Die deutsche Autoindustrie schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Mit ihrer Preispolitik teilt sie das Land auf in diejenigen, die sich noch einen Neuwagen leisten können, und in jene, die angesichts immer irrer werdender Preise ihr betagtes Auto solange fahren müssen, bis es auseinanderfällt. Dass Nobelmarken wie Mercedes und BMW Höchstpreise für normal halten – geschenkt. Dass aber ein Hersteller, der sich Volkswagen nennt, den gleichen Weg einschlägt, ist völlig unglaublich. Der ADAC hat nachgerechnet: Ausgerechnet der VW Golf, den man ja bislang als Auto für den „Normalo“ und nicht für den gut verdienenden Unternehmer eingestuft hätte, ist unter 29 560 Euro Einstiegspreis nicht mehr zu haben, weil der Konzern das 90-PS-Basis-Modell für 20 700 Euro durch das 130-PS-Modell ersetzt hat. Bei Elektroautos ist die Preispolitik noch schamloser. Die deutschen Hersteller schießen sich selbst ins Knie: Eine Analyse der Beratungsgesellschaft PwC legt nahe, dass Europa schon in drei Jahren vom Auto-Exporteur zum Importeur wird. Vor allem die chinesischen Hersteller werden dabei eine Rolle spielen, denn deren Know-how in Sachen elektrischer Autos steigt und steigt und steigt. Und im Gegensatz zu den deutschen Herstellern, setzen sie auf kleine Preise.
Kommentar Mit Vollgas ins Abseits
Thomas Scharnagl 15.11.2022 - 18:02 Uhr