Viele Betroffene seien in einer emotionalen Ausnahmesituation, weil Täter oder Täterinnen mitunter gezielt über die emotionale Ebene versuchten, ihr Ziel zu erreichen. "Zurück bleiben emotional verwirrte Betroffene - das kann massiv überfordern", sagt Wedell.
Das BKA geht für Deutschland aufgrund der Opferbefragung "Sicherheit und Kriminalität in Deutschland" beim Phänomen "Betrug durch falsche Identität" - also beispielsweise als Familienmitglied oder falscher Behördenmitarbeiter - von einem Dunkelfeld von mehr als 50 Prozent aus.
Echt klingende Stimmen mit KI
Für eine neue Dimension könnte der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) sorgen, die den Betrug personalisierter und überzeugender machen könne, etwa indem bei Schockanrufen die echt klingende Stimme des Enkels simuliert werde, der dringend Geld brauche, heißt es in einem weiteren Artikel in derselben Zeitschrift.
Das BKA warnt, dies sei auch ohne tiefe technische Kenntnisse mit Hilfe allgemein zugänglicher KI-Systeme möglich.
Aufklärung ist laut den Forschern wichtig, reicht aber nicht aus. Die Wissenschaftler plädieren dafür, Betrug nicht allein als Problem individueller Vorsicht zu behandeln. Nötig sei ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz.
Banken, Zahlungsdienstleister, Telekommunikationsunternehmen, Plattformen, Behörden und Strafverfolger müssten zusammenarbeiten, um die Bedingungen zu erschweren, unter denen der Betrug funktioniert. Die Autoren plädieren etwa dafür, technische und institutionelle Mechanismen zu schaffen, die verdächtige Geldtransaktionen früh prüfen und gegebenenfalls stoppen oder verzögern können.
Auch der Weiße Ring plädiert für einen mehrschichtigen Präventionsansatz, der neben Aufklärung technologische Schutzmechanismen vorsieht.