Trumps Forderung nach Lastenteilung
Dass Deutschland sich einfach zurücklehnt, will sich Merz sich auch nicht nachsagen lassen: "Das heißt nicht, dass wir untätig sind." Trump habe darum gebeten, "im Sinne einer Lastenteilung die deutsche Präsenz an der Ost- und Nordflanke der Nato beizubehalten". Das tue man "aus voller Überzeugung, und wir legen auch nach", sagt Merz. Dies habe er schon beim Besuch der Nato-Übung "Cold Response" in Norwegen unterstrichen - 1.600 Bundeswehrsoldaten beteiligten sich daran.
Trump und das russische Öl
Merz zeigt sich auch verärgert, dass Trump wegen der blockierten Öllieferungen durch die Straße von Hormus erklärt hat, die USA würden "ölbezogene Sanktionen" aussetzen, um die Preise zu senken.
Russland werde jede Chance nutzen, die Nato zu testen und die Ukraine zu schwächen, warnt Merz. "Deshalb war es nach unserer Auffassung falsch, dass Washington restriktive Maßnahmen gegen den Verkauf von russischem Öl gelockert hat. Wir werden diesen Weg nicht mitgehen."
Was hinter der Kritik von Merz steckt: Es gibt die Befürchtung, dass Trump wegen des Iran-Kriegs das Interesse an einer friedlichen Lösung für die vor mehr als vier Jahren von Moskau angegriffene Ukraine verlieren könnte.
Was Deutschland in der Straße von Hormus beitragen könnte
Militärisch könnte die Bundeswehr einen Beitrag für sicheren Schiffsverkehr leisten. Die Marine hat Kampfschiffe, die speziell für Geleitschutz und Seeraumkontrolle konzipiert sind, etwa die drei Fregatten der "Sachsen-Klasse". Zudem verfügt sie über Minenjagdboote für großflächiges Minenräumen in Seegebieten.
Nur: Die Bundeswehr widmet sich wieder ganz der Landes- und Bündnisverteidigung sowie der Abschreckung Russlands. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zweifelt zudem daran, dass einige zusätzliche europäische Kriegsschiffe für eine sichere Schiffspassage sorgen können, wenn dies der US-Marine nicht gelinge.
Und wie reagiert die EU?
Der Iran-Krieg und dessen Folgen dürften auch den EU-Gipfel Ende am Donnerstag und Freitag in Brüssel beherrschen. "Niemand will sich aktiv in diesen Krieg hineinziehen lassen", hatte EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas gestern nach Beratungen der EU-Außenminister in Brüssel gesagt.
Ob Merz, die EU und die Nato die harte Abgrenzung gegenüber Trump werden durchhalten können, ist offen. Denn nicht nur der Bundesregierung ist klar: Bei der Verteidigung etwa gegenüber Russland bleiben Deutschland und Europa auf US-Unterstützung angewiesen.