In Arzberg Viel Potenzial für Freiflächen-PV

Christl Schemm
Unter den PV-Freiflächenanlagen, die die Kooperationspartner Zenob und Münch für den Landkreis Wunsiedel planen, soll auch Platz sein für landwirtschaftliche Nutzung und ökologische Zwecke. Foto: picture alliance/dpa/Sönke Möhl

Der Projektleiter der Firma Münch, Juri Phillip, stellt im Arzberger Stadtrat das Konzept seiner Firma und der Zenob für den Bau von Photovoltaikanlagen vor. Er verweist unter anderem auf die Relevanz für die Ansiedlung von Unternehmen.

Ein flammendes Plädoyer für den Ausbau der Photovoltaik (PV) hat Juri Phillip in der jüngsten Sitzung des Arzberger Stadtrats gehalten. Der Projektleiter der Firma Münch-Energie, mit der das interkommunale Unternehmen Zukunftsenergie Nordostbayern (Zenob) eng zusammenarbeitet, stellte deren Konzept für PV-Anlagen vor. In der Zenob (früher Zukunftsenergie Fichtelgebirge) haben sich mittlerweile 22 Kommunen zusammengeschlossen, um Projekte für die Energiewende auf den Weg zu bringen. Arzberg gehört zu den Gründungsmitgliedern. Die Kooperationspartner wollen im Landkreis, der sich künftig komplett selbst mit CO2-neutralem Strom versorgen will, in großem Stil Photovoltaikanlagen bauen. Davon sollen auch die Landwirte und Bürger profitieren.

Arzberg bereits sehr gut aufgestellt

Phillip attestierte der Stadt Arzberg, in Sachen Energiebilanz bereits sehr gut aufgestellt zu sein. Die Fragen, die sich die Zenob und die Firma Münch unter anderem stellten: Wie kommt man an günstigen Strom? Und wie setzt man das um, „ohne alles zuzupflastern“? Manche Menschen hätten allerdings noch nicht darüber nachgedacht, welche Probleme künftig im Bereich der Energie zu bewältigen seien. Der Fachmann erinnerte beispielsweise daran, dass sich der Bedarf an Strom verdoppeln werde sowie intelligente Netze und Speicher nötig seien.

Die PV-Freiflächenanlagen, die Zenob und Münch bauen wollen, sollen laut Phillip doppelt genutzt werden: für die Energieerzeugung und für die Landwirtschaft. „Das ist ein zweites Standbein für die Landwirte“, betonte er. „Auf den Flächen kann nicht nur Strom produziert werden, sondern dort können auch Hühner und Schafe gehalten sowie Bienenstöcke aufgestellt, Blühwiesen und Wildkorridore angelegt werden. Auch ist Platz für Feldvögel. Wir planen im Einklang mit der Natur.“ Nach dem Konzept sollen PV-Anlagen keine Störfaktoren sein, wie dies die Gegner der Anlagen sähen. Phillip prophezeite, dass „unsere Kinder und Enkel anders darüber nachdenken werden. Wir werden um den Bau solcher Anlagen nicht herumkommen“. Zudem wies der Vertreter der Firma Münch darauf hin, dass sich dort, wo Strom am günstigsten angeboten werde, Firmen ansiedeln würden. Dabei sei wichtig, wie die Kommune nach außen wirke. Für die Akzeptanz sei eine bürgernahe Kommunikation nötig.

Später vielleicht kein Mitspracherecht mehr

Zurzeit könnten die Kommunen noch mitbestimmen, wo in ihrem Gemeindegebiet PV-Freiflächenanlagen gebaut werden sollen. Dies könne sich künftig ändern, wenn es Vorschriften durch die übergeordnete Politik gebe. „Vielleicht haben Sie später kein Mitspracherecht mehr“, wandte sich der Fachmann an die Stadträtinnen und -räte. Beim Flächen-Screening, also der Untersuchung, wo PV-Anlagen gebaut werden könnten, werden laut Phillip Kriterien wie Landschafts- und Wasserschutz sowie Wohnbebauung herangezogen. Ebenso die Frage, wo Wind-Vorranggebiete bereits ausgewiesen seien. Engpässe gebe es generell bei den Anschlüssen ans Stromnetz. Phillips Resümee: „In Arzberg gibt es sehr viel Potenzial. Jetzt haben Sie die Chance zu entscheiden, wie dies gestaltet werden soll.“

Der regional und aus regenerativen Quellen erzeugte Fichtelgebirgsstrom sei der Strom der Zenob, verdeutlichte Bürgermeister Stefan Göcking. Der „Wunsiedler Weg“ sei auch der „Arzberger Weg“, denn Arzberg sei Gründungsmitglied der Zenob. Vor Ort produzierter Strom ist nach Einschätzung des Rathaus-Chefs ein Standortfaktor für die Industrie, sowohl für Neuansiedlungen als auch für die vorhandenen Firmen.

PV-Anlagen auch in Windvorranggebieten

Ob PV-Freiflächenanlagen auch im Bereich von Windvorranggebieten gebaut werden können, wollte SPD-Fraktionssprecher Peter Gräf wissen. „Ja, das ist kombinierbar und wird bald Standard sein“, antwortete Juri Phillip. Außerdem fragte Gräf danach, wie viele Dächer in Bayern für PV-Anlagen geeignet seien. Bei vielen Dächern gebe es statische Probleme, sodass keine PV-Anlage montiert werden könnten, erläuterte der Fachmann. Acht von zehn Dächern könnten nicht bebaut werden. Zudem: Selbst wenn alle Dächer mit PV-Anlagen versehen würden, dann könne damit nicht einmal ansatzweise der Strombedarf in Deutschland gedeckt werden.

Ein Problem sei auch, den Strom von den Dächern ins Netz zu bringen, führte Peter Gräf an. Dies hänge mit der Spannung zusammen, erläuterte Phillip. Auch Bürgermeister Göcking wies darauf hin, dass die Netze ein großer Hemmschuh seien. „Das beschäftigt uns schon lange“, sagte er und verwies auf das Testfeld „Smart Grid“ im Stadtteil Schlottenhof. Der Bericht von Juri Phillip spiegle das wider, was in der Stadt Arzberg seit zehn Jahren verfolgt werde, sagte Stefan Klaubert (SPD). „Was jetzt passiert, müsste jedem die Augen öffnen, dass wir dumm wären, wenn wir die Potenziale vor Ort nicht nutzen“, meinte er. Für die nächsten Generationen würden PV-Anlagen eine Selbstverständlichkeit sein. „Das Kraftwerk war für uns auch nicht verwerflich, sondern diente der Energieerzeugung.“

 

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