Dass Neuendorf die FIFA nicht mit scharfen Worten kritisiert wie beispielsweise Bayerns Sportvorstand Max Eberl ("Ich schäme mich" und "Mich ekelt das"), könnte einen Grund haben: Deutschland macht sich Hoffnungen, 2038 oder 2042 die WM ausrichten zu können. Gemessen daran war die Kritik von Neuendorf, der auch den Skandal um die zurückgenommene Sperre von US-Profi Folarin Balogun bei der WM und den Friedenspreis für US-Präsident Donald Trump rügte, schon überraschend deutlich.
Aleksander Ceferin
Der UEFA-Präsident ist inzwischen fast schon traditionell ein Gegenspieler Infantinos. Sein europäischer Dachverband verhinderte erst federführend 2018 einen Milliardendeal, bei dem die FIFA sogar mit 25 Milliarden US-Dollar warb - und 2021 die Super League, die einige europäische Topclubs planten. Ceferin wird zwar nicht wörtlich zitiert, doch die Position der UEFA darf durchaus als sein Standpunkt verstanden werden.
"Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften", hieß es von der UEFA. Für die Pläne von Infantino sind Ceferin und Fußball-Europa die größte Gefahr. Ohne die großen Nationalverbände geht im Weltfußball wenig.
Ceferin selbst hat nicht mehr viel zu verlieren. Seine Amtszeit endet im Frühjahr des nächsten Jahres, er will - anders als Infantino - nicht für eine weitere bis 2031 kandidieren.
Gianni Infantino
Infantinos Hauptanliegen könnte neben den drastisch steigenden Einnahmen sein, auch über die nächste Amtszeit als Präsident hinaus wichtig zu bleiben. Angesichts der gewaltigen Kritik äußerte sich Infantino einen Tag nach der Investorenidee in einem Video und sagte: "Dies ist eine einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen."
Denn: Zu wenig vom wachsenden kommerziellen Wert des Fußballs komme in den Teilen des Spiels an, die ihn am dringendsten benötigten. Dass durch das neue Konstrukt, über das bis zum 19. September durch einfache Mehrheit der 211 Verbände abgestimmt werden soll, die Unabhängigkeit des Weltverbandes in Gefahr sein soll, bestreitet der Verbandspräsident.