In Marktredwitz Datenerhebung zur Wärmeplanung beginnt

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Monteure stellen eine installierte Wärmepumpe in einem Keller ein. Foto: /Doreen Garud/dpa

Der Bund nimmt Städte und Gemeinden in die Pflicht. Marktredwitz geht jetzt ein Projekt an, das die Grundlage für Wärmenetze bildet.

 
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Bayern will im Jahr 2040 klimaneutral sein. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssen möglichst viele Städte und Gemeinden mitziehen. Ein Instrument der Umsetzung ist die kommunale Wärmeplanung – ein Prozess, der nun auch in Marktredwitz startet und bis Mitte 2028 abgeschlossen sein wird. Wie es in einer Mitteilung aus dem Marktredwitzer Rathaus heißt, wurden bereits im Juni 2023 Fördermittel des Bundesumweltministeriums über die Kommunalrichtlinie für das Projekt bewilligt – mit einer Förderquote von 100 Prozent. Für Bürgerinnen und Bürger besteht aktuell kein Handlungsbedarf.

Analysen von Bestand und Potenzial

Alle Kommunen sind laut Wärmeplanungsgesetz verpflichtet, einen Wärmeplan zu erstellen – er ist zentrales Instrument, um zu eruieren, mit welcher Strategie eine klimaneutrale Wärmeversorgung erreicht werden kann. Zu Beginn werden zunächst Daten erhoben, zum Beispiel bei Energieversorgern oder Schornsteinfegern. Anschließend erfolgt auf Basis dieser Daten eine umfangreiche Bestandsanalyse zu Wärmebedarf und Versorgungsinfrastruktur der Stadt. Im nächsten Schritt geht es an die Potenzialanalyse, die darlegt, wo erneuerbare Energien genutzt werden können und wo Einsparmöglichkeiten bestehen, teilt die Stadt Marktredwitz mit.

Anhand der vorliegenden Daten aus der Bestands- und der Potenzialanalyse werden abschließend Gebiete ermittelt, die sich zukünftig für Wärmenetze oder für die dezentrale Energieversorgung eignen. Unterstützt wird der gesamte Prozess von der Firma Endura Nordostbayern mit Sitz in Wunsiedel. „Oftmals erwarten interessierte Bürgerinnen und Bürger, dass der Wärmeplan aufzeigt, in welchen Straßen und wann genau das Netz gebaut wird. Aufgabe des Wärmeplans ist es jedoch vielmehr, Gebiete zu identifizieren, die nach verschiedenen Kriterien darauf hinweisen, dass hier ein Nahwärmenetz wirtschaftlich sein könnte“, verdeutlicht Felix Unger, Projektleiter bei Endura Nordostbayern.

Langer Atem erforderlich

Die Datenerhebung und die nachfolgende Analyse brauchen Zeit und Präzision, darin ist sich das Projektteam einig. Der Projektleiter der Stadt Marktredwitz, Gerald Hoch, bringt es auf den Punkt: „Gerade in der kalten Jahreszeit und bei noch immer hohen Energiepreisen hätten wir am liebsten sofort eine Aussage, in welchen Quartieren wir unsere Wärmenetze weiter ausbauen. Doch nur die sorgfältige Planung gewährleistet am Ende eine Lösung, die für jedes Quartier die effizienteste und wirtschaftlichste Energieversorgung aufzeigt.“ Gerade in den ersten Projektphasen sei ein langer Atem erforderlich – und zwar von allen Beteiligten. Zu rechnen ist mit ersten Ergebnissen im Herbst 2024. „Sobald wir aussagekräftige und fundierte Ergebnisse vorliegen haben, stellen wir diese der Öffentlichkeit zur Verfügung“, so Projektleiter Hoch abschließend.

Wie das Bundesbauministerium mitteilt, wird von den rund 41 Millionen Haushalten in Deutschland nahezu jeder zweite mit Gas und knapp jeder vierte mit Heizöl beheizt. Fernwärme macht aktuell rund 14 Prozent aus.

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