In Vorbereitung Vierte Unterkunft in Arzberg

Christl Schemm
Millionen von Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Ein Teil der Geflüchteten kommt auch in Oberfranken an. Das Ankerzentrum in Bamberg (unser Bild) platzt aus allen Nähten. Deswegen hat das Landratsamt Wunsiedel nun in Arzberg ein weiteres Gebäude angemietet, um für den Notfall gerüstet zu sein und geflüchtete Menschen unterbringen zu können. Foto: picture alliance/dpa/Daniel Karmann

Das Landratsamt Wunsiedel mietet in der Innenstadt ein weiteres Gebäude an, um geflüchteten Menschen ein Dach über dem Kopf anbieten zu können. Die Sicherheitslage in der Stadt ist ausgezeichnet, wie der Marktredwitzer Polizeichef berichtet.

Drei Gemeinschaftsunterkünfte für geflüchtete Menschen gibt es in Arzberg bereits. Nun soll ein viertes Gebäude in der Innenstadt hinzukommen, in dem Frauen, Männer und Kinder, die ihr Heimatland verlassen haben, ein Dach über dem Kopf finden. Elisabeth Weiß, Leiterin des Fachbereichs Sozialwesen am Landratsamt Wunsiedel, bestätigte am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung, was Bürgermeister Stefan Göcking bereits am Donnerstagabend in der Stadtratssitzung kurz mitgeteilt hatte. Demnach hat das Landratsamt ein weiteres leer stehendes Gebäude angemietet, um Platz für rund 15 Asylsuchende zu schaffen.

Die Entscheidung sei aus der Not geboren, hatte der Bürgermeister in der Sitzung gesagt. „Das Landratsamt richtet das Gebäude präventiv her. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt.“ Man werde sich noch viele Gedanken machen müssen, um Lösungen für die zahlreichen Geflüchteten zu finden.

Sicherheitsbericht

Dass der Zuzug von Asylbewerbern nicht zwangsläufig mit Problemen in Sachen Kriminalität einhergehen muss, wurde beim Sicherheitsbericht deutlich, den der Chef der Polizeiinspektion Marktredwitz, Polizeirat Roland Ast, in der Stadtratssitzung gab. Laut seiner Statistik wurden im Jahr 2021 im Bereich der Stadt Arzberg 174 Straftaten – ohne Verstöße gegen das Ausländerrecht – begangen.

Für diese Taten ermittelte die Polizei 123 Verdächtige. Davon hatten 74 die deutsche Staatsangehörigkeit, 49 waren aus anderen Ländern. Der Statistik zufolge bildeten Georgier mit 26,5 Prozent die größte Gruppe unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen, gefolgt von tschechischen Staatsbürgern mit 22,4 Prozent – also keine Geflüchteten. Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz, die nur Zuwanderer begehen können, werden aus der Statistik herausgerechnet, da sie keine Auswirkung auf die Sicherheitslage haben.

Hohe Aufklärungsquote

Bei den Straftaten liegen laut dem Bericht der Polizei mit jeweils knapp 40 Fällen Diebstähle sowie Vermögens- und Fälschungsdelikte vorne. Straftaten gegen das Leben gab es laut Roland Ast im Jahr 2021 keine einzige. An sogenannten Rohheitsdelikten, also Körperverletzung, Raub oder Straftaten gegen die persönliche Freiheit, gab es 25. Davon wurden 80 Prozent aufgeklärt. In der Statistik aufgelistet ist für vergangenes Jahr lediglich ein Einbruch in eine Wohnung. Dabei entstand ein Schaden von 7000 Euro. Der Täter wurde dingfest gemacht. Bei den Sexualdelikten überwiegen mit vier Fällen die Verbreitung, der Erwerb, der Besitz und die Herstellung kinderpornografischer Schriften. Nur ein Fall hatte nichts damit zu tun. „Dabei handelte es sich aber nicht um eine brutale Vergewaltigung“, berichtete der Inspektionsleiter.

