In.Die-Festival 2023 Die Bands stehen fest

Auf ein Neues! Gleich zehn Bands offeriert der In.die.Musik-Verein Hof in diesem Jahr für sein Festival auf dem Volksfestplatz am 17. Juni. Darunter befinden sich einige Überraschungen.

Ätna bringen Electro-Pop aus Dresden an die Saale. Foto: Promo

Die Reise einer Delegation des Hofer In.Die.Musik-Vereins Anfang des Jahres ins holländische Groningen hat Punkte gebracht: Beim „Eurosonic“-Fest – neben dem Reeperbahn-Festival bedeutendstes Event für neue, frische Bands aus Europa – verpflichtete man aus dem Stand ein paar junge Briten: Gallus sorgten dort für eskalierendes Publikum und volles Haus. Die Band war ob ihrer Güteklasse bereits für den „Scottish Alternative Music Award“ nominiert.

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Was so locker und nach purem Vergnügen klingt, ist es nicht, wenn man die Gesamtsituation nach der Corona-Pandemie berücksichtigt. Vereinsvorsitzender Bastian Schelter: „Wir haben deutlich gestiegene Kosten bei der Infrastruktur, zum Beispiel der Technik. Aber auch Security ist deutlich teurer geworden.“ Und so musste man für dieses Jahr etwas an den Ticketpreisen schrauben – doch 20 Euro im Vorverkauf (unter anderem bei unserer Zeitung) für Schüler, Studenten und Ermäßigte und bei der Qualität der aufgebotenen zehn Bands auf zwei Bühnen liegen absolut im unteren Preissegment, wenn man das mit ähnlichen Großevents vergleicht. „Wir wollen, dass unser Festival für viele Menschen zugänglich ist“, sagt Schelter. Der 27-Jährige wurde erst vor wenigen Wochen zum neuen Chef des traditionsreichen Hofer Musik-Vereins gewählt.

Auf ihr Festival sind die „Indies“ heuer besonders stolz – zum einen wegen des Genre-ausgewogenen Bookings mit vielen internationalen Bands. Zum anderen wegen des hohen Anteils an weiblichen und diversen Gästen. Zum ersten Mal wird es übrigens „getrennte Bühnen“ geben. Während auf der „Ducking Punch Stage“ sich vor allem die härteren Acts austoben sollen, ist die Hauptbühne den Indie- und Pop-affinen Gruppen vorbehalten. Ein Versuch – wie der Verein schon immer mit Neuem experimentiert. Wenigstens um die 1500 Gäste erhoffen sich die Vereinsmitglieder am 17. Juni – mehr dürfen es selbstverständlich gern werden.

„Wir wollen wieder auf Vor-Corona-Niveau kommen“, sagt Bastian Schelter, dessen Verein froh über die Unterstützung der Stadt Hof ist. Diese kann man auch gut gebrauchen, sollen doch weitere Konzerte in diesem Jahr hinzukommen, darunter auch das beliebte „X-Mas-Festival“, wahrscheinlich wieder in der Szene-Location „Linde“. Schließlich möchte der Verein in Hof ganzjährig Veranstaltungen steigen lassen, wie Bastian Schelter versichert.

Doch jetzt gilt alles Augenmerk erst einmal dem großen Festival an der Freiheitshalle. Dafür sind die Vorbereitungen in vollem Gange.

Die Festival-Bands 2023

Ätna: Das Electro-Pop-Duo aus Dresden machte erstmals international auf sich aufmerksam, als es 2020 den „Anchor“, den begehrten Hauptpreis des Reeperbahn-Festivals in Hamburg, gewonnen hat. Seitdem überbieten sich die Medien in Lobpreisungen – mit Recht: Offeriert die Band doch in einem eigentlich ausgelutschten Genre viel Innovatives und Neues – nicht zuletzt visuell.

Sharktank: Das Trio aus Wien versucht sich mit Erfolg an der Verschmelzung von Indie-Rock und Hip-Hop. Exakt 449  814 monatliche Hörer auf Spotify (Stand: gestern Abend) beweisen eindrucksvoll, dass dieses Konzept angenommen wird.

Farewell Farewell: Immer wieder erstaunlich, auf welch hohem Niveau die Bands der Region musizieren. In diesem Fall eine relativ neue Hofer Emocore-Truppe um die in Szenekreisen bestens bekannten Elena Edelmann und Maximilian Adler: catchy, tight – und live sicherlich eine Bank.

Palacity: Gerade Geschriebenes setzt sich fort: Palacity aus Bamberg offerieren Indie-Rock auf hohem Qualitätslevel – mal vorwärtsdrängend-treibend, mal romantisch.

Disaster Jacks: Das Hochenergie-Punk-Trio aus Barcelona besitzt definitiv Potenzial. Die Band hat bereits mit Petrol Girls und The Baboon Show gespielt, mit denen man das Merkmal „female fronted“ gemeinsam hat – aber am meisten erinnert die Stimme der Sängerin an Brody Dalle (The Distillers).

Elena Rud: Die 28-jährige Münchner Sängerin und ihre Band unterlegen mal Weltschmerz-geprägte, mal herausfordernde Lyrics mit modernem Synthie-Wave. Deren Güteklasse hatte den Verband für Popkultur Bayern bereits bewogen, das Quintett zu den „Bavarian Export Sessions“ aufs Reeperbahnfestival nach Hamburg zu entsenden.

Chartreux: Aus diversen Leipziger Szenebands entstanden. „Klingt irgendwie nach Gainesville“, meinen die In.Die.Musik-Festival-Macher. So ist es – die Jungs könnten sofort beim weltweit wohl coolsten Emo-Punk-Festival in Gainesville/Florida auftreten.

Gallus: Benannt nach einem Pub in Glasgow wurden die Hofer „Indies“ beim „Eurosonic“ im holländischen Groningen auf diese Truppe aufmerksam – und verpflichteten sie umgehend! In Schottland schon erfolgreich wird der ein bisschen an die Idles denken lassende Fünfer Hof im Juni aufmischen.

Schrottgrenze: Schon immer einen ganz eigenen musikalischen Stil zwischen Indie-Rock und Post-Punk besaß diese norddeutsche Band, die sich seit vielen Jahren Themen wie Queerness, Feminismus, toxischer Männlichkeit und Rassismus widmet. Songs wie „Lila will heim“ und „Zwilling da draußen“ gelten als Indie-Disco-Klassiker.

Lost Fastidios: Last but not least – das Billing des diesjährigen Festivals vervollständigt eine der bekanntesten antifaschistischen Oi- und Streetpunk-Bands Europas. Los Fastidios aus Italien haben sich durch exzessives Touren vom Nordpol bis nach Süd-Kreta einen Namen gemacht: als eine exzellente Live-Band.