Öl dagegen spiele im Energiemix des Konzerns eine untergeordnete Rolle. "Indirekte Auswirkungen können sich – wie in der gesamten Industrie – vor allem über die Verteuerung allgemeiner Energiepreise, Transportkosten und Vorprodukte ergeben", erklärt die Sprecherin. Aber: "Sollten höhere Energiepreise die wirtschaftliche Entwicklung belasten, könnte sich das perspektivisch auch auf die Nachfrage unserer Kunden auswirken."
Seine Rohstoff‑ oder Logistikströme sieht Thyssenkrupp Steel indes nicht beeinträchtigt, da der Konzern die Straße von Hormus grundsätzlich nicht für Transporte nutze. Kostensteigerungen seien dennoch nicht zu vermeiden, weil Fracht sich durch höhere Treibstoffkosten verteure.
Die Chemie, die viel Gas und Öl verbraucht, ist vom Anstieg der Energiepreise besonders betroffen. Steigende Kosten kann die Branche aber nicht immer an Kunden weitergeben, was ihre Margen belastet. Öl und Gas spielen in der Chemie zudem eine zentrale Rolle als Ausgangsstoffe etwa für Kunststoffe, Dünger, Medikamente, Lösungsmittel und Kosmetika.
Der Iran-Krieg trübt die Aussichten für die ohnehin kriselnde Branche, die unter teurer Energie, Überkapazitäten am Weltmarkt und der schwachen Wirtschaft leidet. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VCI, warnte zudem jüngst vor Versorgungsengpässen bei Rohstoffen wie Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel, da die Straße von Hormus faktisch blockiert ist.
Spediteure
Mit dem gestiegenen Ölpreis hat sich Diesel stark verteuert, was Spediteure stark belastet. "Die Dieselpreisexplosion trifft die Transportbranche in besonderer Härte, da die Kraftstoffkosten rund ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen", sagte jüngst Dirk Engelhardt, Chef des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Viele mittelständische Betriebe gerieten durch den Anstieg des Dieselpreises an ihre Grenzen. Der BGL forderte Soforthilfen von der Politik wie eine Dieselpreisbremse und zinsgünstige Liquiditätshilfen.
Reedereien
Direkte Folgen hat der Krieg im Nahen Osten für die Schifffahrt. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) geht davon aus, dass mindestens 30 Schiffe von zehn Reedereien mit deutschem Bezug und rund 1.000 Seeleute im Persischen Golf festsitzen – etwa die Hälfte davon sind Containerschiffe. Der Deutschen Marine zufolge sollen es mehr als 50 Schiffe sein. VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger berichtete jüngst von Angriffen mit Drohnen und Raketen auf Handelsschiffe.
Zugleich warten viele Schiffe, die in den Golf einfahren wollen, auf eine Passage der gesperrten Seestraße. Rund 500 Schiffe sollen es sein, wie viele davon deutschen Reedereien angehören, ist unbekannt.
Autoindustrie
Die Branche kommt bisher glimpflich davon. Bei BMW und Audi heißt es, dass die Lieferketten stabil seien, beziehungsweise, es keine Beeinträchtigungen gebe. Auch der VW-Konzern spürt derzeit keine Folgen für die Produktion. Ähnlich sieht es bei Mercedes-Benz aus.
Eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) beschrieb hingegen Folgen für die Lieferketten, "insbesondere im Bereich der gestiegenen Frachtkosten und der Änderung von Transportwegen". Die Unternehmen und der VDA beobachteten die Entwicklungen genau. Bei Bedarf priorisierten die Unternehmen Transporte um.
Die Golfregion zählte für die Maschinenbauer zuletzt zu den wenigen Regionen mit stabilem Exportwachstum, das nun einzubrechen droht. Viele Projekte in den von Öl- und Gasförderung abhängigen Branchen sind gestoppt, wie der Verband VDMA berichtet. Sollte der Konflikt länger dauern, sei hier mit negativen Effekten zu rechnen. Vor Ort machten den Unternehmen gestörte Lieferketten Sorgen, weil die wichtigen Häfen Abu Dhabi und Dubai vom internationalen Verkehr abgeschnitten seien. Verzögerungen sowie gestiegene Transport- und Versicherungskosten seien problematisch und könnten oft nicht an Kunden weitergereicht werden.