Nervt es Sie eigentlich, dass sich die Leute mit Ihrem Namen so schwer tun?
Nach 20 Jahren in der Öffentlichkeit und der Schulzeit habe ich mich daran gewöhnt und ich würde es keinem verübeln, wenn er es nicht richtig ausspricht.
Am 29. Juli ist in Bayreuth das Campus Open Air, bei dem Sie dabei sein werden. Waren Sie vorher schon einmal dort?
Noch nie. Ich habe zwar die Festspiele im Ohr, aber da gewesen bin ich noch nie.
Am 6. September soll Ihr neues Live-Album erscheinen. Wird auch in Bayreuth für das Album mitgeschnitten?
Das ist schon auf der Hallen-Tour mitgeschnitten worden. Von daher sind wir mit den Aufnahmen schon durch.
Während der aktuellen Tour spielen Sie mit ziemlich vielen Bands gemeinsam; Eros Ramazotti ist dabei, die Söhne Mannheims und in Bayreuth die Bananafishbones. Haben Sie mit diesen Leuten schon zusammen gespielt? Kennt man sich inzwischen?
Wir haben mit den Bananafishbones bisher ein Konzert gemeinsam gespielt. Das ist zwei Jahre her und wir haben uns auch nicht wirklich kennen gelernt. Was die Söhne angeht das sind immer andere Leute. Aber den größten Teil kennen wir, weil die aus unserer Gegend kommen.
In Ihrer Jugend wollten sie eigentlich Gitarrist bei einer Heavy-Metal-Band werden. Stimmt das?
Ich war Gitarrist bei einer Heavy-Metal-Band! Ich habe so angefangen, Musik zu machen. Ich glaube meine allerallererste Metal-Band hieß Amplified, aber es folgten dann noch so ungefähr zwölf andere.
Und was ist Ihre Lieblings-Metal-Band? Sie selbst haben ja musikalisch inzwischen einen ganz anderen Stil...
Das ist schwierig. Ich glaube, dass die alten Metallica-Sachen, die vor dem schwarzen Album erschienen sind, mit zu meinen Favorites gehören. Es gibt auch das eine oder andere Slayer-Album, das ich nach wie vor sehr, sehr gut finde, weil das zeitlose Geschichten sind. Jetzt gerade habe ich mich ein bisschen in die neueren Sachen von Slipknot verguckt, obwohl mir das wieder fast eine Spur zu hart ist. Aber die machen echt sehr geile Sachen. Wie heißen diese Deutschrock-Jungs mit den irischen Instrumenten?
In Extremo?
Ja, die fand ich ein wenig befremdlich, das war wirklich ein bisschen seltsam. Aber gar nicht mal so schlecht. Ich glaube, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, kann man an fast allem etwas finden.
Mit Ihrer Single Höher sind Sie ja ins Rennen um den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gegangen. Wie gefällt Ihnen eigentlich die Musik von Max?
Nun gut, die Nummer ist nichts Neues, das hätte auch ein Curtis-Tigers-Song sein können von 89. Er ist ein guter Sänger, da gibt es überhaupt nichts dagegen zu sagen. Der Song an sich war gut, aber ob es der Richtige für den Eurovision Song Contest war, bleibt dahin gestellt. Ich fand ihn aber nicht schlecht mit der Nummer; mal gucken, was das Album bringen wird.
Werden Sie sich das Album von Max kaufen?
Weiß ich noch nicht. Aber reinhören werde ich auf jeden Fall, weil es ein Funk-Soul-Album werden wird. Ich weiß auf jeden Fall dass Stefan Raab ein großer 70er-Funk-Soul-Fan ist, genau wie ich auch, und von daher bin ich auf das Album sehr gespannt.
Ein ernstes Thema; Sie haben deutsch-irakische Eltern. Mit ihrer Familie haben sie eine längere Zeit in den USA gelebt. Wie sieht es aus mit Ihren Empfindungen für die USA nach diesem Krieg?
Zugegeben, diese Amerika-Phase, in der ich nichts anderes als Kindergarten und Vorschule bestritten habe, liegt vorstellbar weit zurück, da ich jetzt 32 bin. Um ein wirkliches Verhältnis zu den USA oder zum Irak zu bekommen, müsste man wahrscheinlich in einer Zeit von politischer Wahrnehmung, also so ab 16, einige Jahre im entsprechenden Land verbringen. Das war bei mir nicht der Fall. Deshalb glaube ich, dass ich alles, was jetzt passiert ist, aus sehr deutscher Sicht gesehen habe.
Eigentlich hatten Sie doch angefangen, Röntgenassistent zu lernen?
Auch. Und ich habe drei Semester Soziologie studiert!
Das liegt aber alles ein bisschen weit auseinander...
Ach, ich glaube, wenn man etwas tut, von dem man sowieso nicht überzeugt ist, macht die Sparte auch nichts aus.
Was haben eigentlich Ihre Eltern und ihr Freundeskreis dazu gesagt, als Sie beschlossen haben, Profi-Musiker zu werden?
Also meine Eltern waren sehr skeptisch weil sie meinen drei Jahre überdauernden Nervenkrieg ,Mach ichs oder mach ichs nicht mitbekommen haben und sie gerne gesehen hätten, dass der Junge was Ordentliches macht. Meine Freunde kannten mich gar nicht anders. Obwohl auch da alle ordentlich gezweifelt haben inklusive mir selbst oft genug. Aber ich bin definitiv zufrieden mit meiner Entscheidung.
Bilder von Dir war das Lied, mit dem Sie wie eine Granate in der deutschen Musik-Landschaft eingeschlagen sind. Können Sie das Lied noch hören oder geht es Ihnen schon auf die Nerven?
Schön ist, dass es im Radio gar nicht mehr so oft läuft, also freue ich mich inzwischen, wenn es gespielt wird. Und dadurch, dass wir es die letzten drei Jahre in unterschiedlichen Varianten gespielt haben, haben wir den Spaß-Faktor daran erhalten ohne zu denken ,Mein Gott, die alten Kalauer".
Letzte Frage: Was erwartet die Gäste des Bayreuther Campus Open Airs, wenn Sie auf die Bühne kommen?
Gute Frage, weil noch nicht ganz raus ist, ob wir vielleicht einen Gast dabei haben, der uns ein bisschen unterstützt. Ansonsten versuchen wir, einen möglichst kurzweiligen ,Best Of-Mix aus den letzten drei Alben auf die Beine zu stellen. Für die Leute, die uns nicht kennen, wird es härter als erwartet, und für die, die uns kennen, gibts hoffentlich was zum Mitmachen. Schauen wir mal!
INTERVIEW: TAMARA POHL