In Wunsiedel Frühlingskranz als Geschenk für Jean Paul

Johanne Arzberger

Eine doch etwas andere Geburtstagsfeier erleben die Freunde des Dichters Jean Paul. Dem wohl berühmtesten Wunsiedler huldigen Alt und Jung vor und um dessen Denkmal.

German Schlaug setzte dem steinernen Haupt des Dichters Foto: /Johanne Arzberger

Jean Paul hätte seine Freude daran gehabt, bekam er doch zum 259. Jahrestag seines Geburtstags nicht nur einen Frühlingskranz um sein steinernes Haupt vor der Stadtkirche, sondern auch ein Ständchen aus jungen Kehlen. Für den Kranz sorgte der Jean-Paul-Fan und Kunstlehrer German Schlaug, für das Ständchen Christian Merz, Musiklehrer am Luisenburg-Gymnasium, mit der Klasse 6 c, die fröhlich und durchaus passend den Pink Floyd-Song „Another Brick in the Wall“ intonierte und sicherlich im Sinne Jean Pauls forderte: „We don’t need no education“.

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Eingeladen zu dieser Geburtstagsfeier der besonderen Art hatte das Bürgerforum Wunsiedel und der Kunst- und Kulturverein Tröstau im Rahmen der von ihnen ins Leben gerufenen Jean-Paul-Tage 2022. Weitere „Gratulanten“ waren Bürgermeister Nicolas Lahovnik mit zweitem Bürgermeister Manfred Söllner, Generationenbürgermeisterin Carolin Kammerer und Kulturbürgermeister Alexander Fuchs, einige Stadträte und Vertreter von Schulen sowie eine Reihe von Jean-Paul-Freunden aus Wunsiedel und Umgebung.

Launige Zitate

Bürgermeister Lahovnik bedankte sich bei den Organisatoren Wolfgang Hermann und German Schlaug und fand es „großartig, dass wir auf diese Weise unserem berühmten Sohn der Stadt die Ehre geben“, und Wolfgang Hermann leitete mit launigen Jean-Paul-Zitaten wie „Kinder und Uhren darf man nicht beständig aufziehen, man muss sie auch gehen lassen“ zur anschließenden Lesung in der benachbarten „Zoigl-moos“-Gaststätte über .

Es war dies nach der Eröffnungsveranstaltung vom 18. März im Landratsamt die zweite Lesung aus Jean Pauls „Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch“. Vorleser waren diesmal die Stadtoberen Nicolas Lahovnik, Carolin Kammerer und Alexander Fuchs, die diese nicht leichte Aufgabe mit Bravour meisterten. Sie nahmen ihr Publikum mit in das Duodezfürstentum Vierreuther , zu dem Giannozzo sich von seinem „sächsischen Himmel“ hinabstürzt wie ein Jagdflieger auf seine Opfer, in diesem Falle eine hochherrschaftliche Abendgesellschaft, bei der die „Langeweile als Königin des Balles“ triumphierte, sodass der Luftschiffer eine Ohnmacht vortäuscht und Fledermäuse fliegen lässt, um sich anschließend über den darauf folgenden Kröten- und Mäusekrieg zu amüsieren. Schließlich nahm Giannozzo wortreich und mit dem Versprechen, die Gesellschaft mehrfach in seinem Luftschiff zu überkreisen, Abschied, fuhr auf - und davon.

Das Lieblingsessen: Kartoffelsuppe

Auf und davon machten sich die Jean-Paul-Freunde noch lange nicht. Sie genossen noch das von der Wirtin nach Originalrezept der Rollwenzlerin gekochte Lieblingsessen von Jean Paul: Kartoffelsuppe. Anschließend besuchten sie das zu einem kleinen Museum gestaltete Geburtszimmer des Dichters, durch das dessen Initiator Altlandrat Dr. Peter Seißer sachkundig führte und freuten sich schon auf die dritte Lesung mit den Fahrten drei, vier und fünf, die am Donnerstag, 24. März, um 19 Uhr im Wintergarten der „Ewigen Baustelle“ stattfinden wird.

Die Jean-Paul-Woche endet nach weiteren Lesungen am Sonntag mit einer Matinee.