„Kernölamazonen“ in Helmbrechts Vorsicht vor den Amazonen

Heike Sommermann
Die Kernölamazonen: Die griechische Kriegerin Caroline Athanasiadis (links) mimt das Gewissensteufelchen für Kabarett-Partnerin Gudrun Nikodem-Eichenhardt vom Kernöl-Planeten Steiermark. Foto: /Sommermann

Die „Kernölamazonen“ aus Wien begeistern bei den Kulturwelten mit einem rasanten Programm. An sich haben die Männer dabei nichts zu lachen – am Ende lachen aber alle.

Tolle Impulse für Zwerchfell, Auge und Ohr bei den Kulturwelten in Helmbrechts: Die „Kernölamazonen“ aus Wien – ein geniales Duo, dessen Mission es ist, Liebe und Kernöl auf der Welt zu verbreiten – haben am Sonntag im vollen Bürgersaal die Kulturwelten-Freunde mit ihrem Programm „Best of…“ in die Welt des Musikkabaretts entführt.

Caro alias Caroline Athanasiadis – klein und zierlich im pinkfarbenem Kleidchen. Man könnte sie glatt für ein süßes Mädel mit griechischen Wurzeln halten. Dann wird man aber ganz schnell eines Besseren belehrt, denn ihr derbes Mundwerk macht die Größe seiner Besitzerin bei Weitem wett. Caro ist klein und gemein – zumindest dann, wenn sie ihre halsbrecherischen Wortgewitter-Salven abfeuert.

Auf der anderen Seite ist da das doppelt geplagte Lehrerkind Gudrun Nikodem-Eichenhardt. Um einiges größer, einen Hauch gemütlicher, aber keinen Deut weniger scharfzüngig als ihre andere Amazonen-Hälfte. Sie fixiert ihr Opfer mit ihrem stechenden „Lehrerblick“, bevor sie zustößt, und zwar verbal und im tiefsten steierischen Slang. Caro übernimmt unnötigerweise die Dolmetscher-Rolle, selbstverständlich ungefragt.

Zusammen sind sie die „Kernölamazonen“, die im Bürgersaal-Basislager steirisch-griechisch und praxisorientiert dem Publikum kaum eine Sekunde gönnen, um die Lachmuskeln zu entspannen. Im völligen Einvernehmen, versteht sich. Durchatmen ist ausschließlich während der Musikeinlagen möglich.

Bereits in den ersten Minuten werfen die beiden Kämpferinnen ihre Netze nach männlichen Opfern aus. Denn Fasten, beispielsweise, wäre an sich ja nicht das Problem, besonders für Gudrun, die sich ohnehin kaum etwas gönnt. Aber der Verzicht auf Männer wäre wirklich schwierig. Und so haben Jürgen, Axel, Klaus und die anderen Herren der Schöpfung aus den vorderen Reihen nicht den Hauch einer Chance, den Fängen der Amazonen zu entkommen. Falls der Rest der Gäste sich freute, nicht im Blickfeld oder dem Kreuzfeuer der beiden zu sitzen, dann war auch diese Freude nur von kurzer Dauer, denn spätestens beim Mitmachlied nach Caros ungnädiger „Mitmachkontrolle“, ist auch der allerletzte Drückeberger vollkonzentriert bei der Sache. „Mitmachen tut nicht weh. Aber, wenn ich runterkomm’, dann tut’s weh!“, droht die explosive griechische Halbgöttin ihren Gästen.

Begleitend im Hintergrund, und doch stets präsent, der virtuose „Musiksklave“ der Amazonen, Matthias Ellinger. Er ist der Mann, der bei den „Zehn kleinen Männerlein“ am Schluss noch übrig bleibt, jedoch ebenfalls längst auf der Abschussliste der beiden steht.

Im Wechsel mit den Kabarett-Parts zogen die beiden Kabarettistinnen erstklassige gesangliche musikalische Zuckerstücke aus ihrem Repertoire. „Du bist das Beste, was mir je passiert ist“ von Silbermond beispielsweise: toll gesungen von Gudrun. Bei ihrer rasend schnellen musikalischen „Getränkeübersicht“ im Wortgalopp, räumen die beiden Sängerinnen noch einmal jeden Zweifel an ihrer Zungenfertigkeit aus dem Weg.

Ein Musical-Potpourri, bei dem der Wechsel zwischen den verschiedenen Musicals fließend, gefühlt ohne jeden Übergang erfolgt, ist sicherlich einer der musikalischen Höhepunkte des Abends. Musikfetzen aus Grease, der West Side Story, Cabaret und The Rocky Horror Show, Phantom der Oper und einigen anderen Musicals performen die beiden Multitalente famos und gesanglich hervorragend.

Als am Schluss Caro hinter Gudrun verschwindet und als Engelchen oder Teufelchen hinter ihr hervorlugt und diese mal ins Verderben schicken, mal sie davor bewahren will, bleibt kein Auge trocken. Mit dem Satz „So, jetzt geh’n wir“ würden sich die frechen Amazonen gerne aus dem Staub machen – geben dann aber gerne und ohne Umschweife noch eine schöne Zugabe fürs begeisterte Helmbrechtser Publikum.

 

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