In Marktredwitz Die Geschichte der Glasindustrie

Alfons Prechtl
Die Glasmacher bei der Arbeit im Marktredwitzer Glaswerk. Foto: Stadtarchiv Marktredwitz

Hermann G. Meier erzählt im Rahmen eines Vortrags im Historischen Club Marktredwitz von der langen Historie der Glasmacher. Eigentlich war ein anderer Vortrag geplant.

Manchmal ist es ganz gut, wenn man einen Plan B aus der Schublade ziehen kann. So geschehen beim Historischen Club, als der angekündigte Vortrag von Martin Schreyer über die 800-jährige Geschichte von Brand urplötzlich wegen Erkrankung des Referenten ausfallen musste. Stadtarchivarin Edith Kalbskopf konnte Hermann G. Meier überreden, über die „Geschichte und Technik der Flachglasherstellung“ zu sprechen.

Edith Kalbskopf nahm Bezug zu dem Begleitband, der vor 10 Jahren erstellt worden war als man die Ausstellung „Mir san Hüttener“ durchführte. In vielen Beiträgen wurde die Geschichte der Glasmacher in Marktredwitz beleuchtet. In einem Beitrag schrieb die damalige Oberbürgermeisterin Birgit Seelbinder, dass zu Beginn des zwanzigsten Jahrhundert die Marktredwitz Spiegel- und Tafelglasproduktion zu den wichtigsten Industriebranchen der Stadt gehörte. Heute ist die Glasindustrie aus Marktredwitz verschwunden. Sie hat aber eine Halle hinterlassen, die heute als Industriedenkmal das Stadtbild prägt und in ihren Dimensionen und der Qualität der Architektur und Konstruktion ihresgleichen sucht. „Die Geschichte der Marktredwitzer Glasindustrie beschränkt sich nicht nur auf Unternehmertum und Technik, von besonderer Bedeutung sind auch die Menschen, die durch ihre Arbeit das Schicksal der Firma mitgetragen haben“, schreibt die Oberbürgermeisterin wörtlich.

Kenner der Materie

Als wahrer Kenner der Materie erwies sich Hermann Meier bei seinen Ausführungen: „Geschichte und Technik der Flachglasherstellung“. Den Gesamtüberblick ergänzte er durch viele technische und Kenntnisse. Anschauliche Abbildungen und Skizzen beleuchteten die Ausführungen. Der Referent versäumte es nicht, bei den einzelnen Schritten auf die Produktionsstätten in der Stadt und der Umgebung hinzuweisen.

So interessierte sich schon im 19. Jahrhundert W.C. Fikentscher von der chemischen Fabrik für das von dem Physiker Professor Gehlen erfundene Glaubersalz. An dem Verfahren war Fikentscher sehr interessiert und gründete mit einigen Teilhabern eine Glashütte in der Nähe von Brand bei Marktredwitz. Der Hafenofen wird seit Jahrhunderten als Glasschmelzofen eingesetzt. Die Firma Fastner & Co aus Elisenfels/Arzberg hatte sich auf die Glasschmelzhäfen spezialisiert. Auch Friedrich Fikentscher, der Sohn von W.C. Fikentscher, der die Versuche mit Glaubersalz auf der Glashütte durchgeführt hatte, beschäftigte sich mit dem Regenerationssystem. Er konstruierte um 1850 einen Generator zum Beheizen der Glasöfen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er Redwitz bereits verlassen und in Zwickau ein eigenes Unternehmen mit einer Glashütte gegründet.

Das Zylinderblasverfahren

Das Zylinderblasverfahren ist die über lange Zeiträume zur Flachglaserzeugung angewandte Methode. Es wird heute nur noch für die Herstellung besonderer Flachgläser eingesetzt, die bei der Restaurierung historischer Gebäude Verwendung finden. Auch zu diesem Zweck produziert die Glashütte Lamberts in Waldsassen noch heute Fensterscheiben im Zylinderblasverfahren.

Die Glasfabrik Lamberts in Holenbrunn, die 1887 gegründet wurde, stellte von Anfang an Ornamentglas aus der Wanne her. Ab 1888 konnte auch Drahtglas hergestellt werden. Das Drahtgewebe wurde auf unterschiedliche Weise in die Rohglasplatte eingebracht. Abgeleitet vom Chance-Walzwerk sind Maschinen entwickelt worden, die es ermöglichten, das Drahtgeflecht beim Walzvorgang mit einzubringen. Derartige Maschinen wurden auch von der Firma Emil Offenbacher in Marktredwitz hergestellt. Aus dieser Firma ist die heutige Firma Fickert & Winterling hervorgegangen.

Gründung des Glaswerks

Eine besondere Bedeutung für die Entwicklung und Produktion erhielt die Gründung des Marktredwitzer Glaswerks in den Jahren 1885 bis 1900 durch die Firma Seligmann Bendit & Söhne. Am 20. April 1887 wurden der Firma die genehmigten Pläne zum Bau einer Glasfabrik vom königlichen Bezirksamt Wunsiedel ausgehändigt. Die Pläne der Spiegelglasfabrik stammten von dem Redwitzer Baumeister Friedrich Mühlhöfer. 1912 wurde die „Glasschleif“ auf dem Werksgelände in Marktredwitz errichtet und 1913 in Betrieb genommen. Jetzt konnte ein Teil der Schleif- und Polierarbeiten sozusagen im Haus vorgenommen werden, vorher musste man es von außerhalb besorgen lassen. Man erzielte immer mehr Perfektionierungen. Der Ausstoß der Firma Bendit erreichte im Jahr 1928 rund 250 000 Quadratmeter Tafel- und Spiegelglas.

 

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