Klinikum Kulmbach Schwerpunktklinik für schwache Herzen

21 Betten in Ein- und Zweibettzimmern stehen den Patienten in der neuen Herzinsuffizienz-Einheit am Klinikum Kulmbach zur Verfügung. Oberarzt Dr. Ovidiu Resiga leitet diesen Bereich, in dem Patienten genauso überwacht werden können wie beispielsweise in einer Intermediate-Care-Station. Foto: /Klinikum

In Kulmbach können nun Kranke mit der Diagnose Herzinsuffizienz besser behandelt werden. Für die Patienten stehen 21 Betten zur Verfügung.

Kulmbach - Herzinsuffizienz ist in Deutschland der häufigste Grund für eine Krankenhauseinweisung. Die Patientenzahlen steigen kontinuierlich an. Zwei Millionen Menschen mussten im Jahr 2009 wegen einer Herzschwäche behandelt werden. 2017 waren es bereits rund 2,5 Millionen. Der bundesweite Trend, sagt Oberarzt Dr. Ovidiu Resiga von der Kardiologischen Klinik, bildet sich auch in Kulmbach ab. Um diese Menschen bestmöglich zu behandeln, hat sich das Klinikum von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als HFU-Schwerpunktklinik zertifizieren lassen – so das Krankenhaus in einer Pressemitteilung. „Wir wollen damit die Diagnostik und Behandlung unserer Patienten auf höchsten fachlichen und technischen Niveau sicherstellen und möglichst verhindern, dass die betroffenen Menschen immer wieder im Krankenhaus behandelt werden müssen“, so Resiga. Festgelegte Standards sollen dazu beitragen.

Die DGK hat deshalb ein Netzwerk geschaffen, in dem dieser hohe Anspruch verwirklicht werden soll, informiert der Arzt. Herzinsuffizienz-Schwerpunktpraxen sollen den Bereich bei den niedergelassenen Kardiologen abdecken. Die Herzinsuffizienz-Schwerpunkt-Kliniken schaffen eigene auf dieses Krankheitsbild ausgerichtete Einheiten. Die dritte Ebene wird von den überregionalen Herzinsuffizienz-Zentren abgedeckt. Kulmbach hat eine Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg vereinbart. Zudem besteht auch eine enge Zusammenarbeit mit der Herz- und Gefäßklinik Bad Neustadt an der Saale. Dorthin werden, wie Dr. Resiga erläutert, die Patienten überwiesen, bei denen interventionelle Klappeneingriffe oder größere Operationen am Herzen stattfinden müssen.

Somit ist die bedarfsgerechte Patientenversorgung nach aktuellem Wissensstand, welche das individuelle medizinische und soziale Umfeld der Patienten berücksichtigt, lückenlos gewährleistet.

„Die Kardiologische Klinik am Klinikum hat das gesamte Leistungsspektrum, um sich als Schwerpunktklinik zertifizieren zu lassen“, berichtet der Kardiologe. Deshalb habe man sich entschlossen, die Zertifizierung anzustreben. Schon im Jahr 2019 sei der Antrag gestellt worden. Doch Corona habe leider auch für diese Planungen einige Verzögerungen mit sich gebracht. Jetzt ist es so weit: „Wir sind für die stationäre und poststationäre Behandlung von Patienten mit Herzschwäche nach den Vorgaben der DGK zertifiziert und auch an das Netzwerk angeschlossen“, freut sich der Oberarzt, der diesen neu geschaffenen Bereich auch leitet. Im März haben zwei Professoren das Haus begutachtet. 21 Betten stehen für diese spezielle Patientengruppe zur Verfügung. Die Zimmer, ausschließlich Ein- und Zweibettzimmer, liegen im Neubau. Für alle Patienten, die dort behandelt werden, gibt es Überwachungsmöglichkeiten. Dafür wurden transportable Monitore angeschafft, die direkt vom Patientenbett permanent wichtige Daten in den Pflegestützpunkt übertragen.

Dort überwachen geschulte Fachkräfte die Werte. Um sich auf die Bedürfnisse der Patienten noch besser einstellen zu können, werden jetzt die ersten beiden Pflegefachkräfte des Kulmbacher Klinikums im Rahmen einer spezialisierten Weiterbildung zur Herzinsuffizienz-Schwester in der Würzburger Uniklinik ausgebildet. In diesem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz bilden sich die beiden Kräfte fort, um in Kulmbach ihre Patienten auf fachlich höchstem Niveau zu versorgen.

Mit Dr. Resiga als Leiter der neuen Kulmbacher Herzinsuffizienz-Einheit arbeiten noch weitere Fachärzte und Assistenzärzte in diesem speziellen Bereich. Durchschnittlich mehr als 3000 Patientinnen und Patienten pro Jahr werden im Kulmbach Klinikum wegen Herzinsuffizienz behandelt, berichtet Dr. Resiga. Er erklärt, warum die Patientenzahlen stetig steigen: Zum einen werden die Menschen immer älter. Zum anderen haben die enormen Fortschritte in der Medizin die Rettung zahlreicher Menschenleben nach einem akuten Herzproblem ermöglicht.

Zahlreiche Betroffene bleiben aber dauerhaft Patienten und leiden unter der erworbenen Herzschwäche, wie der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie sagt. Wiederholte Krankenhauseinweisungen seien die Folge. Die wolle man möglichst vermeiden, indem man die Menschen bestmöglich versorgt, damit sie dauerhaft trotz ihrer Einschränkung ein gutes Leben führen können.

Dr. Andreas Brugger, Leitender Arzt der Kardiologie und internistische Intensivmedizin, verweist darauf, wie wichtig angesichts der immer größer werdenden Patientenzahl die Schaffung von Einheiten wie dieser jetzt in Kulmbach ist. „Die ganze westliche Welt ist von diesem Problem der Herzinsuffizienz betroffen. Das Programm der DGK sichert diesen Menschen in den neuen Zentren Behandlung nach hohen Standards. Deshalb war die Einrichtung einer Herzschwäche-Einheit auch bei uns in Kulmbach so wichtig.“ red

 

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