Konzert in der Stadtkirche Wunsiedel musiziert für die Ukraine

Johanne Arzberger

Rund 300 Besucher waren zum „Ukraine-Konzert“ in die Stadtkirche gekommen. Sie erlebten zahlreiche Laien und Profis, die ihr Mitgefühl musikalisch zum Ausdruck brachten.

Der Jugendchor der Kantorei St. Veit machte den Anfang beim Ukraine-Konzert. Foto: /Johanne Arzberger

An die 300 Personen waren gekommen zum „Ukraine-Konzert“ in der evangelischen Stadtkirche St. Veit in Wunsiedel. Mehr ging nicht angesichts der coronabedingten Abstandsregelungen. Ansonsten hätte man von einem „vollen Gotteshaus“ sprechen können. Angeregt zu dem Benefizkonzert hatten Ulrike Schelter-Baudach und Kirchenmusikdirektor Reinhold Schelter. Sie hatten für ihr Vorhaben aktive Musiker, Laien und Profis, aus Wunsiedel und Umgebung gewonnen, die allesamt mit Herzblut zum Gelingen eines in sich stimmigen und abwechslungsreichen Konzertes beitrugen.

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Den Anfang machte der Jugendchor der Kantorei St. Veit. Mit gelben und blauen Tüchern – in den Landesfarben der Ukraine – geschmückt, sangen sie unter der Leitung von Ulrike Schelter-Baudach „Schtschedrik“, ein Frühlingslied aus der Ukraine, dessen Text die jungen Sängerinnen und Sänger extra einstudiert hatten. Die schönen, klaren Stimmen erfreuten auch später im Programm mit „Dona nobis pacem“ von Mary Linn Lightfoot.

Die ukrainische Familie Kokidko lebt schon seit fast 10 Jahren in der Region. Ein Teil der Familie stellte mit Gesang, Klavier und Violoncello ein Ukrainisches Volkslied vor.

Die Kokidkos sind eine Musiker-Familie, deren Mitglieder schon seit Jahren das musikalische Leben hierzulande mitgestalten. Zusammen mit dem Cellisten Markus Jung von den Hofer Symphonikern präsentierte Olena Kokidko das Arioso von Bach und das „Chanson Triste“ von Tschaikowsky.

Nicht gegen das russische Volk, sondern für alle

Wie Markus Jung dabei betonte, sei es den Musikern wichtig, auch einen russischen Komponisten zu spielen, denn „wir spielen nicht gegen das russische Volk, sondern für alle Menschen auf der Erde, die Unterstützung brauchen.“ Das unterstrich auch Ulrike Schelter-Baudach und stellte ihren internationalen kleinen Kinderchor vor, der eine „kleine weiße Friedenstaube“ besang und diese leibhaftig bei sich hatte. Die Kinder, so die Chorleiterin, würden aus Syrien, dem Iran, Kasachstan und Armenien stammen. Sie begeisterten auch mit ihren strahlenden Mienen, mit denen sie sich für den kräftigen Applaus bedankten.

Die Musikschule Wunsiedel war durch ihren Leiter Georg Obermaier vertreten. Der spielte auf seinem Saxofon zusammen mit Reinhold Schelter an der Orgel den Satz 2 „Puer Natur est“ aus Trois Melodies Grégoriennes von Guy de Lioncourt und auf der Klarinette „My Yiddishe Mamme/Donna Donna“ von Giora Feidmann.

Auch der Bürgermeister spielte ein Stück

Aufhorchen ließ auch Wunsiedels Bürgermeister Nicolas Lahovnik mit seinem Saxofon. Am Klavier begleitet von Reinhold Schelter spielte er den berühmten zweiten Satz aus Mozarts Klarinettenkonzert.

Adina Schöffel, „LuGy“-Absolventin des Jahrgangs 2020 und über die Grenzen Wunsiedels hinaus bekannt als musikalisches Nachwuchstalent, griff in die Saiten ihrer Gitarre und sang dazu ausdrucksstark „Blowin’ in the Wind“ von Bob Dylan und „Imagine“ von John Lennon.

Eine Arie von John Rutter bot Kathrin Hiekel auf ihrer Querflöte dar, begleitet am Klavier von Reinhold Schelter. Der Wunsiedler Liedermacher Philipp Riedel spielte und sang das Erich-Kästner-Lied „Eine alte Frau am Briefkasten“ und der singende Stadtkirchner Andreas Fadel intonierte „Amazing Grace“ von John Newton und „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ von Bonhoeffer .

Abgerundet wurden die musikalischen Beiträge durch poetische Lesungen von Charis Haska, der Pfarrersfrau aus Marktleuthen. Sie hatte neu entstandene Gedichte von ukrainischen Freunden ins Deutsche übersetzt und trug sie ungereimt, aber eindrucksvoll vor und ließ auf diese Weise die aktuelle Stimmung in ihrer Heimat Ukraine erahnen.

Mit einem gesungenen Gebet von Familie Kokidko sowie Gebet und Segen durch Dekan Bauer fand das Benefizkonzert, das viel Beifall verdiente und erhielt, sein Ende. Den endgültigen Schlusspunkt setzte Reinhold Schelter an der Orgel mit der Toccata aus der „Suite Gotique“.