Krimmel in der Freiheitshalle Mittellage mit Tiefgang

Der Bariton Konstantin Krimmel singt am Freitag mit den Hofer Symphoniker Brahms-Lieder. Ist er dafür nicht etwas zu jung? Der Musiker ist sich nicht sicher.

„Lebenserfahrung einfließen lassen“: Konstantin Krimmel Foto: Guido Werner

Konstantin Krimmel grübelt. „Wie ist das vierte Stück zu verstehen?“, fragt er sich. Am Freitag nämlich singt der Bariton bei den Hofer Symphonikern als Solist die „Vier ernsten Gesänge“ von Johannes Brahms. Dort, so legt es sich der Sänger zurecht, wird die Bibel hergenommen, um die Finsternis und den Trost des Todes zu betrachten. Und im vierten Teil wird es jedoch leicht schwungvoller, wenn es um die Kraft und Macht der Liebe geht. Ein vermeintlicher Bruch, dem Krimmel auf der Spur ist. „Es wird sicher noch einige Konzerte brauchen, dann kann ich es erschließen.“

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Zu jung, zu alt

Nun könnte man etwas böse sein und ihm Jungspundsein unterstellen, das eben noch Lebenserfahrung braucht für die Hohe Weihe, die Kunst ausgelotet zu haben. Und tatsächlich greifen Rezensenten, die seine Konzerte und Liederabende besuchen, gerne sein Alter auf – zu seinen Gunsten aber. Er ist 30. Da wird gerne das „Obwohl“ genommen, wenn er interpretiert wie ein Alter – wo er doch erst der Jugend entwachsen ist. Krimmel nimmt es gelassen. „Ich verbinde damit nichts Negatives“, sagt er über die Alterszuordnung. Aber ja – „Das ist ja das Schöne an der Kunst, dass man seine Lebenserfahrung einfließen lassen kann.“ Dann schweigt er kurz, um anzuhängen: „Vielleicht singt aber ein 20-Jähriger bei Schuberts ,Müllerin’ besser den jungen Müller als ein 60-Jähriger.“ Also legt er sich jetzt den Brahms auch wieder zurecht und wartet auf Lebenserfahrung.

Herausforderung

Lieder sind aber auch schwierig. „Nicht jedermanns Sache“, sagt der Sänger dazu und meint die Zuhörerin und den Zuhörer im Saal. „Sie erfordern oft viel Auseinandersetzung“ – vor allem bei moderner Literatur für das Kunstlied. Wenn sich ein Zeitgenosse wie Wolfgang Rihm Hölderlin vornimmt – „dann ist das auch für einen Muttersprachler eine Herausforderung“. Man müsse sich Zeit nehmen, um seinen eigenen Weg zu Liedern zu finden. Er meint nicht nur den Sänger.

Lied und Oper

Der gebürtige Ulmer hat seinen Weg gefunden, und der zweigt gerne mal ab. Er singt bei Konzerten wie am Freitag in Hof und er gibt Liederabende. Oder er betritt die Opernbühne, und nicht nur irgendeine. Die Bayerische Staatsoper in München hat sich den Sänger gefischt, der sonst auch gern in London, Amsterdam oder Paris unterwegs ist. Krimmel weiß um sein Glück: „Für jemanden, der sich auf Opern spezialisiert, wäre das der Sechser im Lotto.“ Auch für ihn ist das feste Engagement alles andere als ein Unglück. Als er den Vertrag zu Beginn der Corona-Pandemie unterschreiben konnte, sei er „sehr happy“ gewesen. Jetzt geht es dort nicht um Schubert oder Brahms, sondern erst mal um Mozart. Und um eine neue Herausforderung auf einer der „besten deutschen Bühnen“, was er aber auch als „ganz großen Luxus“ betrachtet. Er sei dem Haus aber auch sehr dankbar, weil es ihm weiterhin die Freiheit lasse, mit Liedern und Konzerten international präsent zu sein.

Junges Publikum

Präsenz zeigt er am Freitag auch nach dem Konzert. Dort wird und will er sich mit den Gästen des Abends unterhalten. Diesen Kontakt hält er für sehr wichtig. Er sei ein Sänger, der auch sehr gern moderiere und erkläre. „Wir müssen auch junges Publikum gewinnen. Und das Gespräch kann da nur positiv sein.“

Termin

Konzert
Das sechste Konzert der Spielzeit der Hofer Symphoniker „Glaube, Hoffnung, Liebe“ beginnt am Freitag, 3. März, um 19.30 Uhr im Festsaal der Freiheitshalle. Zu hören sind Bruckners Ouvertüre in g-Moll, die „Vier ernsten Gesänge“ von Brahms und die erste Symphonie von Hans Rott. Solist ist der Bariton Konstantin Krimmel, es dirigiert Hermann Bäumer. Es gibt für das Konzert noch Karten.

Im Gespräch
Im Anschluss heißt es „Nachgefragt“. Im oberen Festsaalfoyer stellen sich Krimmel und Bäumer den Fragen der Besucher. Der Eintritt hierzu ist frei.