Konzert für den Frieden Dudelsack trifft auf Jazz

C. S.
„Amal wos anners“: Unter anderem Dudelsackmusik aus alten Notenhandschriften gab es von Elisabeth Thoma und Fritz Baumgärtel (linkes Bild)zu hören. Die Musiker von Fair Play mit (von links) Werner Sladek, Thomas Pitzl, Jürgen Schenkl und Rainer Kolbeck können aus einem großen Jazz-Fundus schöpfen. Foto:  

Beim Friedenskonzert in Röthenbach können sich die zahlreichen Gäste an einem bunten Mix verschiedener Musikstile erfreuen. Der Runde Tisch für Demokratie und Toleranz steuert gutes Essen und Trinken bei.

Einen bunten Stilmix haben am Samstagabend drei musikalische Formationen bei einem Friedenskonzert im Schloss Röthenbach serviert: die Fair Play Combo mit Jürgen Schenkl, Thomas Pitzl, Rainer Kolbeck, Werner Sladek sowie Muck Schemm als Sängerin, das Dudelsack-Duo Fichtelgebirge mit Elisabeth Thoma und Fritz Baumgärtel sowie das Duo Gitarre Pur mit Felix Wolf und Thomas Pitzl. Ursprünglich war das Konzert im Rahmen eines Gartenfestes im Schlosshof konzipiert, doch anhaltender Regen machte diesen Plan des Runden Tisches für Demokratie und Toleranz aus Arzberg zunichte. Also traten die Musiker im Gewölbe des Schlosses auf, das die Familie von Waldenfels immer wieder für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung stellt.

Ernster Hintergrund

Die Mischung aus Schloss-Atmosphäre, kulinarischem Angebot und Musik passte perfekt, was die zahlreichen Besucherinnen und Besucher mit viel Applaus honorierten. So viele waren gekommen, dass vor Beginn des Konzerts sogar noch weitere Bänke und Tische aufgestellt werden mussten. Das Gewölbe war herbstlich dekoriert, und die Mitglieder des Runden Tisches für Demokratie und Toleranz versorgten die Gäste mit leckeren Snacks und Getränken. Runder-Tisch-Sprecher Ulrich Frey begrüßte die Gäste und erläuterte die Idee, die hinter der Veranstaltung stand: nämlich daran zu erinnern, dass es vielen Menschen auf der Welt durch Krieg und Vertreibung sehr schlecht geht, aber andererseits die Situation in den westlichen Industrienationen trotz Corona-Pandemie, Energiekrise und Inflation immer noch vergleichsweise ganz gut ist. Deswegen wolle man an diesem Konzertabend zwar nachdenklich sein, gleichzeitig aber auch die Musik genießen.

Den musikalischen Auftakt übernahmen Felix Wolf und der Arzberger Musikschulleiter Thomas Pitzl, die als Duo Gitarre Pur feinste Gitarrenmusik interpretierten. So führten sie unter anderem mit Kompositionen Pitzls in sehr anspruchsvollen Arrangements und rhythmischen Finten lautmalerisch vor Augen und Ohren, wie Hunde tanzen oder was Katzen in der Küche so alles treiben.

Schatz aus dem Krautfass

Auf völlig andere, für manche vielleicht ungewohnte Töne, mussten die Gäste ihre Ohren umschalten, als Elisabeth Thoma und Fritz Baumgärtel als Dudelsackduo Fichtelgebirge zu ihren Instrumenten griffen und deren eindringlichen Sound in das Gewölbe schickten. Zum Beispiel mit Stücken aus der Notenhandschrift des Heinrich Nicol Philipp aus Seibis aus dem Jahr 1784, aus Noten der Arzberger Türmer-Familie Thomae aus dem 18. Jahrhundert oder aus den „Krautfassl-Noten“, ebenfalls alten Handschriften, die vor mehr als 50 Jahren in einer Scheune im nahe gelegenen Hohenberg an der Eger entdeckt worden sind. Diese alte regionale Musik wie Schleifer oder Schottisch kombinieren Elisabeth Thoma und Fritz Baumgärtel aber auch mit modernen Stücken, zum Beispiel aus Frankreich. Auf Klänge aus Schottland, die ja zwangsläufig mit Dudelsack-Musik in Verbindung gebracht werden, warteten Zuhörerinnen und Zuhörer bei diesem Duo allerdings vergeblich. Doch ist diese vom Dauerton des Borduns geprägte Musik, wie Thoma und Baumgärtel sie bevorzugen, auf jeden Fall „amal wos anners“, wie der Dudelsackspieler schmunzelnd in den Raum stellte.

Zwischen Goodman und Beatles

Einen Kontrapunkt dazu setzte die Fair Play Combo mit astreinem Jazz. Die beiden Gitarristen Thomas Pitzl und Jürgen Schenkl, Bassist Rainer Kolbeck und Perkussionist Werner Sladek ließen unter anderem alte Standards wie „Jersey Bounce“, das Benny Goodman einst berühmt gemacht hat, und Beatles-Klänge wieder aufleben. Die alten Hasen der Jazz-Szene im Landkreis Wunsiedel spielen seit Jahrzehnten in verschiedenen Besetzungen zusammen und schöpfen so aus einem umfangreichen Fundus an Melodien aller möglicher Jazz-Genres, profitieren vom kongenialen Zusammenspiel und individuellem Können an den Instrumenten. Auch die Arzberger Sängerin Muck Schemm war nach einigen Jahren Pause wieder einmal dabei.

In einer Jam-Session, wie es sie vermutlich noch nie gegeben hat, fanden sich alle Musikerinnen und Musiker am Ende zu zwei flotten „Rausschmeißern“ zusammen: Dudelsack neben E-Gitarre- und Bass, Querflöte neben Conga – ein ebenso interessanter wie amüsanter Sound zum Abschluss eines besonderen Abends.

 

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