Klinikum Kulmbach Intensivbetten sind voll ausgelastet

Der Leitende Arzt der Pneumologie, Dr. Joseph Alhanna, war Anfang des Jahres 2020 einer der ersten, der sich am Klinikum bei einer Aktion für die Belegschaft impfen ließ. Dr. Thomas Banse, Leiter der Hygienekommission, verabreichte die Spritze. Von Donnerstag an geht es am Klinikum in einer weiteren Aktion ums Boostern. Foto: Melitta Burger

Fünf Menschen müssen aktuell auf der Kulmbacher Intensivstation wegen Coronainfektionen beatmet werden. Für den Fall einer Überlastung ist das Haus gerüstet, erklärt die Geschäftsführerin.

Kulmbach - Die Zahl der Coronapatienten, die auf der Intensivstation des Kulmbacher Klinikums behandelt werden müssen, wächst. Fünf Menschen waren es lauf Divi Intensivregister am Mittwochmittag. Alle fünf mussten invasiv beatmet werden. Zwischen 48 und 78 Jahre alt sind diese Patienten nach Angaben von Klinikumsgeschäftsführerin Brigitte Angermann, drei von ihnen sind ungeimpft, bei den beiden Geimpften liegt die Impfung schon längere Zeit zurück.

20 Prozent aller Intensivbetten in Kulmbach sind nun schon durch Coronapatienten belegt. Das ist weit weniger als in Südbayern, wo die Lage mit bis zu knapp 75 Prozent weitaus schlimmer ist.

Aber: Auch das Kulmbacher Klinikum rüstet sich bereits für das „Kleeblatt“. Das ist eine Regelung, die den Patientenstrom lenken soll, falls zu Engpässen kommt, weil die Patientenzahl zu groß wird. Jeweils vier Regionen tauschen sich dann aus, um möglichst alle Menschen bestmöglich behandeln zu können. Die beiden Intensivstationen des Kulmbacher Klinikums seien momentan voll ausgelastet, berichtet Brigitte Angermann. Ein bis zwei Betten seien bislang in der Regel frei. „Wir reagieren nach Bedarf. Wenn ein Covid-Patient kommt, wird so umgeschichtet, dass er auf der Station 9 Platz findet. Wir müssen ja reaktionsfähig bleiben.“ In beiden Intensivbereichen des Klinikums, also für Covid- und auch alle anderen Akutfälle, aufnahmefähig zu bleiben, sei das erklärte Ziel.

Patienten notfalls schnell in andere Häuser bringen zu können oder umgekehrt auch welche aufzunehmen, darum geht es im Moment in aufwendigen Planungen. Das sehe gut aus, sagt Angermann. Weil das „Kleeblatt“ bislang allein auf den Freistaat Bayern abgewendet wird und andere Bundesländer nicht einbezogen sind, lasse sich das gut organisieren. Hinzu komme, dass es bereits Erfahrungen gib: „Wir hatten ja schon im März, als unsere Intensivstation übergelaufen war, Patienten abverlegen müssen. Damals haben uns, überwiegend aus Oberfranken, andere Krankenhäusergeholfen. Natürlich gibt es auch den umgekehrten Weg: Wenn wir Kapazitäten frei haben, nehmen wir Patienten auf.“

Koordiniert werden solche Fälle über die Regierung und die ärztlichen eiter Krankenhaus-Koordinierung. Im Bereich der Rettungsleitstelle Bayreuth-Kulmbach sind das der Bayreuther Arzt Stefan Eigel und seine Kulmbacher Kollegin Dr. Susanne Luber. Sie lenken, wenn das nötig werden solle, die Patientenströme. Die oberfränkischen Krankenhäuser stimmten sich dann ab, wer helfen und einspringen kann, informiert Angermann.

Ob Kulmbach, ob nun in die eine oder andere Richtung betroffen werden könnte, darüber kann Brigitte Angermann keine angaben machen. In den vergangenen Tagen sei es wieder relativ ruhig geworden, es gebe nur wenige Anfragen. „Es weiß keiner, wie sich die neuen Maßnahmen auswirken und ob es zu einer Beruhigung der Situation kommt. In Kulmbach sieht es momentan nicht so aus, als würde es überlaufen. Aber man muss immer damit rechnen.“ Womit man ebenfalls kalkulieren müsse seien Zuverlegungen. Das Haus sei vorbereitet.

Angermann macht einmal mehr Werbung für die Impfung. Die ist, wie sie betont, der einzige Weg, die Pandemie zu überwinden. Befragt nach einem Schreiben aus dem Gesundheitsministerium, das in dieser Woche aufgefordert hat, mehr Personal aus Krankenhäusern in den Impfzentren einzubinden und möglicherweise sogar kleine Impfzentren an den Kliniken zu öffnen, erklär Angermann: „Da musste ich einwenig schmunzeln. Wir haben vom ersten Tag der Gründung des Impfzentrums an immer Ärzte geschickt, die dort mit impfen. Das geschieht von Anfang an bei uns n einer guten Kooperation mit dem Landratsamt und dem Gesundheitsamt. Natürlich können die jederzeit, wenn Bedarf ist, auf und zukommen. Wir werden alles versuchen, das Impfzentrum auch mit Manpower zu unterstützen. Das ist der einzige Weg aus der Krise.“

Weitere Impfzentren einzurichten hält Angermann nicht für den richtigen Weg, nachdem gerade der Impfstoff von Biontech rationiert worden ist. „So wie sich die Situation momentan darstellt, liegt es ja wohl wieder mal am Impfstoff und nicht an den Kapazitäten. Alle sind bereit, Kapazitäten auszuweiten. Aber erst einmal muss das Impfstoffproblem gelöst werden. Dann kann man grundsätzlich über alles sprechen und gemeinsam mit Landrats- und Gesundheitsamt ausloten, was Sinn macht.“ vor Ort wisse man am besten, was gerade gebraucht wird.

Am Klinikum Kulmbach laufen jetzt Booster-Impfungen für die Belegschaft an, informiert die Geschäftsführerin. „Das trägt ja mit zum Gelingen der Impfkampagne bei, dass die Krankenhäuser ihre Mitarbeiter selbst impfen.“ Von Donnerstag an läuft die Aktion. Die Resonanz sei groß: „Wir haben bereits mehr als 600 Anmeldungen.“ An drei Tagen bis Mitte kommender Woche werden die rund 600 Booster-Impfungen abgewickelt. Zum Einsatz kommen dabei laut Brigitte Angermann die Vakzine von Biontech und Moderna. Am Klinikum seien bei den Erst- und Zweitimpfungen bereits diese beiden Impfstoffe verwendet worden. „Sowohl in gleicher Linie als auch in gemischter Form ist beides möglich.“

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