Kritische Lage auf den Intensivstationen Patientenaustausch in Oberfranken klappt noch

Die Intensivstationen vieler Kliniken in Bayern sind mittlerweile völlig überlastet. Foto: dpa/Matthias Balk

In der Region läuft die Lenkung des Patientenstroms auf Hochtouren. Das Klinikum Bayreuth will für Corona-Kranke seine Kapazitäten erhöhen.

Bayreuth/Hof/Coburg - Die Lage in den Krankenhäusern ist dramatisch – doch noch funktioniert die Verteilung von Covid-Patienten innerhalb Oberfrankens. „Die Kooperation zwischen den Kliniken läuft gut“, sagte am Mittwoch Dr. Stefan Eigl, ärztlicher Leiter der Krankenhauskoordinierung in Oberfranken, auf Nachfrage unserer Zeitung. Schon während der vergangenen Corona-Wellen habe man sich, orientiert an den tagesaktuellen Intensivbettenbelegungen, gegenseitig ausgeholfen. „Auch jetzt ist es immer noch möglich, Covid-Patienten von einer Klinik in eine andere zu verlegen“, meinte Eigl. Und noch sei es machbar, die Patientenströme zu lenken – auch wenn die Situation in den einzelnen Häusern immer angespannter werde.

Eigl appellierte gegenüber unserer Zeitung daher an die oberfränkischen Kliniken, entsprechend der letzten Allgemeinverfügung der Staatsregierung das Elektivprogramm (planbare Intensivleistungen) weiter herunterzufahren und so zusätzliche Kapazitäten auf den Intensivstationen zu schaffen. „Auch bei uns werden die Intensivbetten knapp und die Prognosen sind düster. Trotzdem müssen wir sicherstellen, dass neben der Behandlung von Covid-Patienten vor allem auch die Notfallversorgung aufrechterhalten werden kann.“

Unterdessen hat das Klinikum Bayreuth erneut angekündigt, die Kapazitäten auf der Intensivstation zur Versorgung von Covid-Patienten zu erhöhen. Dies hatte das Krankenhaus bereits in der vergangenen Woche gegenüber unserer Zeitung getan – seitdem ist allerdings laut dem Divi-Intensivregister, das tagesaktuell und deutschlandweit die wichtigsten Daten der Intensivversorgung in Städten und Landkreisen erfasst und veröffentlicht, in Bayreuth der Stand der Intensivbetten mit 52 unverändert geblieben (Stand Mittwoch). Zehn davon sind mit Covid-19-Fällen belegt, zwei Betten sind noch frei. „Wir sind dabei, der Ankündigung nun Taten folgen zu lassen“, sagte am Mittwoch der Kommunikationsleiter des Klinikums Bayreuth, Frank Schmälzle, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Eine interne Taskforce kümmere sich um die Umsetzung – insbesondere um das Herunterfahren der planbaren Intensiv-Leistungen, was allerdings noch zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen werde. „Wir arbeiten gerade daran, das durch Umschichtungen unseres Personals hinzukriegen.“ Auch wenn die Intensiv-Kapazitäten noch nicht erhöht worden seien, habe man bereits zwei Patienten aus anderen Krankenhäusern aufnehmen können. Diese stammten nicht aus Oberfranken, wie Schmälzle auf Nachfrage einräumte, sondern aus anderen bayerischen Regionen. Allerdings geht der Kliniksprecher davon aus, dass sich auch im unmittelbaren Einzugsbereich eine Entwicklung ergibt, „die uns sehr stark beschäftigen wird“. „Oberfränkische Solidarität werden wir sicherlich üben, wenn es notwendig ist. Es geht uns aber auch um die zu erwartende und sich abzeichnende Entwicklung direkt vor unserer Haustür.“

Bayern verlegt 50 Corona-Intensivpatienten

Wegen Überlastung der bayerischen Krankenhäuser werden in den kommenden Tagen voraussichtlich 50 Corona-Intensivpatienten aus Bayern in andere Bundesländer verlegt. Das sagte am Mittwoch der Nürnberger Branddirektor Marc Gistrichovsky, der die landesweiten Planungen im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Mechanismus koordiniert. Wann und wohin, ist noch unklar. „Die Planungen laufen“, sagte Gistrichovsky – die „Zielgebiete“ würden nach der Erfassung der geeigneten Patientinnen und Patienten ermittelt. Das bundesweite Intensivregister meldete erstmals mehr als 1000 Covid-Intensivpatienten in Bayerns Krankenhäusern, der höchste Stand seit Beginn der Pandemie. Am Mittwoch waren in exakt der Hälfte der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei, in zwanzig Kommunen gab es kein einziges freies Intensivbett. Den Großteil der Patienten stellen die Ungeimpften.

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