Kirchen Bischof Timmerevers erklärt altersbedingten Rücktritt

Mit dem Rücktritt von Bischof Timmerevers beginnt im Bistum Dresden-Meißen die Suche nach einer Nachfolge. Bis zur Wahl eines Diözesanadministrators übernimmt das Domkapitel die Leitung.

Dresden (dpa/sn) - Der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, hat seinen Amtsverzicht erklärt. Papst Leo XIV. nahm am Mittwoch das Ersuchen des 74-Jährigen an, wie das Bistum mitteilte. "Ich spüre, dass die vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben in dieser Verantwortung enorme Kraft gekostet haben", erklärte Timmerevers. "Daher habe ich beschlossen, die Leitung unseres Bistums Dresden-Meißen, das mir in den zehn Jahren meiner Amtszeit sehr ans Herz gewachsen ist, in jüngere Hände zu übergeben." Er habe bereits vor einigen Monaten in Rom um Entpflichtung gebeten und seine Gründe dem Heiligen Vater im persönlichen Gespräch erläutert. 

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Timmerevers gab seine Entscheidung an seinem 25. Weihetag bekannt. Auf die Frage, ob der Tag ein guter Tag für ihn sei, antwortete Timmersen bei einer Pressekonferenz: "Ich bin zufrieden, in Frieden." Am 2. September 2001 hatte er im Dom zu Münster seine Bischofsweihe empfangen. Im August kommenden Jahres wird er 75 Jahre alt. Nach Angaben des Bistums ist das ein Termin, zu dem Bischöfe normalerweise dem Papst ihren Rücktritt anbieten. 

Geplantes Weihe-Jubiläum wird zum Abschiedsfest 

Ursprünglich hatte sich das Bistum für Samstag (5. September) mit einem Gottesdienst auf das "Silberne" Bischofsweihe-Jubiläum von Timmerevers vorbereitet. Nun wird es ein Abschiedsfest. Die Predigt in der Heiligen Messe hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer. Er sprach am Mittwoch von einem "großen Verlust" für die Bischofskonferenz. Timmerevers sei es als Bischof aus dem Westen "auf einfühlsame Weise gelungen, einen Draht zu den Menschen aufzubauen, ihnen zuzuhören, ihre Sorgen und Nöte zu verstehen und gleichzeitig ihre Hoffnungen zu fördern".

Evangelische Bischof dankt für ökumenische Zusammenarbeit

Der evangelische Landesbischof Tobias Bilz dankte seinem Amtskollegen für "gute ökumenische Zusammenarbeit, die von großem Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt war". "In einer Zeit, die uns durch Säkularisierung, gesellschaftliche Polarisierung und globale Krisen vor große Herausforderungen stellt, durften wir erfahren: Uns evangelische und katholische Christen verbindet weit mehr, als uns trennt", erklärte Bilz. Die Kirchen stünden vor der Aufgabe, jetzt und zukünftig für die Menschen in Sachsen da zu sein und christliche Werte und Traditionen in unserer Gesellschaft sichtbar und erlebbar zu erhalten.

Auch Sachsens Kultusminister Conrad Clemens würdigte die Arbeit von Timmerevers. Dieser habe entscheidend an der Weiterentwicklung des Religionsunterrichtes in Sachsens mitgewirkt, so der CDU-Politiker. "Bischof Timmerevers hat die Ökumene und die Kooperation von Kirche und Staat in seinen 10 Dienstjahren in Sachsen aktiv geprägt."

Bischof gibt altersbedingte Gründe für Abschied an 

Timmerevers gab einen Einblick in seine Gefühlswelt. Die ersten Gedanken zum Abschied habe er sich bereits im letzten Sommer gemacht. "Damit bin ich lange mit mir herumgegangen", sagte er bei der Pressekonferenz. "Ich habe intensiv im Gebet um diese Entscheidung gerungen, für die es keinen äußeren Anlass oder akute gesundheitliche Gründe gibt", hatte er zuvor außerdem mitgeteilt.

Er merke, dass er älter geworden sei. "Und wenn ich überlege, mit welcher Kraft und welchen Möglichkeiten ich erst vor zehn Jahren hierhergekommen bin und jetzt merke, ja, du bist jetzt 74 Jahre", erklärte er bei der Pressekonferenz. Die Zeiten der Erholung würden größer, man brauche länger, um Dinge hinter sich zu lassen. Das Bistum benötige weiterhin eine Leitung mit uneingeschränkter Tatkraft, hieß es in einer Mitteilung weiter. "Ich spüre zugleich, dass das Alter und die zahlreichen Aufgaben auch bei mir ihre Spuren hinterlassen haben. Herzlich danke ich allen, mit denen ich in dieser Zeit gemeinsam wirken durfte."

Timmerevers will Wohnsitz in Dresden behalten

In einer Videobotschaft wandte sich Timmerevers persönlich an die Gläubigen und erläuterte seine Beweggründe. Seinem Bistum bleibt er allerdings auch in Zukunft treu. In einer Mietwohnung in Dresden will er künftig seinen Wohnsitz beziehen. "Hier in dieser Stadt bin ich inzwischen zu Hause und stehe dem Bistum auch im Ruhestand als Seelsorger auf Wunsch weiterhin gerne zur Verfügung", so der emeritierte Bischof.

Mit der Annahme seines Amtsverzichts ist die sogenannte Sedisvakanz eingetreten, nach der der Bischofsstuhl der Dresdner Kathedrale im wörtlichen Sinn unbesetzt ist. Die Leitung des Bistums geht nun auf das Domkapitel St. Petri über, das innerhalb von acht Tagen einen Diözesanadministrator wählen muss. Dieser erhält viele Rechte und Pflichten eines Diözesanbischofs; er darf allerdings keine prägenden Entscheidungen fällen, die das Bistum grundlegend verändern würden, hieß es.

Suche nach Nachfolger beginnt und kann bis zu einem Jahr dauern

Parallel beginnt die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Nachfolge auf dem Bischofsstuhl. Ein Prozess, der erfahrungsgemäß bis zu einem Jahr dauern kann, gab das Bistum bekannt. Für das Bistum Dresden-Meißen gelte das "Badische Konkordat": In Rom würden dazu die jährlich eingereichten Empfehlungen des bisherigen Bischofs sowie die Vorschläge des Domkapitels gesichtet. Auf Basis dieser Listen erstelle der Heilige Stuhl einen Dreier-Vorschlag, der zumindest einen Kandidaten aus dem Bistum Dresden-Meißen enthalten muss.