Justiz Kirchenrechtler Schüller erwartet Klagewelle gegen Kirche

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Thomas Schüller, Theologe und Kirchenrechtler, vor der Presse. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller erwartet eine Klagewelle von Missbrauchsbetroffenen gegen die katholischen Kirche. Dass sich nach dem Erzbistum Köln nun auch das Erzbistum München und Freising dazu entschieden habe, in Haftungsfragen keine Verjährung geltend zu machen, könne "zu einer Klagewelle auch in anderen Bistümern bei vergleichbar gelagerten Fällen" führen, sagte Schüller der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

München/Traunstein/Garching - Der Kirchenrechtler Thomas Schüller erwartet eine Klagewelle von Missbrauchsbetroffenen gegen die katholischen Kirche. Dass sich nach dem Erzbistum Köln nun auch das Erzbistum München und Freising dazu entschieden habe, in Haftungsfragen keine Verjährung geltend zu machen, könne "zu einer Klagewelle auch in anderen Bistümern bei vergleichbar gelagerten Fällen" führen, sagte Schüller der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Sollte es dazu kommen, sieht er vor allem Bistümer, die nicht so reich sind wie die in Köln und München, in finanzieller Bedrängnis. "Eine Reihe von Bistümern wird nicht lange in der Lage sein, die durch staatliche Gerichte verfügten Summen, die wie in Köln bis 800.000 Euro gehen können, zu bedienen, ohne nicht substanziell Vermögenswerte wie Immobilien veräußern zu müssen", sagte Schüller.

Das Erzbistum München und Freising hatte am Mittwoch mitgeteilt, sich nach der Klage eines Missbrauchsopfers vor dem Landgericht Traunstein nicht auf Verjährung zu berufen und sagte dem Mann Schmerzensgeld und gegebenenfalls auch Schadenersatz zu. In einem ähnlichen Fall hatte das Erzbistum Köln zuvor ebenso darauf verzichtet, sich auf eine Verjährung zu berufen.

"Die bisher freiwillig gezahlten Summen ohne Anerkennung einer Rechtspflicht bis 50.000 Euro sind in vielen Fällen angesichts der vielfältigen seelischen und somatischen Verletzungen (...) nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagte Schüller. "Von daher werden jetzt viele Opfer sexualisierter Gewalt den staatlichen Klageweg einschlagen."

 

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