In Selb Gottesdienst widmet sich der Gerechtigkeit

Hanna Cordes

In der evangelischen Stadtkirche sprechen Vertreter des Teams „Lebendige Gemeinde“ mit Martin Zatschka von der Polizei. Dabei geht es auch um das alltägliche Miteinander.

Das Stadtkirchen-Team „Lebendige Gemeinde“ mit (von links) Pfarrerin Daniela Schmid, Dominik Voigt, Renate Wölfel, Polizist Martin Zatschka, Helmut Lockenvitz und Constanze Schweizer-Elser. Foto: /Hanna Cordes

Talar und Polizeiuniform vor dem Altar – das Stadtkirchen-Team „Lebendige Gemeinde“ hatte ein spannendes Thema aufgegriffen: „Barmherzigkeit und Gerechtigkeit – was überwiegt?“ Pfarrerin Daniela Schmid, Polizeihauptkommissar Martin Zatschka und der Leiter des Schülercafés Oase, Helmut Lockenvitz, beleuchteten Fragen, die sich im alltäglichen mitmenschlichen Umgang stellen. Wie aktuell das Thema ist, zeigte sich am gut besuchten Gottesdienst, den der Gospelchor „St. Andrew Singers“ musikalisch schwungvoll gestaltete.

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Seit zehn Jahren Verkehrserzieher

„Was ist deine Aufgabe, wenn du Unrecht oder gar strafbares Handeln bemerkst?“ war eine der Fragen, die Diakon Lockenvitz dem Polizisten stellte. Seit zehn Jahren ist Martin Zatschka als Verkehrserzieher im Schulzentrum Selb tätig. Aus seiner vierzigjährigen Berufserfahrung, die er auch in München und Nürnberg gesammelt hat, berichtete Zatschka bei dem lockeren Interview. Seine Aufgabe bestehe darin, bei Straftaten den Täter zu ermitteln und den Geschädigten zu ihrem Recht zu verhelfen. Nach dem Legalitätsprinzip habe er für Recht und Ordnung zu sorgen. Obwohl in Zeiten, in denen der Respekt vor Staat und Autoritäten abnehme, erlebe er sich bei den Jugendlichen als Freund und Helfer. Vertrauen in die Polizei habe sich beispielsweise auf dem Schulhof gezeigt, als ein Junge seinen Kameraden warnte: „Pass auf, dahinten ist die Polizei!“ und daraufhin die Antwort bekam: „Das ist doch der Herr Zatschka!“

Gerechtigkeit spielt wichtige Rolle

Gerechtigkeit spiele in der biblischen Botschaft eine wichtige Rolle, erläuterte Pfarrerin Daniela Schmid. Mit den Worten „Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder“ wende sich Jesus mit Barmherzigkeit an die Menschen. „Jesus deckt nicht zu. Er deckt auf. Er gibt den Menschen die Chance zur Veränderung, führt auf gute, neue Wege mit dem Ziel, kein Unrecht mehr zu tun“, sagte Pfarrerin Schmid. Das Unrecht werde benannt. Jeder und jede habe die Möglichkeit zu einem Neuanfang, damit es gerechter zugehe in der Welt.

Beim Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, das Lektorin Gabi Seidel-Kienel aus dem Matthäus-Evangelium vortrug, ging es ebenfalls um das Thema Gerechtigkeit und die Großzügigkeit des Herrn im Weinberg.

An der Vorbereitung, der Psalmlesung und den Fürbitten hatten sich die Kirchenvorstandsmitglieder des Teams „Lebendige Gemeinde“, Renate Wölfel und Dominik Voigt, beteiligt. Den Gottesdienst bereicherte mit englischen und deutschsprachigen Liedern der Gospelchor „St. Andrew Singers“ unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Constanze Schweizer-Elser. Gern angenommen wurde auch die Einladung zum anschließenden Kirchenkaffee, zum Gedankenaustausch und zum Beisammensein.