Es herrschte in und um das Friedhofsgelände willkommene Stille. Der Lärm der vorbeiführenden Straße war verstummt. Vogelgezwitscher war in den kurzen Pausen ohne Weiteres vernehmbar. Die Halle selbst war innen hell beleuchtet, der handgeschöpfte Papier-Vorhang der Künstlerin Anne Litzker-Lubin diente als Blickfang. Vorsitzender Roland Blumenthaler fasste sich in der Begrüßung kurz und freute sich mit dem Förderverein über den guten Zuspruch. In Hinblick auf die Dichterlesung zitierte er aus dem Buch „Nichts“ von Janne Teller: „Ich könnte endlos darüber sprechen, wie man den Glauben an die Menschlichkeit verlieren kann, aber ich möchte viel lieber darüber sprechen, wie er wieder hergestellt werden kann. Ich möchte viel lieber über das Wasser und das Salz sprechen, das ich zwischen den Zeilen der Gedichte gefunden habe, die ich jeden Tag in kleinen Stücken zu mir genommen und auswendig gelernt habe. Einige der Gedichte habe ich seither vergessen, aber an die meisten erinnere ich mich noch. Jedes ist zu einem kleinen unsichtbaren Lächeln in meiner Seele geworden, traurig oder freudig.“