Zuvor hatte das Land Sachsen-Anhalt den Weiterbetrieb der Anlagen aus Sicherheitsgründen mitfinanziert, um Zeit für eine Lösung zu gewinnen. Branchenvertreter sprechen von einem ungewöhnlichen Verfahren. Ohne eine Lösung hätte es weitreichende Folgen für den gesamten Chemiepark geben können.
Auch andere Entwicklungen bereiten Sorgen. So steht etwa der US-Konzern Dow unter Druck, Teile seiner Anlagen in Schkopau und Böhlen bis 2027 zu schließen. Beobachter warnen vor möglichen Dominoeffekten für die Region.
Zur Rettung von Domo sagt Schmidt-Kesseler, "ich glaube, das ist ein Einzelfall". Solche Lösungen seien mit erheblichem finanziellem und organisatorischem Aufwand verbunden und ließen sich nicht ohne Weiteres auf andere Standorte übertragen.
Zwischen Krise und neuen Chancen
Trotz der angespannten Lage sieht die Branche auch Chancen im laufenden Umbau der Industrie. Die Chemie befindet sich nach Einschätzung von Experten in einer grundlegenden Transformation - hin zu nachhaltigeren Produktionsverfahren und neuen Rohstoffquellen.
So werden am Standort Leuna verstärkt Technologien aufgebaut, die fossile Rohstoffe ersetzen und Stoffkreisläufe schließen sollen. Als Beispiel gilt die Bioraffinerie des finnischen Unternehmens UPM, in der Holz zu chemischen Grundstoffen verarbeitet wird. Diese können etwa für Verpackungen, Textilien, Kosmetika oder sogar Medikamente genutzt werden und ersetzen teilweise fossile Rohstoffe.
Gleichzeitig gerät dieser Wandel ins Stocken. Viele Unternehmen verschieben Investitionen oder halten sich angesichts der unsicheren Lage zurück, berichtet Schmidt-Kesseler.
Solche Investitionen stehen eigentlich für den Versuch, die Branche langfristig wettbewerbsfähig und klimafreundlicher aufzustellen. Der Umbau erfordert jedoch hohe Mittel und verläuft angesichts der aktuellen Krise nur schleppend.
Für die Branche bleibt die Lage daher angespannt. Mit Blick auf die Landtagswahlen sagte Schmidt-Kesseler es komme entscheidend darauf an, ob die politischen Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass Investitionen wieder möglich werden.