In Wunsiedel Das gute Alte und das gute Neue beim VfL

Wolfgang Neidhardt
Seltene Ehrung: Helmut Weinmeier (Mitte) leitet seit 50 Jahren Handballspiele und freute sich über die Ehrung durch Klaus-Peter Sahrmann (links) und Hans Blüml. Foto:  

Zum 77. Bestehen treffen sich viele ehemalige Handballer. Mit der Eröffnung des Beach-Platzes stellt der Verein auf seiner Anlage am Eisweiher die Weichen für die Zukunft.

Das ist doch der Potter, der Roland, der Ronnie.“ – „Und nach diesem verwandelten Siebenmeter in der Schlusssekunde hat unser Schütze vom gegnerischen Torhüter in Simbach eine Ohrfeige bekommen.“ Sie schwelgten in Erinnerungen, die Zaungäste der etwas anderen Art. Denn am Zaun zum Tennisplatz auf der Anlage des VfL Wunsiedel hatte der Verein zahlreiche historische Fotos drapiert, die die zahlreichen „Ehemaligen“ an gute alte Zeiten erinnern. Dass auch die neuen Zeiten gut werden – dafür hat der Verein in den vergangenen Wochen gesorgt, indem er einen ungenutzten Teil der Tennisanlage in ein Feld für den Trendsport Beach-Handball verwandelte. Dieses Feld übergab die Vereinsführung nun aus Anlass des 77-jährigen Bestehens. Das 75. Jubiläum vor zwei Jahren hatte sie pandemiebedingt absagen müssen.

40 000 Euro für die Beach-Anlage

„Über 400 Stunden haben Mitglieder hier gearbeitet“, sagte zweiter Vorsitzender Johannes Wippenbeck – und hatte damit wohl etwas untertrieben, wie Bürgermeister Nicolas Lahovnik ergänzte. Rund 40 000 Euro hat der Verein in die Anlage gesteckt, die öffentlich zugänglich sein und jedem Interessierten sowohl für sportliche Aktivitäten wie auch Feiern oder etwa Jugend-Zeltlager zur Verfügung stehen soll. „Vor dem Start haben wir bei den Vereinen gefragt und gute Resonanz erhalten.“ Corona zwang die Sportler ohnehin ins Freie. Also machten sich die Ehrenamtlichen daran, einen „Dschungel“ aus einem ungenutzten Bereich der Anlage zu entfernen wie auch einen Zaun, dann Humus aufzubringen und Rollrasen zu verlegen.

Geschenk für die Stadt

„Sie haben hier der Stadt ein Geschenk gemacht“, dankte der Bürgermeister dem Traditionsverein. Der benachbarte Eisweiher habe lange Zeit im Dornröschenschlaf geruht und erstrahle nun als „neuer Edelstein“. Einen Teil dazu habe der VfL geleistet, weitere werde die Stadt beisteuern: In diesem Jahr noch will sie Wege und die Beleuchtung sanieren lassen. Im kommenden Jahr sollen dann ein Spielplatz für Jugend und Sportgeräte für Jung und Alt folgen. „Dann schließt sich das Gesamtgefüge als Leistung des VfL, der Stadt und von Dritten.“ Landrat Peter Berek betonte die Verbindung der beiden Sportarten Handball und Tennis: „Erfahrung und Jugend gehen hier Hand in Hand – und es kommt etwas Neues, Attraktives dabei heraus.“

Dass Beach-Handball gerade in Deutschland dabei ist, sich zu etablieren, erklärte Klaus-Dieter Sahrmann, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Handball-Verbandes. Gerade sei Deutschland Weltmeister geworden und stelle den Sieger der Champions League. Im Bezirk gebe es nun eine zweistellige Zahl dieser Anlagen, sie seien aber immer noch relativ dünn gesät. Sahrmann brachte, passend zum Anlass, zwei kleine Bälle mit. Heinz Fraas, Kreisvorsitzender des BLSV, ergänzte dieses Präsent mit einer Spende für die VfL-Jugend.

Seltene Ehrung

Der Bezirkschef hatte zuvor den Bogen von der Gegenwart zurück zur Vergangenheit geschlagen. „Ich erinnere mich noch gut an dein Abschiedsspiel“, sagte er zum prominentesten Alt-VfL-Spieler, dem vielfachen deutschen Nationaltorhüter Siegfried Roch. Die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart zog der Bezirksvorsitzende dann mit einer seltenen Ehrung: Helmut Weinmeier leitet seit 50 Jahren Handball-Spiele und nahm die Auszeichnung sichtlich gerührt entgegen.

Aufmerksame Betrachter mit gutem Gedächtnis haben auch Weinmeier als Spieler auf den historischen Fotos erkannt, die einer Sammlung von Roland Schöffel entstammen. Ihm dankte Vorsitzender Hans Blüml dafür, dass er die Erinnerung zu diesem Ereignis wachgehalten habe.

Andauernder Zusammenhalt

Sein besonderer Gruß galt dem 87 Jahre alten Gründungsmitglied Rudi Müller und Karl Preiß als weiterem Mann der ersten Jahre. Vom Team aus den 60er-Jahren nannte Blüml Günter Manach und Wolfgang Axmann, vom ersten Siegerjahrgang in den 70er-Jahren neben Schöffel und Weinmeier noch Michael Axmann. Nach einer Durststrecke im darauffolgenden Jahrzehnt habe der zweite Siegerjahrgang dafür gesorgt, dass der VfL Wunsiedel in den 90ern drei Jahre lang in der Bayernliga spielte. „Heute sind Vertreter aus jedem Jahrgang anwesend“, freute sich der Vorsitzende über den andauernden Zusammenhalt.

Die meist jung gebliebenen Alt-Handballer fanden dann bis zum späten Abend ausreichend Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen. Zuvor hatten sie schon den begeisterten Nachwuchs auf dem neuen Platz spielen gesehen – und in einer Schau-Einlage die Tennis-Talente von Bürgermeister und Landrat analysiert.

 

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