Kolumne „Familiensache“ Wer war an meinen Toffifee?

Ein gut gefüllter Kühlschrank hält in der Familie Schumacher nicht lange vor. Foto: dpa/Arno Burgi

Bei vier Kindern im Homeschooling ist der Kühlschrank schneller leer als unser Autor gucken kann. Für seine Versorgungssicherheit muss er sich einiges einfallen lassen.

Stuttgart - Zu den Tücken des Homeoffice im Hause Schumacher gehören nicht nur schreiende Kinder und ein bellender Hund während Videokonferenzen, ein Wlan-Netzwerk, das aufgrund ausufernder Streamingaktivitäten in mehreren Zimmern kollabiert, sowie ein völlig überfüllter Schreibtisch, auf dem sich neben ungeöffneter Post, leeren Haribo-Tüten und unlesbaren Gesprächsnotizen von Telefoninterviews auch Arbeitsblätter zur Französischen Revolution, den Mendelschen Regeln oder literarischen Stilfiguren stapeln, die regelmäßig vom Tintenstrahldrucker ausgespuckt und nur in den seltensten Fällen zeitnah abgeholt werden.

Sondern auch die ständige Frage, was man als nächstes essen könnte.

Es ist eine Frage, die in einem Sechs-Personen-Haushalt nur schwer zu beantworten ist. Denn in unserem eben noch prall gefüllten Kühlschrank steht nach kürzester Zeit nur noch die halbvolle Flasche Knoblauchsoße aus der vergangenen Grillsaison, die Mixed Pickles von Silvester sowie das Glas selbst gemachte Marmelade von der Schwiegermutter, auf dessen Deckel mit geschwungener Handschrift „Quitte 2017“ steht. Nicht auszuschließen, dass auch sie noch verzehrt wird. Schon mehrmals war ich kurz davor, nachdem ich wieder einmal voller Hoffnung die Kühlschranktüre geöffnet und ins hell erleuchtete Nichts geblickt habe. Also geschätzte zwölf bis fünfzehn Mal täglich.

Wettlauf mit der Zeit und gegen gefräßige Kinder

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, bei dem die Kinder meistens schneller sind - inzwischen aber auch ich mit allen Tricks arbeite. Die regelmäßigen Großeinkäufe habe ich auf den frühen Morgen verlegt, wenn die Kinder sich im Schlafanzug fürs Homeschooling rüsten und keine Chance haben, sich anzuschließen. Denn bei gemeinsamen Supermarktbesuchen am Wochenende staunte ich an der Kasse immer wieder über nie gesehene Artikel aus Süßwarenregal, die im randvollen Einkaufswagen gelandet sein mussten, während ich mit dem Wiegen von Äpfeln und Bananen beschäftigt war.

Rollmops und Harzer Käse mag nur ich

Jetzt entscheide alleine ich über die Lebensmittelauswahl, zu der neuerdings auch Rollmops oder Harzer Käse gehören. Nur bei solchen Produkten ist sichergestellt, dass mir niemand zuvorkommt. Bei beliebteren Waren hingegen sollte ich künftig besser darauf achten, mir die wechselnden Verstecke einzuprägen, in denen ich die Gummibärchen, Schokokekse oder Erdnussflips gebunkert habe.

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Kleinlaut musste ich neulich bei meinen Kindern Abbitte leisten, als ich ihnen den heimlichen Verzehr von Toffifee vorwarf – und von meiner Frau darauf hingewiesen wurde, dass die Packung ganz oben in meinem Kleiderschrank liegt.

Zu den Vorteilen zählt immerhin, dass derzeit keine Restaurantbesuche möglich sind. Für die Gastronomen tut mir dies zwar unendlich leid, es entlastet aber wenigstens unsere Familienkasse. Als wir das letzte Mal auswärts essen waren – es muss 2019 gewesen sein – erntete ich mitleidige Blicke unseres älteren Sohnes, als ich ihn ermunterte, das Kinderschnitzel Max und Moritz zu bestellen. Er entschied sich rotzfrech für den Zwiebelrostbraten.

Marko Schumacher (49) ist Sportredakteur und Vater von vier Kindern. Sein bislang unerfüllter Traum: ein voller Kühlschrank, zu dem nur er Zugang hat.

 

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