Kulmbach "Ich verstecke mich nicht mehr"

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Sie hat Brustkrebs. Sie kämpft für bessere Aufklärung, will betroffenen Frauen Mut machen. Silke Kreß ist so engagiert, dass sie dafür eine Einladung zum Fest des Bundespräsidenten bekommen hat.

 
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Kulmbach - Eine solche Einladung bekommt man nicht alle Tage: Die Kulmbacherin Silke Kreß wird am 9. September von Bundespräsident Joachim Gauck und seiner Frau Daniela Schadt in Schloss Bellevue empfangen werden. Strahlend hält die 44-Jährige die mit dem goldgeprägten Bundesadler verzierte Einladungskarte auf edlem Büttenpapier in die Höhe. Die Freude steht der Frau ins Gesicht geschrieben: "Wahnsinn! Ich bin hellauf begeistert!" Silke Kreß hat diese Einladung nach Berlin bekommen, weil sie sich in besonderer Weise ehrenamtlich engagiert.

Schon zweimal ist die Kulmbacherin an Brustkrebs erkrankt. Doch davon lässt sich Silke Kreß nicht nur nicht aus der Bahn schlagen. "Ich verstecke mich nicht mehr", sagt sie. Und mit ihrem Mut will sie auch andere betroffene Frauen stärken. Silke Kreß hat ein Buch geschrieben. Ganz intime Einblicke gibt sie darin preis. Momente im Krankenhaus, bange Momente. Aber auch ganz viel Frohsinn, Stärke. In der internationalen Organisation "Pink Ribbon" verantwortet sie in der deutschen Sektion das "Mutmacher-Projekt". Botschaften von Frauen sind dort zu finden. Botschaften, die trotz der schweren Erkrankung von Lebensfreude geprägt sind. Botschaften, die zeigen, dass sich diese Frauen nicht unterkriegen lassen von der schweren Erkrankung. Botschaften, die anderen Betroffenen sicher gut tun, zeigen sie doch, die Frauen sind keineswegs allein, zeigen sie doch auch, es geht auch nach der schlimmen Nachricht weiter.

Silke Kreß ist angetreten, aufzuklären, Mut zu machen. Dabei geht es keineswegs um die Überwindung der Krankheit allein. Für viele Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, stellt die Tatsache, keine Brust mehr zu haben, ein riesiges psychisches Problem dar. Auch hier beweist Silke Kreß einen ansteckenden Mut. Zusammen mit anderen starken Frauen hat sie sich sogar fotografieren lassen. "Ich habe keine 'Ersatzteile' mehr dran. Ich fühle mich so wohl wie ich bin. Nur weil da was fehlt, ist das noch lange nicht das A und O." Die Fotos zeigen eine attraktive Frau, die vor Leben nur so sprüht, die strahlt. Dass Silke Kreß keine Brüste mehr hat, nimmt man wahr. Aber das ist eher ein Randgeschehen. Im Vordergrund steht die Frau mit dieser unglaublichen Ausstrahlung. Und so, sagt Silke Kreß, soll es auch sein. Dieses Gefühl, diese Einstellung, will sie weitergeben.

"Man darf in solch einer Situation gedanklich nicht stehen bleiben", betont Silke Kreß. Diesen Satz hat sie auf ein Portraitbild montiert, auf dem sie fast keine Haare hat. Auch diesen Umstand zeigt sie ganz offen.

"Das Leben hat keinen Plan" heißt die Facebook-Seite, die Silke Kreß betreibt und auf der sie immer wieder Fotos zeigt, Informationen zum Thema Brustkrebs postet. Auf der Seite www.pinkribbon-deutschland.de ist die Arbeit der Kulmbacherin unter "Mutmacher" abgebildet. "In dieser Rubrik wollen wir Anregungen geben, die Mut machen, und dazu auffordern, das Leben mit seinen unzähligen schönen Augenblicken wahrzunehmen. Die meisten Beiträge stammen von Betroffenen. Die Tipps sind jedoch für jeden gedacht, ob betroffen oder nicht. Dem Leben auf den Grund zu gehen, das tut allen Menschen gut."

Gerade 30 Jahre alt war Silke Kreß, als die erste Brustkrebs-Diagnose gestellt wurde. Als ausgebildete OP-Schwester wusste die junge Frau, was das bedeutet. Zum Kampf gegen die Krankheit selbst kam noch ein anderer Aspekt: Silke Kreß fühlte sich in der Öffentlichkeit als "kranke Frau" stigmatisiert. Das nötige Selbstvertrauen, zur Krankheit zu stehen, hatte sie damals noch nicht. Das kam, als der Krebs zehn Jahre später, 2011, ein zweites Mal zuschlug. Bei der zweiten Diagnose war die Kulmbacherin fest überzeugt: Alles wird gutgehen. Ein "Spaziergang" war es nicht. Zeitweise musste sich Silke Kreß den Rollator ihrer Mutter ausleihen, um auf den Beinen bleiben zu können.

Aber das ist Vergangenheit. Silke Kreß ist längst wieder die "Alte". Auch wenn sie unumwunden einräumt, dass die Angst immer da ist. "Man lebt damit." Aber dieser Angst will Silke Kreß nicht zu viel Raum geben. Dafür ist das Leben einfach zu schön. Die Ergotherapeutin, die zusammen mit ihrem Mann in Kulmbach eine Praxis betreibt, liebt ihren Beruf, liebt ihre Familie.

Die Einladung zum Fest des Bundespräsidenten ist für Silke Kreß ein wichtiges Signal: "Es zeigt mir, dass richtig ist, was ich mache und dass es auch Wirkung zeigt", freut sich die Kulmbacherin. Sie räumt ein, dass es natürlich manchmal Zweifel gibt in ihr. "Aber für meine Arbeit ist diese Einladung der Beweis, dass ankommt ,was ich tue und dass es gewürdigt wird. Das gibt mir Kraft, weiterzumachen. " Pläne hat sie genug. Da ist die Idee, in Kulmbach eine "Pink Charity" zu organisieren. Mit einer Modenschau, in der betroffene Frauen modeln, einer Tombola und mit Infos zum Thema. Mit dem Geld, das hoffentlich durch diese Benefiz-Veranstaltung zusammenkommt, möchte Silke Kress am liebsten die Frauenklinik am Klinikum Kulmbach fördern. "Dort bin ich auch behandelt worden. Dort habe ich mich wohl und geborgen gefühlt", erzählt die 44-Jährige und schmiedet neue Pläne.

Der Bundespräsident lädt ein

Bundespräsident Joachim Gauck lädt am 9. und 10. September zum Bürgerfest in das Schloss Bellevue in Berlin ein. Im Zentrum des Festes steht das ehrenamtliche Engagement. "Am ersten Veranstaltungstag werden Menschen beim Bundespräsidenten zu Gast sein, die das Ehrenamt in herausragender Weise mit Leben füllen und mit ihrem Engagement dem Gemeinwohl dienen", schreibt das Bundespräsidialamt.

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