Am Samstagabend wurde es im dicht besetzten Konzertsaal des Schlosses in Sophienreuth blendend hell. Das vielgerühmte, mit Preisen versehene Javus-Quartett eröffnete sein Konzert mit dem Haydn Quartett op.76/4, das den Beinamen „Sonnenaufgang“ trägt, mit luzidem Klang im perfekten Zusammenspiel. Bei ihrer Fahrt vom Schleswig-Holstein-Festival nach Wien machte das Javus-Quartett (Marie-Therese Schwöllinger und Alexandra Moser, Violinen, Marvin Stark, Viola, und Oscar Hagen, Cello) Station in Sophienreuth und bannte das zahlreiche Publikum mit der Intensität und Perfektion ihrer musikalischen Meisterschaft. Nach dem klangreichen und witzigen Haydn, spielten die vier Musiker das Streichquartett von Ulvi Cemal Erkin (1906-1972), der die Musik der französischen Moderne mit türkischer Folklore verband: starke Rhythmen, kraftvolle Kontraste, mit großer Spielfreude vorgetragen. Nach der Pause dann der Höhepunkt des Konzertes: Beethovens spätes Streichquartett op.132 a-moll. Hier kam Kammermusik zu ihrer Bestimmung: im kleinen Saal verbanden sich die atemlose Konzentration und hohe Bereitschaft des Publikums mit der Ausdruckskraft der vier Musiker zu einem Erlebnis der besonderen Art. Beethovens erregter Kampf, der verzweifelte und innige Versuch, die Gottheit mit seiner Musik zu erreichen, die Abgründigkeit seiner Emotionen wurden vom Javus-Quartett spieltechnisch, im Ausdruck, in der Hingabe an die Musik so dargeboten, dass kein Zuhörer sich dem Gemeinschaftserlebnis entziehen konnte. Die Zugabe, Bachs Choral „Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ“, von Marvin Stark für das Quartett gesetzt, schenkte nach dem vorhergehenden Sturm einen Moment der Ruhe. Großer, endloser Beifall und bewegte Kommentare. Eine Sternstunde der „Sophienreuther Konzerte“.