In Arzberg Relaxte Songs und rasante Läufe

Christl Schemm
Exzellente Musiker und darüber hinaus auch noch Poeten (von links): Martino Coppo, John Lowell und Thomas Kärner. Das internationale Trio, das die Liebe zur American Roots Music eint, war zu Gast im Arzberger Bürgerhaus. Foto: /Christl Schemm

Beim Konzert mit seinen Freunden John Lowell und Martino Coppo in Arzberg stellt Bassist Thomas Kärner fest: „Das Bürgerhaus ist viel schöner als die alte Schule.“ Die drei Musiker bieten musikalischen Hochgenuss und viel zu lachen.

Vor nicht ganz 60 Jahren stapfte der kleine Thomas Kärner aus Schlottenhof mit dem Schulranzen als Abc-Schütze in sein Klassenzimmer im Arzberger Zentralschulhaus. Heute ist Schlottenhof ein Stadtteil Arzbergs, und Thomas Kärner hat statt des Schulranzens einen Kontrabass dabei. Er ist zu Gast mit seinen Musikerfreunden John Lowell und Martino Coppo bei einem Konzert im Arzberger Bürgerhaus. Das steht jetzt an genau der Stelle, wo der Bassist seine ersten Schritte in die Schule gemacht hat.

Kein Wunder also, dass sich der Musiker bei dem Gastspiel auf Einladung des Leiters der Städtischen Sing- und Musikschule Arzberg, Thomas Pitzl, an seine Wurzeln erinnert. Ebenso fein- wie hintersinnig führt Kärner durch das Programm, das er mit dem amerikanischen Gitarristen und Songwriter John Lowell aus Montana sowie dem italienischen Mandolinisten Martino Coppo aus Genua auf die Beine gestellt hat. Alle drei sind alte Hasen im Bereich der American Roots Music wie Country und Bluegrass, tourten mit verschiedenen Besetzungen durch die Welt. Ältere Semester erinnern sich vielleicht noch an die Zeit in den 1980er- und 1990er-Jahren, als Thomas Kärner mit der Stonewood Stringband, die Bluegrass mit Mundartliedern aus der Region verband, auf der Bühne stand.

Sätze voller Poesie

Die Mundart schimmert neben Englisch, Italienisch und Hochdeutsch auch bei den Moderationen immer mal wieder durch, wenn der Bassist die überwiegend von Lowell komponierten und getexteten Songs, aber auch solche von Coppo und anderen Autoren ansagt. „She’s leaving Cheyenne“, „New Phase of the Moon“ oder „Walking my Blues away“: Von liebeskranken Cowboys ist die Rede, von der Sehnsucht nach zu Hause, von den Blue Ridge Mountains, von Carmen, der Bedienung. Um Songs schreiben zu können, müsse man gut zuhören können, erläutert Thomas Kärner. Und so entsteht aus kleinen Begebenheiten, Begegnungen und aus im Vorbeigehen aufgeschnappten Sätzen Poesie – mal eher traurig, mal voller Optimismus.

Tiefenentspannt stehen die drei Instrumentalisten auf der Bühne, stecken beim perfekt dreistimmigen Gesang die Köpfe zusammen, tragen sich gegenseitig begleitend bei den Soli, spielen sich abwechselnd die Bälle zu. Schnell bekommen die Zuhörerinnen und Zuhörer im Bürgerhaus Zugang zu den Songs und freuen sich über getragene, relaxte Melodien ebenso wie über rasante Läufe auf Mandoline und Gitarre. Rasanz vermag auch Thomas Kärner mit seinem Kontrabass beizusteuern, aus dem der Musiker bei seinen Soli genauso raffinierte Passagen herausholt wie bei cleveren Einwürfen, bei der zuverlässigen Begleitung oder wenn er unisono zu Gitarre oder Mandoline die Melodie mitspielt.

Viel zu lachen

„Times are getting harder every day“ – dass dieser Song von John Lowell für viele Menschen zurzeit ziemlich realistisch ist, trübt die Stimmung nicht. Schließlich gibt es auch viel zu lachen, zum Beispiel wenn John Lowell und Martino Coppo Kostproben ihrer gerade auf der Europa-Tournee erworbenen Deutschkenntnisse geben: „Dein Affe hat lustige Hosen“ und „Die Speisekarte liegt unter dem Tisch“. Für Thomas Kärner zählt an diesem Abend in Arzberg vor allem eine wichtige Erkenntnis: „Das Bürgerhaus ist viel schöner als die alte Schule.“

 

Bilder