Im Bereich der Drogenkriminalität geht es hauptsächlich um Cannabis, wie er weiter erläuterte. Bei der Frage zur angekündigten Legalisierung des Rauschmittels gingen die Meinungen weit auseinander. „Ich kann nicht einschätzen, wie es kommen wird. Das ist Sache der Politik“, sagte Ast, wies aber darauf hin, dass das Fahren unter dem Einfluss von Drogen auch nach einer möglichen Legalisierung von Cannabis weiterhin verboten sei. Den Arzberger Gastwirten stellte der Polizeichef bei der Einhaltung der Corona-Vorschriften ein sehr gutes Zeugnis aus. „Die Wirte sind sehr diszipliniert und haben ihre Gäste im Griff.“ Insgesamt hielten sich die Einsatzzahlen der Polizei in Arzberg im Rahmen. Bei rund drei Viertel aller aufgelisteten Fälle ermittelten die Beamten den Täter oder die Täterin.

Vorbildlich

Den Dank Roland Asts zu Beginn seines Berichts für die vorbildliche Zusammenarbeit mit der Stadt Arzberg gab der Bürgermeister an den Inspektionsleiter zurück. „Ihre junge Truppe macht einen tollen Job“, betonte Göcking. „Arzberg ist sicher, auch dank der Polizeiinspektion Marktredwitz.“

Kommentare in Internet-Medien, dass Arzberg „Klein-Chicago“ sei, seien durch den Sicherheitsbericht eindeutig widerlegt, stellte SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Gräf fest. Auf seine Frage, wie man Fahrraddiebstähle verhindern könne, antwortete Polizeioberkommissar Andreas Reichel, der die Statistik erstellte hat, dass Diebe häufig günstige Gelegenheiten nutzten. Dies bedeute: Das Fahrrad an einem sicheren Ort abstellen.

Darauf, dass es ihrer Meinung nach zu wenige Parkplätze in der Innenstadt gibt, wiesen zweite Bürgermeisterin Marion Stowasser-Fürbringer (UPW) und Heike Landgraf (SPD) hin. Die Parksituation müsse überwacht werden. „Das ist ein massives Problem. Alle wissen, dass es null Kontrolle gibt“, betonte auch UPW-Fraktionsvorsitzender Roland Werner. Dem widersprach Bürgermeister Göcking, der kein massives Problem erkennen könne. Ordnungsamtsleiterin Sabrina Malzer sagte, diese Frage sei bei der jüngsten Verkehrsschau angesprochen worden. Dass Arzberg in Sachen Sicherheit eine Oase sei, meinte der fraktionslose Stadtrat Roland Kastner. Die lange Diskussion um die Parkplätze zeige, dass es offensichtlich keine anderen Probleme gebe.

Nur in Notsituation

Drei Wohnungen
In der neuen Gemeinschaftsunterkunft in Arzberg befinden sich laut Auskunft von Elisabeth Weiß, Leiterin des Fachbereichs Sozialwesen am Landratsamt Wunsiedel, drei Wohnungen, die potenziell Platz für je fünf bis sechs Geflüchtete böten. Wann und woher die Menschen kämen, stehe noch nicht fest. „Dieses weitere Gebäude und das ehemalige Seniorenheim Löwenzahn sind die absolute Notreserve, die wir nur dann nutzen, wenn eine Notlage eintritt“, sagt Weiß. Damit solle vermieden werden, dass Turnhallen als Notunterkünfte genutzt werden müssten. Das Landratsamt habe auch in einigen anderen Orten des Landkreises Wunsiedel weitere Gebäude für Gemeinschaftsunterkünfte angemietet. Insgesamt seien zurzeit 50 freie Plätze in mehreren Unterkünften für den gesamten Landkreis Wunsiedel bei der Regierung von Oberfranken gemeldet.

 

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