Kostet nix – oder fast nix Eine Stadt schließt ihre Tore

Manfred Köhler
Seßlach hat sich viel seines alten Charmes bewahrt. Damit ist es ein Besuchermagnet im Coburger Land. Foto: /h

Bei unseren Ausflugstipps für den schmalen Geldbeutel geht es heute nach Seßlach im Coburger Land. Hier wird der Durchgangsverkehr sonntags und feiertags ausgesperrt, damit Besucher die Atmosphäre genießen können. Auf dem Weg gibt es noch zwei andere Highlights.

Wem Rothenburg ob der Tauber zu weit weg und vielleicht auch zu teuer ist, der findet von Hof aus schon zwei Landkreise weiter eine Miniaturausgabe davon: Das Städtchen Seßlach im Coburger Land hat es geschafft, seine Stadtmauer, Teile der Gräben und seine drei Tortürme komplett zu erhalten. Egal, von welcher Seite man sich der Stadt nähert, man steht wie vor einer ummauerten Burg. Und auch im Innern findet man alles, was den Zauber von Rothenburg ausmacht: liebevoll renovierte Fachwerkhäuser, Pflastersteine statt Teer, viel Altes und einen sehr zurückhaltenden Umgang mit Gegenwärtigem.

Anders ausgedrückt, man kann in Seßlach in eine andere Zeit, sogar eine andere Welt eintauchen – und das auch noch ohne wahnsinnige Besuchermassen und Touri-Schnickschnack. Um Besuchern ein beschauliches Ambiente bieten zu können, geht Seßlach sogar so weit, sonntags und feiertags die beiden Tore der Durchgangsstraße für Autos verschlossen zu halten. So ist die Stadt weitgehend autofrei, und man kann entspannt flanieren.

Geld ausgeben muss man hier nicht, außer man will es. Urige fränkische Gasthöfe laden dazu ein. Und für ein paar Euro kann man auch eine der Kostümführungen mitmachen, die Wissenswertes aus der Geschichte der Stadt auf unterhaltsame Art vermitteln. So erfährt man zum Beispiel, was es mit den Roll- oder Wurfsteinen auf einzelnen Abschnitten der Stadtmauer auf sich hatte: Indem die Bürger lose Steine auf die Mauer schichteten, konnten sie sich einen Wehrgang an dieser Stelle sparen. Eindringlinge konnten die Mauer hier nicht überwinden, ohne dass sie die lockeren Steine zu Fall brachten und einen Heidenlärm verursachten. Umgekehrt konnten die Einwohner die Steine zur Verteidigung auf heranrückende Feinde werfen. Ganze Bereiche der aufgeschichteten Steinhaufen sind bis heute auf der Mauer erhalten.

Weil Seßlach so aus der Zeit gefallen wirkt, wurde es immer wieder auch gerne als Kulisse für historische Filme genutzt. Dreharbeiten über die Hexenverfolgung in Bamberg fanden nicht etwa nur in der Domstadt, sondern zum Teil auch in Seßlach statt. Besonderheiten dieser Art erfährt man bei den Führungen, aber auch auf einer Vielzahl von Infotafeln, auf die man beim Durchstreifen der Stadt immer wieder stößt. In und um Seßlach kann man leicht einen Tag verbringen. Für zusätzliche Abwechslung sorgen Besichtigungsziele unterwegs. So sollte man bei der Hinfahrt Schloss Tambach für einen Stopp nutzen. Der bekannte Wildpark kostet zwar Eintritt, aber den Innenhof des Schlosses und kleine Teile des Parks kann man kostenlos besichtigen. Und dabei bekommt man sogar auch ein paar Tiere zu sehen.

Auf der Heimfahrt empfiehlt es sich dann unbedingt noch, eine Stunde für Schloss Hohenstein einzuplanen. Das malerische Bauwerk mit Türmchen und Erkern kann man sich von außen anschauen, und auch der Park ist frei zugänglich. Hier findet man nicht nur romantische Laubengänge, Grotten und Säulenbauwerke, sondern auch – ganz versteckt und eingewachsen – den Stumpf des Bergfriedes der alten Burg, die nach ihrer Zerstörung durch das Schloss ersetzt, aber zum Glück nicht ganz abgetragen wurde.

 

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