Selb/Längenau Bauschuttdeponie erregt die Gemüter

Hoch ragt die Bauschuttdeponie, in Längenau scherzhaft „Mount Spitzer“ genannt, über die Häuser hinaus Foto: /Florian Miedl

Vielen Längenauern sind das Gelände und der Anlieferverkehr ein Dorn im Auge. Bei einer Info-Veranstaltung bringen sie ihre Bedenken vor – und erhalten Zusagen vom Betreiber und dem Kufi.

Selb - Durch den Ort donnernde Lastwagen, verdreckte Straßen, Sorge um die Stabilität und die Sicherheit sowie die Frage, wie lange die Bauschuttdeponie südlich von Längenau noch in Betrieb bleibt – das alles treibt die Bewohnerinnen und Bewohner des Selber Ortsteiles um. Bei einer von Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch einberufenen Info-Veranstaltung auf dem Gelände des TV Längenau standen jetzt der Betreiber und Grundstücksbesitzer Peter Spitzer sowie Waldemar Hahn und Josef Sturm vom Kommunalunternehmen Umweltschutz Fichtelgebirge (Kufi) Rede und Antwort.

Und die Längenauer bekamen zwei konkrete Zusagen: Peter Spitzer versprach zum einen, alle Fahrer schriftlich zu verpflichten, die Geschwindigkeit im Ort einzuhalten – auch die Fahrer anderer Unternehmen, die auf der Deponie anliefern. Zum anderen will er dafür sorgen, dass die Straßen unterhalb der Deponie noch besser gereinigt werden. Über eine neue Zufahrt zur Deponie, die nicht mehr durch den Ort führt, und eine mögliche Befestigung der Bankette wollen sich alle Beteiligten gemeinsam Gedanken machen und eine Lösung finden.

Die erste Frage aus dem Publikum bezog sich auf die Anlieferung. Warum werde nicht die steinerne Brücke verstärkt, damit die Lastwagen die Deponie von Süden her anfahren können. Dem hielt Spitzer entgegen, dass die Brücke nur für zwölf Tonnen zugelassen ist und die Straße zudem im weiteren Verlauf sehr eng und für den Begegnungsverkehr zweier Lkw nicht geeignet sei. „Uns gefällt die Anfahrt durch den Ort auch nicht.“

Dem hielt ein anderer Bürger entgegen, dass auch die Ortsdurchfahrt zu schmal ist. Ein Pkw und ein Lkw kämen an engen Stellen kaum aneinander vorbei, was dazu führe, dass die Bankette ruiniert seien. Und 50 Stundenkilometer fahre im Ort keiner der Lastwagen. Dies bestätigten mehrere Teilnehmer: „Die plaschen einfach durch.“ Auch verwiesen die Längenauer darauf, dass es keinen Gehsteig gebe, was die Situation zusätzlich gefährlicher mache.

„An den Geschwindigkeiten wird sich was ändern. Das verspreche ich“, sagte daraufhin Peter Spitzer. Oberbürgermeister Pötzsch sagte, dass man eventuell die Bankette punktuell verstärken und besser gestalten könne. Um eine andere Zufahrt habe man sich durchaus schon bemüht. Das sei aber an einigen Grundbesitzern gescheitert.

Auf die Frage, warum die Deponie nicht geschlossen werde, wo doch die endgültige Höhe erreicht sei, antwortete Josef Sturm, dass noch genügend Restvolumen zur Verfügung stehe. Eine Endverfüllung mit gutem Erdreich mache keinen Sinn. Außerdem müsse der Landkreis eine Deponie vorhalten. Nach Aussage von Hahn und Sturm bilde der Boden eine geologische Barriere unter der Deponie. Jährliche Messungen in drei Grundwasserbrunnen unterhalb der Deponie hätten in all den Jahren keine Ergebnisse erbracht. Diese Messungen sollen auch nach der Schließung der Deponie fortgesetzt werden.

Nach Sturms Meinung kann die Deponie in Längenau durchaus noch zehn bis 15 Jahre in Betrieb sein, zumal die angelieferten Mengen stark schwanken. Eine genaue Angabe der weiteren Laufzeit sei kaum möglich. Er räumte aber selbstkritisch ein, dass man viel früher den Dialog mit den Bürgern hätte suchen müssen.

Ob die jetzige Höhe die endgültige sei, wollte ein anderer Längenauer wissen. Darauf sagte Sturm, dass im Norden der höchste Punkt erreicht sei. Der Berg soll nach Süden hin herabgezogen werden, die Kuppe also von Norden nach Süden modelliert werden. Auch Peter Spitzer und Waldemar Hahn hatten zuvor betont, dass die jetzt sichtbare Schüttkante nicht die endgültige Höhe sei.

Ob die Deponie auch in Zukunft in der Klasse 0 für unbelasteten Bauschutt bleibe, bejahte Hahn. Die hohen Steine, die zurzeit auf dem Plateau stehen, seien lediglich die Wegmarken für die Fahrer und kämen wieder weg. Und Hahn versicherte mehrmals, dass die Deponie im Endausbau mit einem Meter Humus bedeckt werde: „Das wird später wieder richtig grün.“

Kritik gab es auch an den verdreckten Straßen. Peter Spitzer sagte dazu, man versuche, die Deponie bei schlechtem Wetter nicht anzufahren. Allerdings ließe sich das manchmal aus Termingründen bei Baustellen – so jüngst bei dem Abraum aus der Christoph-Krautheim-Straße – nicht immer vermeiden. Aber auch hier versprach er Verbesserungen und einen schnelleren Einsatz der Kehrmaschine.

Ob das Risiko bestehe, dass der Bauschutt bei Starkregen ins Rutschen kommen könnte, war eine weitere Frage. Das verneinte Hahn.

Vorgeschlagen wurde auch, aus den Erlösen, die mit der Deponie gemacht werden, einen Teil wieder in Maßnahmen vor Ort zu investieren, etwa den Straßenbau. Die Längenauer baten auch darum, die Messwerte auf der Internetseite des Kufi zu veröffentlichen.

Der frühere Oberbürgermeister Wolfgang Kreil mahnte an, dass in einer Genehmigung aus dem Jahr 2010 ein Regenrückhaltebecken vorgeschrieben worden sei, das bis heute nicht gebaut wurde. Hahn und Sturm antworteten, dies sei bei weiterem Baufortschritt auch noch vorgesehen. Und etwas Gutes könnte die Deponie nach der endgültigen Verfüllung auch noch haben: Ein Anwohner schlug vor, dort später Bürger-Solaranlagen zu installieren.

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