Informationsabend Schwarzenbach setzt auf Windräder

red

Östlich von Langenbach sind bis zu vier Windkraftanlagen geplant. Die Firma Sandler prüft, ob sie in das Projekt investiert.

Phillip Ebbinghaus schilderte die Sicht der Firma Sandler AG. Foto: Stadt Schwarzenbach

In Schwarzenbach an der Saale ist im Bereich östlich vom Ortsteil Langenbach die Errichtung von bis zu vier Windkraftanlagen vorgesehen. Im Herbst 2023 hat die Stadt einen Antrag beim zuständigen regionalen Planungsverband Oberfranken-Ost gestellt, die etwa 102 Hektar große Fläche Martinlamitz-Nordost in die „vorgezogene Fortschreibung“ des „Teilkapitels Windenergie“ aufzunehmen. Mittlerweile hat der Planungsverband einen ersten Umweltbericht erstellt und das Beteiligungsverfahren gestartet. Bürger haben die Möglichkeit, Stellungnahmen zu dem Vorranggebiet und zu zwölf weiteren Standorten im Planungsverbandsgebiet abzugeben.

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Dies nahm Bürgermeister Hans-Peter Baumann zum Anlass, insbesondere Bürgerinnen und Bürger der umliegenden Ortsteile zu einem Informationsabend einzuladen, bei dem auch der mögliche Investor, die Firma Sandler AG aus Schwarzenbach an der Saale, sowie der Projektentwickler Primus aus Regensburg zugegen waren. Das Interesse war groß, etwa 70 Zuhörer ließen sich informieren.

Der Bund macht Druck

Bürgermeister Hans-Peter Baumann erläuterte, warum der Stadtrat beschlossen hat, eine Fläche für Windenergie ausweisen zu lassen. Er wies auf das „Windflächenbedarfsgesetz“ des Bundes hin, durch das der Freistaat verpflichtet sei, bis zum Jahr 2032 1,8 Prozent der Landesfläche für Windkraftanlagen auszuweisen. 1,1 Prozent sind bereits bis Ende 2027 zu erfüllen. Im Planungsverbandsgebiet liegt der Prozentsatz aktuell bei 0,7 Prozent. Sollten die Flächenziele nicht erreicht werden, sieht die gesetzliche Regelung vor, dass Windenergieanlagen im sogenannten Außenbereich kraft Gesetz „privilegierte Vorhaben“ werden. Ein Bau würde dann – unter Einhaltung immissionsschutzrechtlicher Vorgaben – überall im Außenbereich möglich sein. Die Gemeinden oder auch der Planungsverband würden also keine Regelungsmöglichkeit mehr besitzen. „Wenn die Gemeinden wie die Stadt Schwarzenbach nicht selbst entscheiden, würde uns in einem weiteren Bereich die Planungshoheit genommen, wie bereits bei PV-Anlagen im 200-Meter-Bereich entlang von Eisenbahnstrecken“, erklärte Baumann. Zudem wolle die Stadt erneuerbare Energien stärken, dies gerade unter dem Aspekt der regionalen Wertschöpfung, also der Einbindung eines örtlichen Investors und des Stromverbrauchs vor Ort.

Laut Umweltbericht sind in der vorgesehenen Fläche keine Brutstellen sogenannter „kollisionsgefährdeter“ Vogelarten nachgewiesen. Auch negative Einflüsse beispielsweise auf den Uhu, die Fledermaus oder Wiesenbrüter seien nicht zu erkennen. Baumann verwies auf die Notwendigkeit, die Energieversorgung und deren Bezahlbarkeit zu wirtschaftlichen Preisen sicherzustellen, im Interesse der Bürgerschaft, von Industrie und Gewerbe und als Voraussetzung für den Erhalt von Arbeitsplätzen und der Wohnqualität. Windenergie sei ein wichtiger Bestandteil der Energieversorgungsplanung für Schwarzenbach.

Herausforderungen für Sandler

Sandler-Vorstandsmitglied Phillip Ebbinghaus und Nachhaltigkeitsmanagerin Katharina Obergruber legten dar, welche Herausforderungen das Ziel Nachhaltigkeit mit sich bringt. Durch eigene Windräder in unmittelbarer Nähe zum Standort in Schwarzenbach ergäben sich eine größere Unabhängigkeit von Schwankungen bei den Energiepreisen und eine bessere CO2-Bilanz. Der geplante Standort der Windanlagen habe den großen Vorteil, dass Strom direkt in das Werk einzuspeisen wären. „Mehr Nachhaltigkeit geht nicht“, so Obergruber. „Aktuell befinden wir uns in der komplexen Prüfung von Zahlen und Fakten, um dann hinsichtlich der Investition zu entscheiden. Wir können uns nur dann für das Projekt entscheiden, wenn diese Großinvestition unsere Wettbewerbsfähigkeit stärkt und wir damit nachhaltig zur Sicherung unseres Standorts Schwarzenbach beitragen könnten“, erläuterte Phillip Ebbinghaus.

Seitens der Firma Primus AG wurden die Planungen vorgestellt. Vier moderne Anlagen der Firma Enercon sind vorgesehen. Vor dem Bauantrag seien noch Gutachten und Windmessungen nötig.

Gut zu wissen

Bis zum 26. Juli haben die Bürger die Möglichkeit, sich zu den Plänen zu äußern. Stellungnahme kann man schicken an den Regionalen Planungsverband, online auf www.planungsverband-oberfranken-ost.de/beteiligungsverfahren-windenergie/, oder per E-Mail an geschaeftsstelle@oberfranken-ost.de. Einsehen kann man die Beteiligungsunterlagen unter www.oberfranken-ost.de und der Internetseite der Regierung von Oberfranken unter www.reg-ofr.de/frp sowie vor Ort bei der Geschäftsstelle des Planungsverbandes und bei der Regierung von Oberfranken, Sachgebiet 24.