Internet Facebook wird 20: Die Geldmaschine für den Metaverse-Traum

Andrej Sokolow
Die Meta-Unternehmenszentrale in Menlo Park (Silicon Valley). Foto: Tony Avelar/AP/dpa

20 Jahre nach Gründung hat Facebook drei Milliarden Nutzer. Das Online-Netzwerk ist damit ein verlässlicher Geldbringer - doch der Fokus von Gründer Mark Zuckerberg liegt schon auf neuen Projekten.

 
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Menlo Park - Vier Tage vor Facebooks 20. Geburtstag (4. Februar) musste sich Gründer Mark Zuckerberg von einem US-Senator vorhalten lassen, ihm klebe "Blut an den Händen". Es war in einer Anhörung zur Sicherheit von Kindern im Netz - und Zuckerberg entschuldigte sich bei betroffenen Eltern im Senats-Saal. Am Tag darauf verkündete er einen Umsatzsprung von 25 Prozent und einen Quartalsgewinn des Dachkonzerns Meta von 14 Milliarden Dollar, drei Mal mehr als ein Jahr zuvor.

Dieser Kontrast steht für die vergangenen 20 Jahre. Es gab Datenschutz-Skandale. Es gab Vorwürfe, Facebook und Instagram schadeten Kindern und Jugendlichen. Es gab die Sorge, russische Online-Kampagnen könnten die öffentliche Meinung in den USA manipulieren. Doch was aus Konzernsicht unterm Strich zählt, ist: Die Menschen nutzen gern Metas Dienste wie Facebook, Instagram und WhatsApp. Und mit ihnen kommen auch die Werbekunden und das Geld.

Drei Milliarden Nutzer im Monat

Denn die Plattformen wissen so viel über die Interessen ihrer Mitglieder, dass sie Werbekunden zielgenau die richtigen Adressaten für ihre Anzeigen auftischen können. Auch den Schock nach Apples Vorstoß, auf dem iPhone die Nutzer entscheiden zu lassen, ob sie ihre Aktivitäten quer über verschiedene Apps verfolgen lassen wollen, verdaute das Meta-Geschäft.

Zuletzt griffen 3,98 Milliarden Nutzer mindestens einmal im Monat auf eine von Metas Apps zu - und 3,19 Milliarden sogar täglich. Beim Flaggschiff Facebook waren es gut drei Milliarden Nutzer monatlich und 2,11 Milliarden jeden Tag. Das sind gewaltige Zahlen, insbesondere gemessen an einer Weltbevölkerung von rund acht Milliarden Menschen - von denen immer noch nicht alle online sind.

Einige Jahre lang verfolgte Zuckerberg ambitionierte Ideen, auch dem Rest der Welt ins Netz zu verhelfen. Funktionieren sollte das unter anderem mit Satelliten und automatisierten Antennen-Drohnen. Doch beschloss der Konzern, das den Telekom-Firmen zu überlassen.

Stattdessen haben Meta und Zuckerberg jetzt zwei große Projekte: Künstliche Intelligenz und das Metaverse, eine Art Digitalwelt für Arbeit und Spaß. Der Gründer glaubt so an die Zukunft in einer virtuellen Realität, dass er den Konzernnamen im Herbst 2021 von Facebook in Meta ändern ließ.

Die Botschaft lautet auch jetzt: Facebook mag die Wiege der Firma sein, aber nur noch ein Teil von etwas Größerem. Als weiteres Zeichen dafür will der Konzern künftig keine Nutzerzahlen mehr von Facebook nennen, sondern nur noch, wie viele täglich in mindestens einer Meta-App aktiv waren.

Die Geldmaschine läuft

Zuckerbergs Traum vom Metaverse verschlingt unterdessen Berge an Geld - und bleibt trotzdem ein Nischengeschäft. Allein im vergangenen Jahr stieg der operative Verlust der Sparte Reality Labs auf über 16 Milliarden Dollar an - bei nur 1,9 Milliarden Dollar Umsatz. Als zwischendurch das Werbegeschäft Schwäche zeigte, wurden Investoren angesichts der ungebremsten Ausgaben für die virtuelle Zukunft etwas grummelig.

Doch inzwischen läuft Metas Geldmaschine wieder auf Hochtouren - und keiner wirft mehr die Frage nach den Erfolgsaussichten der Reality Labs auf. Der neue Konzernname bleibt, obwohl die Metaverse-Fantasien inzwischen vom Hype um Künstliche Intelligenz in den Hintergrund gedrängt wurden.

Auch hier gab Zuckerberg das Ziel aus, nichts Geringeres als "die populärsten und fortschrittlichsten KI-Produkte" zu entwickeln. Gelinge das, werde jeder Nutzer von Meta-Diensten einen "KI-Assistenten der Weltklasse" bekommen - und jedes Unternehmen eine KI, die mit seinen Kunden kommunizieren könne.

Wird man beim Facebook der Zukunft mehr mit Software als mit Menschen kommunizieren? "Die Leute wollen Authentizität", zeigte sich Produktchef Chris Cox jüngst überzeugt. Idealerweise werde Software mit Künstlicher Intelligenz die Kreativität der Nutzer entfesseln und ihr Leben einfacher machen. Zugleich habe man aber auch noch keine KI gesehen, die für viele Menschen in ihrem Alltagsleben wirklich nützlich wäre, räumte er ein.

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