Jugendarbeitslosigkeit Agentur-Chef ruft zur Sachlichkeit auf

Arbeitslosenquoten im Vergleich: Auffallend sind die Unterschiede zwischen Stadt und Landkreis Hof. Foto: /FP/Grafikdesk

Die Jugendarbeitslosigkeit in der Stadt Hof ist nach Ansicht von Sebastian Peine nicht so dramatisch, wie es in der Öffentlichkeit oft dargestellt werde. Die größte Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt im Hofer Land bleibe der Fachkräftemangel.

Hof/Landkreis - Der Arbeitsmarkt im Hofer Land hat die Corona-Krise bislang „erstaunlich gut“ bewältigt, vor allem dank des Steuerinstruments Kurzarbeit – dies sagte der Chef der Arbeitsagentur Bayreuth-Hof, Sebastian Peine, am Montag bei einer virtuellen Jahrespressekonferenz. Eine riesige Herausforderung bleibe jedoch der Fachkräftemangel. Ausführlich nahm Peine Stellung zum Thema Jugendarbeitslosigkeit, das jüngst auch im Hofer Stadtrat ein „großes Thema“ gewesen sei.

 Jugendarbeitslosigkeit: Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen, die relativ hohe Zahl der Schulabbrecher und der vergleichsweise hohe Anteil junger Flüchtlinge an der Ge­samtbevölkerung sind zurzeit in Hof ein viel diskutiertes Thema. Peine sagte nun dazu, es gebe in der Stadt Hof zwar Problemgruppen, aber die Lage sei „keineswegs exorbitant kritisch“. Jugendarbeitslosigkeit sei „ kein explizites Problem der Stadt Hof . Das wurde auch im Stadtrat überzogen diskutiert.“ Peine rief zur „faktenbasierten“ Diskussion auf und legte Vergleichszahlen vor: Die Stadt Hof habe bei Jugendlichen eine Arbeitslosigkeit von 4,3 Prozent. In Coburg sind es fünf Prozent, in Aschaffenburg 4,1, in Weiden 3,7. Städte wie Gelsenkirchen oder Pirmasens hätten Quoten von teils deutlich über zehn Prozent. In Bayern ist die durchschnittliche Jugendarbeitslosigkeit mit 2,0 Prozent deutlich niedriger als in Hof, aber das sei „ein absoluter Traumwert“, sagt Sebastian Peine.

• Gesamtarbeitslosigkeit, offene Arbeitsstellen: Die Zahl der Arbeitslosen in Stadt und Landkreis lag zum Jahreswechsel fast wieder auf dem Niveau vor der Pandemie. Im Dezember 2019 gab es 2805 Arbeitslose, ein Jahr darauf 3274; aktuell beträgt die Arbeitslosenzahl 2822. Dem stehen 2548 offene Stellen gegenüber. Das heißt, 1,1 Arbeitsuchende kommen auf eine offene Stelle, „ein günstiger Wert“, wie Peine sagte.

Die Arbeitslosenquote beträgt in der Stadt Hof aktuell 5,1 Prozent, nach 5,4 und 6,1 Prozent Ende 2019 und 2020. Die Entwicklung im Landkreis Hof seit 2019: 2,9 Prozent, 3,6 Prozent, jetzt 3,1 Prozent.

• Langzeitarbeitslosigkeit, Hartz IV: Etwa die Hälfte der Arbeitssuchenden sind Langzeitarbeitslose. Während der Pandemie ist in diesem Bereich die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger innerhalb von drei Jahren zuerst angestiegen, dann aber wieder gefallen: von 116 auf 223 und aktuell 173. Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger hat sich im selben Zeitraum durchgehend erhöht: von 428 auf 655 und aktuell 681. 58 Prozent der Hartz-IV-Empfänger haben keine Berufsausbildung, 3,2 Prozent sind Akademiker.

• Beschäftigenzahlen: Trotz schrumpfender Bevölkerung ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Be­schäftigten in der Stadt Hof seit dem Jahr 2005 kontinuierlich ge­stiegen, von 22 583 auf aktuell 25 053, ein Höchststand. Im Landkreis Hof ist die Zahl der Beschäftigten seit 2005 von 31 254 auf aktuell 36 162 geklettert; der Höchstadt wurde hier vor der Pandemie mit 38 271 erreicht.

• Kurzarbeit: „Dank der Kurzarbeit haben wir die Corona-Krise relativ gut überstanden“, betont der Agenturchef. „Ohne Kurzarbeit hätten wir rein rechnerisch im Bezirk Bayreuth-Hof 18 700 Arbeitslose mehr.“ Der mit Abstand höchste Stand war im April 2020 zu verzeichnen, mit 41 894 Anmeldungen. Einen weiteren Ausschlag nach oben gab es im Februar 2021 mit 24 516. Dann folgte ein stetiger und deutlicher Rückgang auf 3478 im August 2021 – ein Zeichen, wie die Wirtschaft im Sommer wieder angezogen hat. Zurzeit (Stand November) sind im Agenturbezirk Bayreuth-Hof am stärksten das Gastgewerbe (403) und das verarbeitende Gewerbe (864) von Kurzarbeit betroffen. Auffallend ist der Unterschied zwischen Stadt und Landkreis Hof: In der Stadt Hof waren im Juli vergangenen Jahres 385 Beschäftigte in Kurzarbeit, im Landkreis 1021.

• Ausbildungsstellen: Zu Beginn des aktuellen Ausbildungsjahrs im September 2021 gab es im Bezirk Bayreuth-Hof 26 „unvesorgte“ Bewerber – und gleichzeitig 583 unbesetzte freie Stellen. Im Hofer Land übersteigt seit Jahren die Zahl der gemeldeten freien Stellen die der Bewerber.

• Fachkräftemangel: Der Fachkräftemangel bleibe die größte Herausforderung, sagte Peine. Das Motto laute: „Kein Jugendlicher darf verloren gehen.“ Die Agentur setze auf Beratung bei der Berufsorientierung. Weitere Ziele seien: über Qualifizierungsmaßnahmen Ungelernte zu Fachkräften machen; die Erwerbsquote von Frauen erhöhen – auch von Ausländerinnen – sowie die Einwanderung von Fachkräften unterstützen.

Sehr erfolgreich sei hier das Welcome-Center in Selb: Hier wurden im vergangenen Jahr 180 tschechische Arbeitssuchende vermittelt; vor der Corona-Krise waren es jährlich 300 bis 500.

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