ob das Projekt mit 80 oder 90 Prozent gefördert wird, wie Bürgermeister Stefan Göcking im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte.

Sebastian Sowa betonte in der Stadtratssitzung, dass der zentrale Teil des Entwurfs der lange Tisch sei. „Wenn es diesen nicht gibt, dann ist das alles nichts“, sagte er. Der Tisch dokumentiere den großen Respekt für die Geschichte Arzbergs als Porzellanstadt. Nun gehe es darum, wie die lange Tafel „in die Welt zu bekommen sei“. Das Planungsbüro habe den Auftrag sehr ernst genommen und die Kosten „total niedrig“ gehalten.

Eine längerfristige Lösung

Architektur werde immer provozieren, sagte Bürgermeister Stefan Göcking in der Sitzung. „Wenn sie das nicht tut, dann bekommt sie keine Aufmerksamkeit“, meinte er. Es sei davon auszugehen, dass die Neugestaltung der Fläche eine längerfristige Lösung sei. Dies sei auch die Auffassung der Städtebauförderung, mit der das weitere Vorgehen abgesprochen werden müsse.

Über den Entwurf könne man geteilter Meinung sein, sagte UPW-Fraktionssprecher Roland Werner und kritisierte die Kostensteigerung. „Wenn wir nicht von den Kosten runterkommen, können wir nicht zustimmen“, sagte er. Arzberg sei eine Kleinstadt, meinte CSU-Fraktionsvorsitzender Karl Röhrig. Daher hätten viele Bürgerinnen und Bürger einen eigenen Garten, und der Bedarf für solche Flächen sei nicht so groß wie in Großstädten. Arzberg sei von der Regierung in diese Richtung gedrängt worden, meinte er. „Ich bin von dem Entwurf überzeugt“, sagte hingegen Röhrigs Stellvertreterin Martina von Waldenfels. Allerdings regte sie einige Änderungen an. „Wir reden von einer Übergangslösung“, betonte dritter Bürgermeister Michael Fuchs. Auch die Städtebauförderung wolle den Bau eines Wohnhauses.

Die Kostensteigerung belaste die Stadt sehr, sagte SPD-Fraktionssprecher Peter Gräf. Er erkenne jedoch an, dass das Planungsbüro bemüht sei, die Kosten niedrig zu halten. Auf Gräfs Frage, was man mit dem langen Tisch „anfangen“ könne, antwortete Planer Sowa: sich treffen, essen, trinken, reden. Der Tisch sei absichtlich übertrieben groß, da er als „große Geste“ gedacht und zudem eine Skulptur sei. „Mir gefällt der Entwurf. Das wird ein schöner Raum“, sagte Stefan Klaubert (SPD). Das Areal könne auch in die Route der Industriekultur einbezogen werden. Er sei nicht dafür, den Wettbewerb im Nachhinein infrage zu stellen. „Wir sind nicht gezwungen worden, sondern wollten das so“, unterstrich Klaubert. Kunst könne auch in kleinen Städten stattfinden. Doch noch ist nichts entschieden.

 

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