In Arzberg Tafel soll zum Mitmachen einladen

Christl Schemm
Ein Garten, der zum Mitmachen auffordert, soll nach dem Willen der Wettbewerbs-Jury anstelle des abgerissenen Hauses an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Rathausstraße entstehen. Zentraler Hingucker soll eine lange Tafel werden. Animation: Sowatori Landschaft Foto: /Sowatori Landschaft

Die Jury favorisiert nach dem Wettbewerb zur Neugestaltung des Grundstücks Friedrich-Ebert-Straße 2 in Arzberg den Entwurf des Büros Sowatori Landschaft. Mittelpunkt ist ein langer Tisch.

Der Weg zur Neugestaltung des Grundstücks an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Rathausstraße in Arzberg war ein steiniger. Die ursprünglichen Pläne haben sich zerschlagen. Seit dem Abbruch des Gebäudes Anfang 2019, in dem vormals eine Drogerie und zum Schluss ein Friseur-Salon ihr Domizil hatten, wuchert dort das Gras rund um eine große Grube. Geplant war an der Stelle ursprünglich der Bau eines großen Mehrfamilienhauses mit hochwertigen Wohnungen. Im September 2020 beschloss der Stadtrat allerdings einstimmig: Wir machen das nicht, das ist zu teuer. Schon damals, weit vor der jetzigen Kriegs- und Inflationskrise, war die Entscheidung der enormen Steigerung der Baupreise und der hohen Auslastung der Baufirmen geschuldet.

Der Ausweg: Vorschläge von den Bürgerinnen und Bürgern mittels einer Befragung einholen und einen sogenannten freiraumplanerischen Architektenwettbewerb ausschreiben, der eine Zwischennutzung für die Fläche an der Friedrich-Ebert-Straße zum Ziel hat.

Der Siegerentwurf

Dieser ist mittlerweile abgeschlossen, der Siegerentwurf gekürt. Die Präsentation dazu lag den Stadträtinnen und -räten in der jüngsten Sitzung vor. Demnach entschied sich die Jury in einer Sitzung am 28. Juni, in der Bürgermeister Stefan Göcking sowie seine Stellvertreter Marion Stowasser-Fürbringer und Michael Fuchs vonseiten der Stadt sowie mehrere Landschaftsarchitekten vertreten waren, für den Vorschlag des Planungsbüros Sowatori Landschaft, Bochum. Dieser sieht eine lange Tafel im Freien vor, an der Bürgerinnen und Bürger Platz nehmen und speisen können.

Da mit der Neugestaltung des Platzes ein städtebaulicher Missstand beseitigt werden soll, ist auch die Städtebauförderung der Regierung von Oberfranken im Boot. Sie hat nun auch ein Wörtchen mitzureden, wenn es um die Tatsache geht, dass die Realisierung des Entwurfs, den sich die Jury für Platz eins ausgesucht hat, um rund 60 000 Euro teurer wird, als ursprünglich eingeplant waren. Vorgesehen waren zunächst insgesamt 120 000 Euro, jeweils die Hälfte davon für den Wettbewerb und die Umsetzung.

Mehr Eigenmittel

Nun erhöht sich der Betrag laut Bürgermeister Stefan Göcking auf 180 000 Euro, was die Jury aber ausdrücklich in Kauf genommen habe. Allerdings bedeute dies auch, dass die Eigenmittel, die die Stadt aufbringen muss, ebenfalls steigen. Nämlich auf 20 000 Euro.

Die Städtebauförderung habe eine mögliche Aufstockung der Fördergelder in Betracht gezogen, so der Bürgermeister im Gespräch mit der Frankenpost. Denkbar seien wiederum rund 80 bis 90 Prozent der Kosten. Der Leiter des Stadtbauamts, Andreas Martin, ergänzt: „Die Regierung hat angedeutet, zusätzliche Mittel bereitzustellen. Jetzt muss der Stadtrat entscheiden, ob das gemacht werden soll oder nicht.“

Künftig wird der neugestaltete Platz im Zusammenspiel mit dem Rathausvorplatz und der Fläche gegenüber, auf der ein Wohnmobilstellplatz gebaut werden soll, optisch als „Tor zur Innenstadt“ wirken, wie die Planer des begleitenden Büros „Umbau Stadt“ ausführen. Das Preisgericht beschreibt den Siegerentwurf als „starken Stadteingang, der neugierig mache, zur Nutzung und Aneignung einlade und einen wichtigen Teil der Ortsgeschichte erkläre“. Der Beurteilungstext des Preisgerichts umreißt den Siegervorschlag unter anderem so: Der Entwurf gehe mit seinem skulpturalen, künstlerischen Beitrag auf die Geschichte der Stadt ein und lade zu Tisch. Mit Service-Abdrücken in dem Tisch werde die frühere Bedeutung des Porzellans für Arzberg verdeutlicht und biete gleichzeitig einen nutzbaren Ort für die Menschen in einem Grünbereich.

Vorsichtig optimistisch

Bürgermeister Stefan Göcking zeigt sich vorsichtig optimistisch, was die tatsächliche Umsetzung des Projekts anbelangt. Er freut sich darüber, dass die Verantwortlichen bei der Städtebauförderung in Bayreuth einer möglichen Erweiterung des Förderrahmens nicht abgeneigt seien. Die Neugestaltung des Platzes sei nötig, da damit eine unansehnliche Stelle im Stadtbild beseitigt werden könnte, nachdem der Neubau des Wohnhauses unmöglich und schlichtweg nicht finanzierbar geworden sei. Das letzte Wort habe nun der Stadtrat, der das nächste Mal im September zu einer regulären Sitzung zusammenkommen werde.

 

Bilder