Jubiläum in Thierstein Feuerwehr feiert 140-Jähriges

G. P.
Das erste Löschfahrzeug der Feuerwehr Thierstein: Der Opel Blitz wurde 1960 in Dienst genommen. Foto: Feuerwehr Thierstein

Was als Turnerwehr begann, hat sich zu einer schlagkräftigen Truppe entwickelt. Am Wochenende blicken die Thiersteiner zurück auf ihre Geschichte.

Mit einem großen Fest am Gerätehaus begeht die Feuerwehr Thierstein am Wochenende ihr 140. Jubiläum. Es soll ein großes Fest für Familien werden und Gelegenheit geben, ein bisschen in die Geschichte der Wehr einzutauchen.

Vom 27. Dezember 1882 datiert die Urkunde, mit der die Freiwillige Feuerwehr Thierstein in die Grundliste des Bayerischen Landes-Feuerwehrverbandes eingetragen wurde – und zwar „unter dem allerhöchsten Protektorate Seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern“. Es ist zwar das offizielle Geburtsdatum der Thiersteiner Wehr, allerdings waren Bürger schon davor verpflichtet, bei Bränden helfend einzugreifen. Der Turnverein Thierstein wurde bereits 1861 ins Leben gerufen und hatte in seiner Satzung eine Turnerwehr verankert. Unter Paragraf 18 heißt es: „Jedes aktive Mitglied des Turnvereins ist verpflichtet bey Feuerlärm; sei es hier oder auswärts auf dem Marktplatze sich so schnel als möglich einzufinden, um von hier aus in Gemeinschaft aller aktiven Mitglieder die Brandstätte aufzusuchen.“

Mit Spritze und Leitern

Das alles genügte dem königlichen Bezirksamt Wunsiedel offenbar nicht. Am 15. Januar 1869 legt die Behörde in einem Schreiben der Marktverwaltung nahe, schnellstmöglich eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Das Antwortschreiben aus Thierstein ging drei Tage später raus. Demnach waren die Turner bereit, einer Feuerwehr beizutreten. Bis zur Gründung der Feuerwehr sollten allerdings noch 13 Jahre ins Land ziehen. Feuersbrünsten traten die Thiersteiner derweil mit einer Feuerspritze und Feuerleitern entgegen. Darüber hinaus waren alle Familien mit Feuereimern ausgestattet, um Wasser aus Brunnen und Weihern heranzuschaffen. Doch es gab weder fließendes Wasser noch Pumpen, die die Arbeit der Floriansjünger erleichtert hätten.

Schornstein stürzt auf Helfer

Wie gefährlich die Einsätze Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen sind, macht ein Eintrag im Protokollbuch des Turnvereins deutlich. Im Februar 1869 war in einem Anwesen in der Selber Straße ein Feuer ausgebrochen. Gemäß ihrer Statuten machten sich die Turner zur Brandstätte auf. Ein Schreinergeselle bestieg das brennende Dach und versuchte, gegen die Flammen anzukämpfen. „Er arbeitete rettend als Feuerwehrmann, daß sich viele seiner mutigen Tätigkeit wunderten. Aber leider, der Tod ward ihm nahe und mußte sein Leben eilig enden“, heißt es im Protokollbuch des Vereins. Und weiter: „Der Schornstein stürzte zusammen und ein Balken des Daches schleuderte den Unglücklichen zurück und einige Ziegel schlugen ihm auf die Brust, worauf er nach wenigen Minuten, als er von einigen Turnern vom Dach heruntergehoben war, seinen Geist aufgeben musste.“

Mit der Gründung des Feuerwehrvereins kehrte auch eine bessere Ausrüstung in der Marktgemeinde ein. 1884 nahm die Feuerwehr eine vierrädrige Saug- und Druckspritze in Betrieb. Hergestellt wurde das Gerät in der Fabrik der Firma Gebrüder Netzsch in Selb. Für 1210 Mark beschaffte die Feuerwehr 1917 eine „Magirus-Patent-Leiter“. Das Geld für die Anschaffung der Schubleiter spendete die Thiersteiner Bevölkerung.

40 Jahre im Dienst

1932 erweiterte eine Motorspritze aus der Feuerlöschgerätefabrik Paul Ludwig in Bayreuth die Ausrüstung der Thiersteiner Wehr. Mit der Begründung, die alte Handdruckspritze reiche nicht mehr aus, waren die Feuerwehrleute an die Gemeinde herangetreten. Das erste Löschfahrzeug wurde 1960 gekauft. Basis war ein Opel Blitz mit einem Aufbau von Ziegler und verfügte über eine Vorbaupumpe und eine Tragkraftspritze. 1982 wurde das Fahrzeug außer Dienst gestellt.

In jenem Jahr bekam die Feuerwehr Thierstein ein neues LF 8. Der Daimler Benz wurde beim Feuerwehrtag feierlich übergeben. Nach 40 Einsatzjahren tut das Fahrzeug noch immer seinen Dienst. Heute verfügt die Thiersteiner Feuerwehr außerdem noch über ein Löschgruppenfahrzeug 8/6 mit einem 600-Liter-Wassertank.

Das Jubiläumsfest am Feuerwehr-Gerätehaus

Samstag, 30. Juli
17 Uhr, Festbetrieb mit Musik von Hörli-Power; ab 21 Uhr Barbetrieb.

Sonntag, 31. Juli
9 Uhr, Gottesdienst im Gerätehaus; 10 Uhr: Frühschoppen mit Weißwürsten; 14 Uhr, Familiennachmittag mit Fahrzeugschau, Malwettbewerb, Hüpfburg, Rundfahrten im Feuerwehrauto; 17 Uhr, Festbetrieb mit Siegerehrung des Malwettbewerbs, Musik von Hörli-Power; ab 21 Uhr, Verlosung.

 

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