Herr Bauer, Sie sind Sportleiter, Fluglehrer und Wettbewerbspilot, ist das nicht etwas viel?

Diese drei Funktionen ergänzen sich in der Praxis. Da Segelfliegen ein Gemeinschaftssport ist, hat jeder im Verein seine Aufgabe: Sportleiter und Fluglehrer, ich bin einer von sechs, sind mein Part. Als Sportleiter werde ich zudem kräftig von Kollegen unterstützt, so bleibt noch Zeit, Wettbewerbe zu bestreiten.

Streckensegelflug ist Leistungssport. Welches sind die wichtigsten Voraussetzungen?

Flugtauglichkeit, sportliche Fitness und ständiges Flugtraining. Außerdem sind Ausdauer und natürlich Konzentration gefragt.

Gibt es für den Streckensegelflug besondere Flugzeuge?

Mit allen Segelflugzeugen kann man Streckensegelflug betreiben, natürlich mit moderneren besser, da diese bessere Flugleistungen aufweisen. Dies wird etwas ausgeglichen, da in der Bundesliga ältere, leistungsschwache Flugzeuge einen Bonus bekommen, neue, leistungsfähigere einen Malus.

Sind die Flugzeuge mit besonderen Instrumenten ausgerüstet?

Um Streckenflüge zu dokumentieren, besitzen sie einen satellitengestützten Flugrekorder.

Die wichtigsten Details dieses Gerätes?

In einem festgesetzten Zeitintervall werden jeweils Uhrzeit, Position über Längen- und Breitengrad sowie Flughöhe gespeichert. Diese Blackbox wird über ein Computerprogramm ausgelesen und entschlüsselt. Eine Datei wird erstellt und über das Internet zur Wertungsstelle gesendet. Über spezielle Programme kann jeder Pilot seinen Flug und den der Konkurrenten im Nachhinein am Bildschirm betrachten und analysieren.

Wie läuft ein Wertungstag eigentlich ab?

An maximal 19 festgelegten Wochenenden starten bei passendem Wetter möglichst viele Segelflieger. Die drei mit den besten Flügen kommen in die Wertung.

Es wird immer von Aufwinden gesprochen. Was ist der Unterschied zwischen Wind und Aufwind?

Wind weht horizontal vom Hoch- ins Tiefdruckgebiet. Aufwind ist eine Luftmasse beziehungsweise ein Schlauch aus vom am Boden erwärmter Luft, die aufsteigt und meist eine Wolke bildet. In diesem Warmluftschlauch kreisen Segelflieger, um Höhe zu gewinnen.

Wie hoch und schnell kann ein Segelflugzeug fliegen?

Der Höhenweltrekord liegt bei 15 000 Metern. Ab 3600 Metern muss allerdings ein Sauerstoffgerät benutzt werden. In Deutschland ist die Flughöhe auf 3000 Meter über dem Meeresspiegel begrenzt. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist von der Bauart des Flugzeugs abhängig. Moderne Segelflugzeuge haben eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von zirka 300 Stundenkilometern.

Hauptrolle spielt das Wetter. Welches ist Ihnen am liebsten?

Ein strahlend blauer Himmel, gezeichnet von kleinen bauschigen Wolken.

Ist es aufregend, sich in der Luft zu halten und ein Ziel zu erreichen?

Ja. Es ist immer ein Erlebnis, nur mit Sonnenenergie große Strecken zurückzulegen und dabei den Nervenkitzel zu spüren, ständig Aufwinde zu finden, um den Heimatflugplatz wieder zu erreichen.

Wie findet man Aufwinde?

In niedrigen Flughöhen orientiert man sich an Bodenstrukturen und Erhebungen, die Aufwinde auslösen; in größeren Flughöhen hält man sich an Wolkenbilder.

Mit welchen Widrigkeiten muss ein Streckenflieger unterwegs kämpfen?

Mit nachlassenden Aufwinden, Auflösung der Wolken, die man braucht, um Aufwinde zu finden, und lokalen Gewittern.

Ist es schwer, den Heimatflugplatz wiederzufinden?

Nein, jetzt nicht mehr, da wir seit etwa zehn Jahren ein satellitengestütztes Navigationssystem benutzen.

Was empfindet ein Pilot nach einem langen und weiten Flug?

Er ist ganz einfach glücklich, wie nach anderen erfolgreichen sportlichen Leistungen auch. Es ist immer wieder ein Erlebnis, sich mit der Natur und ihren Kräften zu messen und mit ihnen im Einklang zu sein.

„Angst vorm Fliegen“, kennen Sie die?

Nein, in der Ausbildung werden schwierige Situationen durchgespielt. Man sollte jedoch wissen, was passieren kann und muss darauf vorbereitet sein.

Das Gespräch führte Reinhardt Vogel.