In Marktredwitz Jobmesse überwindet Sprachbarrieren

Wer nach Arbeit sucht, der wird am 24. Februar bei der Jobmesse vielleicht fündig. Foto: dpa/Jens Kalaene

Die Veranstaltung in der Marktredwitzer Stadthalle richtet sich an jeden, der Arbeit sucht. Besonders Menschen mit Migrationshintergrund will man einen leichten Einstieg ermöglichen.

 
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Niedrigschwellig soll sie sein, Sprachbarrieren überwinden und eine Chance sowohl für Arbeitnehmer als auch -geber bieten, in Kontakt zu treten. Und Signalwirkung soll sie haben, ein Aufruf der Organisatoren an alle Arbeitssuchenden, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund: „Wir sehen euch.“ Die Rede ist von der Jobmesse in Marktredwitz, die am Samstag, 24. Februar, über fünf Stunden hinweg, von 10 bis 15 Uhr, in der Stadthalle stattfinden wird. Das Besondere an dieser Messe: Sie richtet sich auch, aber nicht nur, an Arbeitslose mit Fluchthintergrund – Geflüchtete, die mittlerweile ihre Sprachkurse absolviert haben und die auf der Suche nach einer Beschäftigung sind.

Die Verantwortlichen am Ort des Geschehens, in der Stadthalle (von links): Roland Zeitler vom Jobcenter Fichtelgebirge, Sebastian Peine, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof, Thomas Hecht, Wirtschaftsförderer der Stadt Marktredwitz, Mary Heinlein, Leiterin des Arbeitgeber-Services der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof, Birgit Schelter, Amtsleiterin für Öffentliche Ordnung und Soziales der Stadt, Walied Youssef, Integrationsbeauftragter der Stadt. /Sascha Fuchs

Die Idee für diese Messe, die Sprachbarrieren überwinden soll, hatte der Integrationsbeauftragte der Stadt, Walied Youssef. Ohnehin leistet Youssef bereits eine ganze Menge Integrationsarbeit – nun will er die Integration der Menschen in den Arbeitsmarkt weiter verstärken: „Besonders wichtig ist es, die sprachliche Hürde zu lösen, weshalb bei der Messe auch verschiedene Dolmetscher dabei sein werden.“ Der Gedanke für eine Jobmesse in dieser Form kam ihm durch seine Arbeit im Integrationsbüro. „Die Gespräche mit den Kooperationspartnern waren dann von Beginn an ein voller Erfolg“, erinnert sich Youssef. Ohne diese, das betont der Sozialpädagoge, wäre die ganze Messe nie möglich gewesen.

Partner machen die Messe möglich

Jene Kooperationspartner sind die Bundesagentur für Arbeit Bayreuth-Hof, das Jobcenter Fichtelgebirge, die Stadt Marktredwitz, die den Ort des Geschehens, die Stadthalle, zur Verfügung stellt, und auch der Landkreis Wunsiedel.

„So eine außergewöhnliche Jobmesse ist eine super Sache für Marktredwitz. Wir sind ein starker Wirtschaftsstandort, aber der Fachkräftemangel ist definitiv vorhanden. Da spielt Integration eine wichtige Rolle, dem entgegenzuwirken“, betont Thomas Hecht, Wirtschaftsförderer der Stadt Marktredwitz. „Wir hoffen deshalb, dass wir viele Gewillte haben werden, die dieses kostenlose Angebot nutzen.“ Dazu ruft auch der Oberbürgermeister Oliver Weigel in einer Pressemitteilung auf: „Nutzen Sie die Gelegenheit, um die Vielfalt an Beschäftigungsmöglichkeiten in unserer Region kennenzulernen und vielleicht das eine oder andere Jobangebot mit nach Hause zu nehmen.“ Schließlich würden auch in der Großen Kreisstadt Arbeitskräfte in nahezu allen Branchen und Tätigkeitsfeldern händeringend gesucht.

Dem schließt sich in der Mitteilung auch der Wunsiedler Landrat Peter Berek an: „Dem gesamten Team des Landratsamtes und auch mir persönlich ist es ein echtes Anliegen, möglichst viele zugewanderte Personen möglichst schnell in Arbeit zu bringen. Davon profitieren alle.“

Keine bürokratischen Hürden

Damit es für diejenigen, die Arbeiten wollen, so einfach wie möglich klappt, gibt es auch Angebote bei der Messe, die sich um den bürokratischen Teil des Prozesses kümmern: Drei Jobbegleiter , die beim Schreiben von Bewerbungen unterstützen können, sind am 24. Februar ebenfalls vor Ort. Das ausgerufene Ziel, niedrigschwellig Kontakte aufbauen zu können, soll auch dadurch besser funktionieren. Auch Flüchtlinge, die mittlerweile in der Region Fuß gefasst und einen Job gefunden haben, werden da sein – sozusagen die Vorbildfunktion einnehmen.

Wie die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt aussieht, weiß Sebastien Peine, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof: „Im Landkreis Wunsiedel sind aktuell gut 1000 offene Stellen gemeldet. Der Arbeitsmarkt brummt aktuell vielleicht nicht mehr ganz so, wie noch vor kurzer Zeit, aber der Fach- und eigentlich schon der Arbeitskräftemangel ist bemerkbar. Dennoch haben wir Arbeitslose – nicht nur mit Fluchthintergrund – die Probleme haben, eine Stelle zu finden.“ Arbeitssuchende mit Fluchthintergrund würden sich oft schon mit den Formalitäten schwer tun. „Deshalb hat Walied Youssef mit seiner Idee bei uns offene Türen eingerannt“, stellt Peine fest.

Sprachkurse abgeschlossen

Roland Zeitler von Jobcenter Fichtelgebirge kann aus erster Hand berichten: „Die Idee einer solchen Messe haben wir gerne aufgegriffen. Wir haben selbst bemerkt, wie schwierig es für manche Menschen sein kann, mit Unternehmen Kontakt zu knüpfen. Und warum richtet man die Messe gerade jetzt aus? Sebastian Peine hat die Antwort parat: „Immer mehr Menschen, die aus der Ukraine flüchten mussten, kommen jetzt gerade aus ihren Sprachkursen heraus und bewegen sich auf einem guten sprachlichen Niveau. Jetzt können wir also an die Integration in den Arbeitsmarkt denken. Und bei der Arbeit lernt man die Sprache auch noch besser kennen.“

22 Firmen sind es bislang, die sich bereits für die Messe angemeldet haben, wie Mary Heinlein, Leiterin des Arbeitgeber-Services der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof, erklärt. Darunter große Firmen wie beispielsweise Ceramtec oder Scherdel sowie auch Zeitarbeitsfirmen, bei denen der Einstieg ins Berufsleben oft etwas einfacher sei. „Auch aus Arbeitgebersicht lohnt sich die Messe selbstverständlich“, ergänzt Walied Youssef. „Für sie ist es eine tolle Werbung, man kann sich dort bekannt machen, sein Unternehmen vorstellen.“ Es sind laut Heinlein auch noch Kapazitäten für Aussteller in der Stadthalle vorhanden. Die Stände sind für die Unternehmen übrigens kostenlos.

Auch wenn viele Angebote speziell auf Menschen mit Migrationshintergrund zugeschnitten sind, betont Roland Zeitler: „Die Messe ist für jeden gedacht. Wer Interesse hat, kann an diesem Tag einfach vorbei kommen – es ist ein Angebot auf freiwilliger Basis.“

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