CSU-König kritisiert Kultusminister „Alle Jahre wieder sind Junglehrer verzweifelt“

Viele junge Lehrer aus Oberfranken treten erst mal eine Stelle im Süden des Freistaats an. Bislang war es zumindest verheirateten Lehrern, die Kinder haben, aber möglich, sich in die Heimat versetzen zu lassen. Das ist laut Alexander König nun wohl nicht mehr so einfach. Foto: dpa/Sina Schuldt

Der CSU-Landtagsabgeordnete Alexander König kritisiert die Lehrerstellen-Besetzung des Kultusministeriums. Sogar Lehrer, die in Oberfranken verwurzelt sind, bekämen nun Stellen in Oberbayern angeboten.

Hof - Mit einem Brandbrief hat sich der Hofer Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionschef der CSU im Landtag, Alexander König, an Kultusminister Michael Piazolo gewandt. Er sei aktuell von mehreren Lehrer aus Oberfranken um Unterstützung gebeten worden, wie er mitteilt. „Alle Jahre wieder sind Junglehrer verzweifelt, weil sie nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung nicht in ihrer Heimat Oberfranken, sondern in Oberbayern verbeamtet werden“, teilt König mit. Neu sei nun aber, dass sogar Lehrer, die verheiratet sind und Kinder haben, weite Fahrstrecken auf sich nehmen müssten. „Allein mir sind drei verheiratete Fachlehrer mit Kind bekannt, welchen Stellen in Mittelfranken angeboten wurden.“ Manche müssten ein bis zwei Stunden pendeln – auf einfacher Strecke.

König bezweifelt, dass der Lehrerbedarf in den Regierungsbezirken und Schulämtern fair berechnet wird. „Es mag sein, dass der errechnete Bedarf nach Lehrerstunden den vorhandenen Schülerzahlen entspricht. Nicht adäquat berücksichtigt wird in diesem Berechnungsmodell die völlig unterschiedliche Schulstruktur, wobei Regionen mit geringeren Schülerzahlen aber vielen kleinen Schulen mit kleinen Klassen gegenüber Regionen mit vielen Schülern, entsprechend großen Schulen und damit auch größeren Regelklassen benachteiligt werden.“ König fordert den Staatsminister auf, das Berechnungsmodell an die tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. „Der Mindestbedarf muss sich an der Anzahl der tatsächlich vorhandenen Klassen orientieren. Es reicht nicht aus, den Bestand der Grundschulen zu garantieren, sondern es muss auch die entsprechende Zahl von Lehrern bereitgestellt werden.“

König belegt das angewandte Versetzungsverfahren mit Zahlen aus dem Kultusministerium. Demnach können aus Oberfranken zum nächsten Schuljahr insgesamt 181 Lehrer für die Grund- und Mittelschulen und 22 Fachlehrer eingestellt werden. Von diesen 181 Lehrern werden den fünf Notenbesten und 37 weiteren verheirateten Lehrern mit Kindern Stellen in Oberfranken angeboten. Den anderen 139 Lehrkräften werden Stellen in Oberbayern und in einem Fall eine Stelle in Unterfranken angeboten. Von den 22 Fachlehrern aus Oberfranken können zwei in Oberfranken bleiben, elf erhalten demnach Stellenangebote in Oberbayern und neun in Mittelfranken.

König räumt ein, dass der Bedarf an Grundschul-, Mittelschul- und Fachlehrern in Oberfranken seit vielen Jahren geringer ist als die tatsächliche Zahl der oberfränkischen Lehrkräfte. „Schon zu Beginn des Studiums ist klar, dass die meisten Lehrer nach ihrer Ausbildung erst einmal in anderen Regierungsbezirken zum Einsatz kommen.“ Diese Vorgehensweise sei zunächst nachvollziehbar. Und so ziehen laut König die meisten ohne großes Murren erst einmal nach Oberbayern. Doch stellen sie eben – eher früher als später – Versetzungsanträge. Ein langwieriges Unterfangen für Ledige – doch zumindest wer Familie hat konnte bislang davon ausgehen, eine Stelle in der Heimat bekommen.

Darüber hinaus, so kritisiert König, würden vielen Lehrern, die nicht in Südbayern arbeiten wollen, seit Jahren „nach dem Windhund-Prinzip“ Angestellten-Stellen mit unterschiedlichen Stundenkontingenten angeboten. Das Kultusministerium verschärfe mit dieser Praxis die ohnehin schwierige personelle Situation an den Schulen. König befürchtet, dass junge Lehrer deshalb nach Sachsen und Thüringen abwandern: „Hier werden unsere Lehrer aktiv umworben.“ Er fordert deshalb, „alles daran zu setzen, dass zumindest die aus Oberfranken stammenden verheirateten Lehrer mit Kindern wie bisher auch in Oberfranken verbeamtet werden.“ Diesen sozial besonders betroffenen Lehrern solle sofort einen Angestelltenvertrag angeboten werden, damit sie für sich und ihre Familien sicher planen können und sich nicht gezwungen sehen abzuwandern. red

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