Künstler Bernd Rössler Was will er uns da zeigen?

„Und wenn einer Kartoffelbrei draufschmeißt, dann spülen wir ihn eben wieder ab“: Bernd Rössler mit „Roten Linien“– über Aktivisten oder Terroristen. Foto: /cp

„Rote Linien“ heißt die Ausstellung, die Industriedesigner Bernd Rössler von Donnerstag an im Reinhart-Cabinett zeigt. Kleinster gemeinsamer Nenner seiner Bilder: Man weiß nie so ganz genau, was man da gerade sieht.

 
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Sind das Aktivisten? Terroristen? Antifaschisten oder irgendwelche anderen Isten? Schwer zu sagen: Alle tragen Masken (Corona?), alle sind in Bewegung, alle haben die rote Linie überschritten – und hält der eine nicht sogar eine Granate in der Hand, gleich neben dem Schwarzenbacher Kirchturm im Hintergrund? „Ich finde es langweilig, wenn ein Bild fertig ist und nur abbildet. Lieber ist es mir, wenn der Betrachter entscheiden muss, was da passiert“, sagt Bernd Rössler. Er stellt von dieser Woche an in Hof aus: Von Donnerstag an ist viel Entscheidungsschweres zu sehen im Reinhart-Cabinett.

Die Touristin hat er Daisy getauft. Mit Anglerhut und Handtasche, die neben der Wohlstandswampe baumelt, steht sie da und guckt ins Handy. Und wieder weiß man nicht, was sie tut: den Taubenschwarm fotografieren, alte Bilder im Smartphone angucken oder sich gerade an einen anderen Ort der Welt surfen? Instagramable ist anders, dafür hängen Socken und Schultern der Dame zu schief. Daher hatte Bernd Rössler sie auch fotografiert, irgendwann mal, um dereinst künstlerisch auf sie zurückzukommen. „Die Ideen für meine Bilder sind meist sehr real, sie begegnen mir zum Beispiel auch beim Zeitungslesen.“ Und ja: Freilich formt und verfremdet er sie, wie er mag. Wichtig dabei: „Ich habe eine Urangst, ein Bild ‚drüber’ zu malen, also zu weit zu malen – deshalb sind die meisten meiner Bilder absichtlich unfertig.“ Weil das für ihn gleichermaßen Signatur und Beitrag ist.

Bernd Rössler aus Schwarzenbach ist gelernter Porzellanmaler und studierter Industriedesigner. Umso mehr möge er es, jenseits des Berufs in halbgroßen Formaten Unvollkommenheiten ausführen zu können. „Ein Hobby ist das nicht, dafür ist zu wenig Spaß dabei. Und dafür ist auch die Gefahr des Scheiterns zu groß – es kann passieren, dass ich tagelang an einem Bild male, und dann merke ich, dass es nie etwas wird.“ Seine Bilder sehe er eher als Beitrag: für Ausstellungen wie regelmäßig bei den Schwarzenbacher Malern oder jetzt im Kulturkreis; für Freunde und Bekannte, die sich ans aktive Ansehen machen wollen; für alle, die Vergnügen an der Uneindeutigkeit haben.

Im Reinhart-Cabinett hängt das Bild eines Fallenden: „Das Fallen an sich kann sehr ästhetisch sein – man darf halt nur keine Sekunde weiter denken“, sagt Rössler. So ähnlich sieht die Sache mit den Mädchen aus: Lebt der süße Hase unterm Arm eigentlich noch? Ist das Rehkitz über der Schulter selbst erlegt? Und könnte der Mann, der vor dem Feuer flieht, nicht auch der Brandstifter sein? Rössler erzählt mit dem Pinsel, und noch lieber hört er sich an, was Betrachter seiner Bilder sehen. „Lob eher nicht, das bringt einen nicht weiter. Spannender finde ich Dinge, die ich noch nicht gesehen habe in meinen Bildern.“ Zum Beispiel bei den „Roten Linien“, dem namensgebenden Bild der Ausstellung: Da ist doch rechts noch der Schatten einer weiteren Person, oder?

Am Donnerstag um 19.30 Uhr lädt der Kulturkreis zur Vernissage ins Reinhart-Cabinett, Unteres Tor 7. Die Begrüßung übernehmen Vorsitzender Stefan Pohl und Bürgermeisterin Angela Bier, die Laudatio hält Doris Grimm. Die Ausstellung „Rote Linien“ von Bernd Rössler ist danach bis zum 2. Juli zu sehen.

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