Kochshow mit Tim Mälzer Leckerbissen mit Holz und Moos

Wiedersehen in der Genussregion: Tim Mälzer (links) trifft im Heinersreuther Hof seinen Kochkollegen Heiko Antoniewicz. Foto:  

Fernsehkoch Tim Mälzer gerät in Kulmbach an den Rand der Verzweiflung. Heiko Antoniewicz vom Heinersreuther Hof lässt ihn Zwetschenbaames zubereiten.

Kulmbach/Ködnitz - Bei seinem Kochausflug in die ländliche Idylle Oberfrankens sparte Tim Mälzer nicht mit unflätigen Bemerkungen, Kraftausdrücken, Flüchen und Beschimpfungen. Erst spät schlug der Fernsehkoch dann wieder versöhnlichere Töne an.

Gegen Ende der aktuellen Folge von „Kitchen Impossible“ beim Privatsender Vox stellte er fest: „Ich habe lange nicht mehr so gerne verloren.“ Mälzer unterlag seinem Kontrahenten Lucki Maurer mit 11,5 zu 11,9 Punkten. Eine besonders schwere Aufgabe musste Mälzer im Kulmbacher Land lösen. Die Sendung war am vergangenen Sonntag bei Vox zu sehen und wird weiterhin in der Mediathek gezeigt.

Zum Start in die sechste Staffel der Fernsehsendung verschlägt es den Norddeutschen in die Genussregion Oberfranken. „Das ist doch kein Wohnhaus oder so“, fragt sich Mälzer nach seiner Ankunft am Heinersreuther Hof bei Ködnitz. Als sein Freund, der Spitzenkoch Heiko Antoniewicz die Tür des Anwesens öffnet, wird Tim Mälzer allmählich klar, dass er in der Experimentierküche vollen Einsatz zeigen muss. „Alles Zwetschge“ heißt das Gericht.

Heiko Antoniewicz hat sich für seine extravagante Kreation von dem oberfränkischen Schinken, genannt Zwetschgenbaames, inspirieren lassen. Manch interessante Zutat findet sich auf der Liste. Neben Rinderwade, Champignons, Steinpilzen, Milch, Honig und Salz gehören auch frische, marinierte und getrocknete Zwetschgen zu den Ingredienzien. Dazu dann noch Ingwer, Anis, schwarzer Knoblauch und Algen sowie als besondere Abrundung: Holz und Blätter vom Zwetschgenbaum und zur Krönung auch noch Moos.

Tim Mälzer kennt die Liste nicht, er muss sich rein auf seine Geschmackssinne verlassen und beim Nachkochen zu den richtigen Zutaten greifen. „Das ist die pure Verzweiflung“, stellt der 50-Jährige fest.

Heiko Antoniewicz hat sich einiges einfallen lassen. Der Westfale bezeichnet den Heinersreuther Hof als ein kulinarisches Zuhause. Denn in dem umgebauten landwirtschaftlichen Anwesen, in dem die Lebensmittelbranche regelmäßig ihre Kreativität ausleben darf, gibt es viel auszuprobieren. Antoniewicz präsentiert Mälzer unzählige Boxen mit allerlei Zutaten. Sehr irritierend sei das, sagt Mälzer und schaut etwas hilflos drein. Denn mit Rinde und Mulch sind Produkte dabei, mit denen er nie und nimmer gerechnet hat.

Mälzer lobt die Brillanz der Sauce, die Antoniewicz gezaubert hat. Wie filigran und fast parfümiert sie doch daherkommt und wie wenig leimig sie ist. Doch schön beschrieben ist noch lange nicht gut nachgekocht. Für seinen Fond röstet Tim Mälzer zuerst die Fleischknochen. Schon falsch, erklärt Antoniewicz. „Röstaromen hole ich mir über Kardamom oder Kaffee“, verrät der Koch den Zuschauern. Knochen anbraten gibt es bei ihm in der Küche schon lange nicht mehr. Gefragt ist bei der Koch-Competition der präzise und sehr eindeutige Geschmack. Immerhin errät Mälzer, dass der selbst hergestellte Zwetschgen-Essig eine wichtige Zutat ist. Beim Holz und beim Moos hört die Vorstellungskraft jedoch auf. „Kann man Moos rausschmecken?“, stellt Mälzer die grundlegende Frage.

Ein schwerer Fehler ist der Zwetschgen-Schnaps, den Mälzer seinem Werk hinzufügt. „Ihr habt mich gebrochen“, lautet sein Fazit der Sendung. Progressiv und molekular zu kochen, sei bislang nicht sein Ding gewesen. Doch seit der jüngsten Show weiß Mälzer sogar, wie man Speisen in Plastiktüten zubereiten kann.

 
 

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