In Arzberg UPW will keine weitere Kita

Christl Schemm
Wie kann der Bedarf an weiteren Kita-Plätzen in Arzberg befriedigt werden? Darüber muss der Arzberger Stadtrat in der nächsten Zeit entscheiden. Foto: dpa/Uwe Anspach

Die Einrichtungen zur Kinderbetreuung in Arzberg platzen aus allen Nähten. Laut einer Analyse der Kämmerei besteht erheblicher Bedarf an weiteren Plätzen. Die „Freien“ sehen das anders und haben auch Zweifel an den Zahlen.

. Vor knapp vier Wochen haben die Jungen und Mädchen mit ihren Erzieherinnen ihre neue Kindertagesstätte „Abenteuerland“ an der Egerstraße bezogen. Dort stehen jetzt wesentlich mehr Betreuungsplätze als im bisherigen Domizil in der „Villa Weinberg“ zur Verfügung. Trotzdem besteht im Bereich der Stadt Arzberg für die nächsten Jahre ein weiterer Bedarf an zusätzlichen Plätzen für Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder. Das dokumentiert eine ausführliche und mit vielen Zahlen unterlegte Bedarfsanalyse, die Martin Buchwald von der Stadtkämmerei den Stadträtinnen und -räten in der letzten Sitzung des Jahres vorgelegt hat.

Der Bedarfsplan für die nächsten drei Jahre

Nach den Berechnungen Buchwalds fehlen laut Bedarfsplan für die nächsten drei Jahre im Bereich Kinderkrippe zwölf, im Bereich Kindergarten 40 und im Bereich Hort 27 Plätze. Die Zahlen beruhen laut Buchwald vor allem auf der Fortschreibung der Geburtenzahlen in den jeweiligen Jahrgängen, den tatsächlichen Buchungen und der Entwicklung der Betreuungsangebote. Die Frage, die sich dem Stadtrat jetzt also stellt: Wie kann dieser weitere Bedarf gedeckt werden? Ist ein Ausbau der bestehenden Einrichtungen „Abenteuerland“, „Sonnenschein“ und „Marienheim“ nötig und ausreichend? Oder muss die Stadt eine weitere Kindertagesstätte bauen? „Es gibt Bedarfe, die befriedigt werden müssen. Ob wir das im Zuge der Schulsanierung, mit Umbau oder Neubau machen, werden wir in den nächsten Monaten sehen“, sagte Buchwald in der Sitzung. Die bestehenden Einrichtungen seien jedenfalls überbucht, auch die Nachmittagsbetreuung der Schule.

UPW zweifelt Zahlen an

Der Stellungnahme von Fraktionsvorsitzendem Roland Werner war zu entnehmen, dass die UPW zum einen die von der Kämmerei vorgelegten Zahlen anzweifelt und zum anderen einem Kita-Neubau nicht zustimmen würde. Dem Argument Werners, dass eine Rücklaufquote von 25 Prozent bei einer Elternbefragung nicht repräsentativ sei, hielt Martin Buchwald im Gespräch mit unserer Zeitung am Tag nach der Sitzung entgegen, dass es bei der Umfrage um die Qualität des Betreuungsangebots gegangen sei und nicht um die Bedarfsermittlung. Doch diese sei aufgrund des bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes erforderlich, schon deswegen, weil es sonst keine Fördergelder gebe. Für die ablehnende Haltung der UPW hinsichtlich eines potenziellen Neubaus spricht nach Meinung Werners, dass 37 Prozent der Jungen und Mädchen, für die der Bedarf errechnet wurde, einen Migrationshintergrund hätten. Diese Kinder könne man den anderen Kindern nicht gleichstellen. „Flüchtlinge sind selten in Arbeit“, meinte Werner und leitete daher ab, dass diese Eltern ihre Kinder selbst betreuen könnten. Zudem könne die Stadt nicht alle Aufgaben auf einmal übernehmen. „Es kann nicht sein, dass der Kommune wie immer eine Pflicht aufgezwungen wird, ohne dass es eine finanzielle Hilfe gibt“, betonte der UPW-Sprecher. „Wie sollen wir das machen? Wir haben doch keine Kohle.“ Daher wolle seine Fraktion keinen weiteren Kindergarten, sondern „Druck aufbauen“.

„Wir behandeln alle Kinder gleich“

„Mir ist es erstmal wurscht, ob ein Kind einen Migrationshintergrund hat oder nicht“, hielt Stefan Göcking den Ausführungen Werners entgegen. „Wir behandeln alle Kinder gleich.“ Außerdem sagte der Bürgermeister, dass es doch positiv sei, wenn es wieder mehr Kinder gebe. Er erinnerte daran, dass der Stadtrat noch vor wenigen Jahren darüber diskutiert habe, ob ein Kindergarten geschlossen werden müsse. Zudem müsse die Stadt von 2026 an pflichtgemäß Plätze für Ganztagsbetreuung vorhalten. „Wir müssen an diesem Thema dranbleiben“, sagte der Rathaus-Chef. SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Gräf warnte davor, dass das Landratsamt die Duldung für die bisherige Praxis entziehen könnte und „dann die Kinder mit ihren Eltern im Rathaus stehen“. Es bestehe schließlich ein Rechtsanspruch auf Betreuung. Auch Gräfs Fraktionskollegin Kristina Martin, die als Geschäftsführerin der evangelischen Kirchengemeinde direkten Einblick in die Kita-Situation hat, meinte: „Wenn wir nichts tun, kriegen wir Probleme.“ Im neuen „Abenteuerland“ sei bereits jetzt kein Platz mehr frei, auch das „Marienheim“ sei überbucht. Die Stadt müsse tätig werden, um die jetzige Unterdeckung an Betreuungsplätzen abzufangen, sagte Stefan Klaubert (SPD). Dies sei eine Pflichtaufgabe der Stadt. „Wir sollten uns freuen, dass es Kinder gibt, und die Sache nicht negativ sehen“, meinte er.

Am Ende schlossen sich die Rätinnen und Räte dem Vorschlag der UPW an, den Bedarfsplan zunächst nur zur Kenntnis zu nehmen, aber nicht zu beschließen.

 

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