In Schönwald Jugendliche übernehmen Verantwortung

Aktuell ist der Jugendcontainer in der Stadtmitte geschlossen. Nun bitten die jungen Leute darum, ihn wieder zu öffnen. Sie wollen sich selbst darum kümmern.

„Wir, die Jugendlichen, wollen den Conti wieder geöffnet haben“, steht auf den Zetteln an der Containerwand in der Stadtmitte von Schönwald. Wie das möglich werden könnte, haben die Jugendlichen (Bild) im Gespräch mit den Verantwortlichen geklärt; mit im Bild Nicole Fischer (mittlere Reihe, Zweite von links) sowie Michael Miedl und Bürgermeister Klaus Jaschke (Zweiter und Dritter von rechts). Foto: pr

Eine überaus erfreuliche Entwicklung in Sachen Jugendcontainer hat der Schönwalder Bürgermeister Klaus Jaschke den Mitgliedern des Stadtrats in der Sitzung am Donnerstagabend mitgeteilt: Die Jugendlichen selbst seien, informierte er, auf ihn zugekommen mit dem Wunsch, den Jugendcontainer, der aktuell geschlossen ist, wieder zu öffnen. Außerdem hätten sie zugesagt, sich selbst dafür zu engagieren und sich darum zu kümmern. Vor gut einer Woche hätten etwa 17 Jugendliche um ein Gespräch mit ihm gebeten. Dabei sei es im Wesentlichen um die Wiedereröffnung des Containers für die Jugendlichen gegangen und die notwendigen Rahmenbedingungen dafür.

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Selbst sauberhalten

„Die Jugendlichen hatten in den zurückliegenden Tagen den Container immer wieder eigenständig gereinigt und zuletzt auch dessen Wände, soweit dies noch möglich war“, berichtete der Bürgermeister weiter. Und: „Nicole Fischer erklärt sich bereit, nach Aushändigung eines Schlüsselsets dafür zu sorgen, dass der Container abends immer wieder geschlossen wird. Die Jugendlichen wollen weiterhin selbst für Ordnung und Sauberkeit sorgen.“ Außerdem wünschten sich die Jugendlichen ein Sonnensegel für die Freifläche zwischen den beiden Bänken.

Videoüberwachung

„Grundsätzlich“, fuhr Klaus Jaschke fort, „ist die Öffnung des Containers in Verbindung mit einem verantwortungsvollen Verhalten der Jugendlichen möglich, wobei wir die Situation natürlich beobachten werden.“ Eine Videoüberwachung des Geländes sei in Auftrag gegeben. Er stehe den Jugendlichen als Ansprechpartner zur Verfügung.

„Vor allem bei Schäden ist es wichtig, diese zeitnah zu melden und vor allem auch den Verursacher bekanntzumachen. Das Schließen einer Einrichtung ist immer die letzte Möglichkeit, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Es wäre gut, wenn der Jugendcontainer mit dem Umfeld, das ja einiges an Geld gekostet hat, auch wieder von den Jugendlichen genutzt würde.“

Verein übernimmt Patenschaft

Im vergangenen Jahr hatte der Bürgerverein Schönwald mit seinem Vorsitzenden Michael Miedl die Patenschaft für den Jugendcontainer übernommen, sich entsprechend um das Umfeld gekümmert und war mit den Jugendlichen im Gespräch. Auch Miedl sei, so Jaschke, nun in die Gespräche eingebunden gewesen. Bislang habe sich der Bürgerverein, so habe der Vereinsvorsitzende mitgeteilt, in diesem Jahr noch nicht um den Jugendcontainer gekümmert. Für das Jahr 2022 werde der Bürgerverein jedoch die Patenschaft wieder übernehmen. Jaschke: „Dafür ein herzliches Dankeschön!“

Vor knapp einem Jahr titelte unsere Zeitung „Jugendliche ,saulieren’ am Container“. Die Rede war von „wilden Partys“, die dort stattfänden; es komme zu Sachbeschädigungen und Randale. „Das hört nicht auf – sobald es finster wird, geht es los“, hatte damals Stadtrat Stephan Sohns (SPD) geklagt, dessen Bäckerei in nächster Nachbarschaft zum Container liegt.

Massive Kritik

Den guten Willen hatte 2021 Michael Miedl, der Vorsitzende des Bürgervereins Schönwald, gezeigt, als er die ehrenamtliche Patenschaft für den Jugendcontainer übernahm. Dreimal täglich, so Miedl damals, habe er sich um den Container gekümmert. „Früh um fünf Uhr war ich immer das erste Mal dort und habe regelmäßig sauber gemacht.“ Abends habe er dann das Gespräch mit den Jugendlichen gesucht. Vergeblich.

In der wiederholten Kritik am Geschehen rund um den Jugendcontainer standen nicht nur Verschmutzungen; manche Jugendlichen hätten auch einfach an die Wände uriniert. Stephan Sohns hatte zudem beobachtet: „Das sind auch teilweise Jugendliche unter 14 Jahren, also strafunmündige, die dort Flaschen zerschlagen. Die Jugendlichen schätzen das Angebot einfach nicht wert.“ Den Jugendcontainer hatte die Stadt 2013 für rund 50 000 Euro angeschafft und in Sichtweite des Rathauses aufgestellt, damit die Jugendlichen einen Treffpunkt haben.