Klassiker und Leckerbissen Jazzige Weihnacht mit Bling-Bling und Tännsch’n

Wenngleich die MAKkultur wegen Corona nur wenige Zuhörer zulässt, so sind Laura Mann und ihr Begleiter am Klavier, Oliver Lederer, begeistert, endlich wieder einmal vor Publikum singen, spielen, auftreten zu dürfen. Die Gäste honorieren es mit viel Applaus. Foto: /Peggy Biczysko

Laura Mann nimmt ihre Gäste mit auf eine musikalische Winterreise. Der beschwingte Abend trotzt Corona und erfreut die Herzen mit adventlichen Leckerbissen.

Marktredwitz - „Früher war mehr Lametta – sowieso! Heute ist mehr Pandemie.“ Ein bisschen Loriot, ein bisschen traurige Gegenwart. Künstlerin Laura Mann strahlt. Auch wenn ihr nur Menschen mit Masken gegenübersitzen. Besser als nichts. Und diese Masken-Menschen sind dankbar. Dankbar, dass sich ein bisschen was rührt in dieser traurigen Corona-Zeit. Und in der MAKkultur rührt sich gehörig was, wenn die Künstlerin weihnachtliche Leckerbissen beswingt und jazzig serviert.

Erst 2 G-plus, dann Genuss

„Wir haben uns getraut!“ Dafür erntet Veranstaltungs-Managerin Susanne Menzel viel Applaus. Ehe die musikalische Winterreise mit Weihnachtsklassikern und Free Jazz à la Laura Mann in die Vollen geht, versüßen Glühwein und Punsch im Freien die Prozedur des kostenlosen Testens. Erst 2 G-plus – dann der Genuss.

Oliver Lederer haut beschwingt in die Tasten, begleitet die Sängerin locker flockig durch den kurzweiligen Abend, den Laura Mann immer wieder anreichert mit kleinen Spitzen zur Weihnacht in Zeiten der Pandemie. „Süßer die Weihnachtsglocken nie klingen – vor allem online und bei Amazon.“ Die „Jingle Bells“ klingen fröhlich und geleiten hinüber ins „Winter Wonderland“, ehe der „Jingle Bell Rock“ Laura Manns Röhre so richtig aus der Reserve lockt.

Fleischgewordener Albtraum des Kinderzimmers

Aber die Jazz-Lady kann auch leise Töne. „Leise rieselt der Schnee“ sanft durch das Ambiente der MAKkultur, wo im Hintergrund die Kartoffelsuppe mit den Würstchen duftet. Ein Hauch Normalität ist mit Laura Mann zurückgekehrt. Und pulsierendes Leben, wenn „O du fröhliche“ durch den Raum rockt.

Nachdenklich stimmt die Geschichte vom Rentner in Berlin, der im Supermarkt einen Zettel anheftet, weil er einsam ist und Weihnachten nicht allein sein möchte. Und weil die Suche nach Gesellschaft so anrührt und häufig geteilt wird, muss der Witwer den Weihnachtsabend sicherlich nicht in Einsamkeit verbringen. „Lustig, lustig, tralalalala...“ – nein, Coca Cola hat den Weihnachtsmann nicht erfunden, versichert Laura Mann. „Die haben ihn nur groß rausgebracht.“ Nikolaus, Bischof, Weihnachtsmann – irgendwie scheint alles eins zu sein. Bis auf Knecht Rupprecht, „die rechte Hand vom Nikolaus, der fleischgewordene Albtraum des Kinderzimmers“. Kein Gedicht, keine Geschenke. Dann lieber wieder fröhlich weiter mit „Santa Claus is coming to Town“.

Die Monroe und der Weihnachtsbaum

„Attention!“ – nein, Achtung meint Laura Mann gerade nicht. Sie hebt ein kleines Weihnachtsbäumchen in die Höhe. „A Tännsch’n“ – kleiner Schwenk nach Sachsen. Und wer es bis jetzt nicht gewusst hat: „Der durchschnittliche deutsche Weihnachtsbaum ist so groß wie Marilyn Monroe: 1,64 Meter.“ Und mit Glitzer haben sich beide sehr gern geschmückt, wie die Entertainerin augenzwinkernd überleitet zu „Diamonds are a Girl’s best Friend“. Bling-Bling lassen sich die Menschen in der Vorweihnachtszeit viel kosten, weiß Laura Mann, auch wenn der Schmuck auf dem letzten Platz der Geschenke-Hitparade lande, „denn im Land der Dichter und Denker stehen Bücher auf Platz 1“.

50 Millionen Liter Glühwein

Über 36 Millionen Tonnen Plätzchen, Stollen und Domino-Steine – „ein Kilo Weihnachtsgebäck pro Kopf“ – vernichten sie, die Deutschen, plaudert die Künstlerin aus dem adventlichen Nähkästchen. „Dazu kommen noch 50 Millionen Liter Glühwein.“ Mit „Kling, Glöckchen, kling“ schreitet das Christmas-Jazz-Duo in die Pause, um mit den zarten Tönen von „O Holy Night“ zurückzukehren, nachdem das Masken-Publikum mit Sekt, Bier oder der wohlriechenden Kartoffelsuppe ein bisschen Luft geschnappt hat.

Geldbringer in A-Moll

Eine „Gelddruckmaschine in C-Dur und a-Moll“ nennt Laura Mann George Michaels „Last Christmas“, das sie mit ihrer Lippen-Trompete intoniert. 50 Millionen Platten sind von „White Christmas“ über den Ladentisch gegangen, weiß die Sängerin – „ohne die gut 500 Cover-Versionen“. Sie und Klavierspieler Lederer wollen sich „gern daran beteiligen mit unserer 721. Cover-Version“.

Gemeinsame Zeit wichtiger als Geschenke

Die Entertainerin hat ein Faible für Zahlen: „Statistisch gesehen gibt es nur alle fünf bis zehn Jahre weiße Weihnachten. Der Klimawandel wird das Ganze noch ein bisschen anheizen. Aber Träumen wird man ja wohl dürfen“, meint sie zur letzten Nummer und sinniert, „dass es nicht so wichtig ist, was unterm Baum liegt“. Gemeinsame Zeit, das sei das Geschenk mehr denn je.

Und diese gemeinsame Zeit mit dem Marktredwitzer Publikum ist Laura Mann eine echte Herzensangelegenheit in Zeiten der Pandemie, wo Künstler wie sie und Oliver Lederer zum Stillhalten verdonnert waren und noch sind. „Wir haben uns sehr willkommen gefühlt. Have yourself a jazzy little Christmas!“

Autor

 

Bilder