Kulmbach Bürger setzen ein Zeichen der Solidarität

Erstmals hatten Vertreter der Mehrheit zur Demo auf den Marktplatz eingeladen. Die Teilnehmerzahl war überraschend hoch, die Botschaft deutlich.

Kulmbach - Mit „entlarvendem Witz“ wollen sie dem „egoistischen Pathos der Impfgegner“ etwas entgegensetzen. Ein loses Bündnis Kulmbacher Bürger hat am Dienstagabend zum ersten Mal zu einer Demonstration der bislang schweigenden Mehrheit auf dem Kulmbacher Marktplatz aufgerufen. Statt offenem Mikro und Verschwörungstheorien, wie sie sonst aus dem anderen Lager immer montags geboten sind, gab es bei dieser Veranstaltung ein im Vordergrund kulturelles, letztlich aber dann doch politisches Spektakel: „Der Rattenfänger von Hameln“ wurde öffentlich „geprobt“. Jeder konnte mitmachen und so, wie es die Veranstalter um Matthias Hahn (SPD) und Christian Ohnemüller (Die Grünen) sowie Klaus und Franziska Bartels erklärten, den „rechten Menschenfängern“ etwas entgegensetzen.

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Den Querdenkern wollen die Veranstalter, die zumindest in den kommenden Wochen immer dienstags um 18 Uhr auf den Marktplatz einladen, das öffentliche Feld nicht alleine überlassen. Die Zahl der Teilnehmer bei der Premiere war für Matthias Hahn überraschend hoch. 125 Personen hat er gezählt.“ Fürs erste Mal sind wir auf jeden Fall zufrieden. Wir hoffen, dass wir das bei den nächsten Veranstaltungen stetig steigern können.“ Es gehe den Veranstaltern nicht um eine Auseinandersetzung mit den Coronagegnern, betont Hahn. „Wir wollen darauf hinweisen, was Corona wirklich ist. Die Mehrheit muss einfach mal zeigen, dass wir alles mit getragen haben und wir uns nicht durch diese laut schreiende Minderheit übertünchen lassen wollen.“ Es sei Zeit, sich solidarisch zu zeigen, mit den Pflegekräften, aber auch mit allen, die unter Corona zu leiden hatten und haben.

Die Vertreter der „Mehrheit“ hatten Besuch am Dienstagabend. AfD-Stadt- und Kreisrat Hagen Hartmann, der montags immer wieder mitten unter den Coronagegnern auf dem Marktplatz steht, war diesmal Zaungast jenseits der Absperrung der Versammlungsfläche. Aber es seien noch weitere Beobachter dagewesen, die sich in der Telegram-Gruppe der Gegner treffen. „Es war zu erwarten, dass die kommen, um zu sehen, was passiert“, sagt Hahn. „Ich denke, sie sind enttäuscht, dass so viele zu uns gekommen sind.“ Und er legt noch eins drauf: „Ich denke, wir werden mehr.“

Frank Wilzok, zweiter Bürgermeister der Stadt Kulmbach, war ebenfalls dabei. Er wolle sich solidarisch zeigen, sagte er, „vor allem auch, um denen, die montags auf die Straße gehen, mal die Stirn zu bieten.“ Unter den Corona-Leugnern seien viele, die diese Veranstaltungen nutzen, um Parolen auszusenden und rechtes Gedankengut an den Mann oder die Frau zu bringen. Wilzok, selbst Krankenpfleger von Beruf und ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig, weiß, wovon er spricht: „Wir haben mehr als 130 Tote in Kulmbach, und auch in der Medizin sehe ich, dass es Corona gibt.“ Für Wilzok steht fest: Es ist gut, dass es diese Demo nun gibt, und ich werde auch in Zukunft kommen, weil man einfach auch mal zeigen muss, dass wir wesentlich mehr sind als die, die sich hier immer montags treffen.

Der Versuch, die Kinderoper „Der Rattenfänger von Hameln“ spontan mit den Teilnehmern zu proben, war anerkennenswert, auch wenn viele mit der Melodie ihre Not hatten. Dafür machten der theatererfahrene Johannes Asen als Sprecher und Franziska Bartels mit ihrem Gesang und auf ihrem Instrument eine umso besser Figur. Als dann „Freude schöner Götterfunken“ gesungen wurde, konnten auch aus dem Publikum mehr Menschen mit einstimmen.

Nach rund einer Stunde machten sich die friedlich demonstrierenden Vertreter der Mehrheit dann wieder auf dem Weg, viele von ihnen mit dem Vorsatz, am kommenden Dienstag um 18 Uhr wieder auf den Kulmbacher Marktplatz zu kommen.