Neuer Chef – mit Nähe zu Trump?
Jerome Powell war turnusgemäß im Mai als Chef ausgeschieden und als Mitglied in den Vorstand gewechselt. Er versperrt Trump damit die Möglichkeit, einen weiteren Kandidaten im Fed-Führungsgremium zu platzieren. Powell dürfte es Warsh zudem schwieriger machen, mögliche Zinssenkungen durchzubringen.
Dieser saß einst schon im Fed-Vorstand. Warsh gilt eigentlich als "Inflation Hawk" und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Der 56-Jährige soll sich allerdings laut US-Medien offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt haben – zur Freude Trumps.
Angst vor politischer Einflussnahme
Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Fed das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden. Zuletzt lag die Inflation in den USA bei 4,2 Prozent und damit weit über dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent.
Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich unabhängigen Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfälscht werden. Trump dürfte genauestens darauf achten, wie sich sein Kandidat positioniert.
Auch die Europäische Zentralbank hatte jüngst ihre Zinsen wegen Inflationssorgen erstmals seit 2023 angehoben. Sie erhöhte den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent, um sich so gegen den Inflationsschub durch den Iran-Krieg zu stemmen.