Kulmbach Klinikum bleibt auf Wachstumskurs

Das Klinikum bleibt auch in den kommenden Jahren Großbaustelle: Vor dem Haus haben die Vorarbeiten für den zweiten Abschnitt des nächsten Erweiterungsbaus begonnen. Dafür muss bald der Haupteingang vorübergehend verlegt werden. Die Aufträge dafür wurden jetzt an Firmen vergeben. Foto: Melitta Burger

Corona hat sich auch auf die wirtschaftliche Lage des Hauses ausgewirkt. Weniger Einnahmen und mehr Ausgaben stehen unter dem Strich. Doch es ging noch glimpflich ab.

Kulmbach - Einstimmig haben die Vertreter des Zweckverbands für das Klinikum Kulmbach den Wirtschaftsplan für das laufende Jahr verabschiedet. Vorsitzender Landrat Klaus Peter Söllner zeigte sich erleichtert: Natürlich wirke sich die Pandemie auch auf das Jahresergebnis des Klinikums aus, das über Monate nahezu alle planbaren Eingriffe verschieben musste, um Betten für mögliche Corona-Patienten freizuhalten. Die Fallzahlen-Reduzierung von 25 400 auf 23 300 in diesem Jahr sei glimpflicher ausgefallen als zunächst befürchtet. Ebenfalls bedingt durch die Pandemie sind unter anderem die Ausgaben sowohl für die Beschaffung von Schutzmaterial (1,2 Millionen Euro) als auch für die Einrichtung eines Sicherheitsdienstes am Eingang gestiegen. "Der Einbruch fiel geringer aus als erwartet. Es besteht kein Anlass für existenzielle Sorgen", sagte Söllner und fasste zusammen: "Bislang sind wir absolut akzeptabel aus dem Seuchenjahr 2020 herausgekommen."

Söllner dankte ebenso wie Geschäftsführerin Brigitte Angermann dem gesamten Team des Hauses. "Das Klinikum steht weiterhin sehr gut da. Das ist auch Ausdruck der hervorragenden Arbeitsleistung aller Mitarbeiter im Unternehmen", betonte Angermann. Landrat Söllner ergänzte, Landkreis und Stadt Kulmbach mussten als Träger des Hauses noch nie aufgelaufene Defizite decken. Die wirtschaftliche Stabilität zeige sich auch darin, dass das Klinikum keine Kredite aufnehmen muss und im September aus eigenen Mitteln ein neues Herzkatheterlabor in Betrieb nehmen konnte. Rund 3,6 Millionen wird das Klinikum in diesem Jahr allein im Bereich der Medizintechnik investieren.

Klaus Peter Söllner machte aber auch deutlich, dass ein zweiter Lockdown, wie im Frühling dieses Jahres, kaum zu stemmen wäre. "Das hätte verheerende Folgen für unsere Wirtschaft und auf das Krankenhauswesen." Nicht zuletzt liege die Verantwortung auch in der Hand der Bürger. Sie forderte Söllner auf, sich weiter verantwortungsvoll zu verhalten und die Corona-Regeln zu beachten. "Wenn die Dinge voranschreiten und wir erneut eine ungezügelte Zahl an neuen Fällen haben, drohen Einschränkungen. Wie schnell das gehen kann, haben wir in Kulmbach erlebt." Am 7. September war die Region Kulmbach noch der einzige Landkreis in ganz Bayern mit einem Inzidenz-Wert von Null gewesen. Zehn Tage später zählte Kulmbach zu den wenigen Gebieten, in denen der kritische Wert von 50 überschritten worden war, erinnerte der Landrat.

Zufrieden zeigte sich Geschäftsführerin Brigitte Angermann, dass erstmals im Jahr 2020 die Pflegeerlöse aus den DRG ausgegliedert und entsprechend der tatsächlichen Ausgaben extra vergütet werden. Erstmals zur Abrechnung kommt in diesem Jahr zudem ein Zuschlag für nicht refinanzierbare Tariferhöhungen in der Pflege. Doch das habe auch Schattenseiten. Häuser, die bislang im Bereich der Pflege gespart haben, stellten nun ebenfalls verstärkt Pflegepersonal ein. "Das verschärft die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt nochmals", machte Brigitte Angermann deutlich. Sie erklärte, wie wichtig es ist, Personal zu gewinnen. Das gestalte sich auch für das Klinikum immer schwieriger. Das Klinikum habe im vergangenen Jahr mit der "Pflegenacht" viel Interesse geweckt. Am Tag der Ausbildung, der dieses Jahr statt der Ausbildungsmesse im Landkreis Kulmbach stattfinden soll, werde sich das Haus ebenfalls beteiligen. Ohne Verstärkung aus dem Ausland gehe es aber trotzdem nicht. 57 ausländische Pflegekräfte habe das Haus bereits angeworben, 31 davon sind bereits in Kulmbach tätig. Ein Teil der noch erwarteten Kräfte könne erst später als geplant in Kulmbach mit der Arbeit beginnen, weil ihnen wegen Corona die Ausreise aus ihrem Heimatland nicht möglich gewesen ist.

Kontinuierliches Wachstum sei wichtig, um mit anderen Kliniken im Wettbewerb bestehen zu können, machte Brigitte Angermann deutlich. Sie versprach, dass Krankenhausträger und Geschäftsführung alle Anstrengungen unternehmen werden, das Haus auf seinem Wachstumskurs zu halten.

Mitarbeiterzahl erreicht neuen Rekordwert

Um 23,21 ist Zahl der Planstellen am Klinikum Kulmbach seit 2019 gestiegen. 1241,07 Stellen sind damit im Stellenplan für das laufende Jahr ausgewiesen, berichtete Geschäftsführerin Brigitte Angermann bei der Verabschiedung des Wirtschaftsplans für das Haus. Insgesamt sind damit derzeit 1646 Menschen am Klinikum Kulmbach beschäftigt. Das ist ein neuer Rekord, was die Zahl der Mitarbeiter angeht. 11,4 Planstellen wurden im Bereich der Pflege neu geschaffen, 9 Stellen im Medizinisch Technischen Dienst und 2 im Bereich der IT. 87 junge Menschen befinden sich derzeit am Klinikum in Ausbildung, davon 65 in der Krankenpflege. "Das Klinikum ist damit weiterhin größter Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb in der Region", freute sich Landrat Klaus Peter Söllner.

Nächster Neubau kostet 100 Millionen Euro

Die Arbeiten am nächsten Bauabschnitt für den Erweiterungsbau des Klinikums Kulmbach haben begonnen. Rund 100 Millionen Euro werden in dieses Gebäude investiert. Mit einer Förderung von 66,41 Millionen Euro beteiligt sich der Freistaat Bayern an der Finanzierung des Riesenprojekts. Dafür bedankte sich Landrat Klaus Peter Söllner. Die hohe Förderquote sei keineswegs selbstverständlich. In diesem Jahr haben bereits die Tiefbauarbeiten begonnen, umfangreiche Vorarbeiten sind schon gelaufen. Demnächst wird auch der Haupteingang vorübergehend verlegt werden müssen. Dann soll die Baugrube ausgehoben werden. 9,5 Millionen Euro aus der Bausumme fallen ins laufende Jahr. Mit dem Rohbau soll dann im kommenden Frühjahr begonnen werden.

Der Wirtschaftsplan in Zahlen

Rund 175,6 Millionen Euro beträgt das Haushaltsvolumen des Klinikums für dieses Jahr. Davon entfallen rund 160,5 Millionen Euro auf den Erfolgsplan und rund 15,3 Millionen Euro auf den Vermögensplan. 97,3 Millionen Euro nimmt das Haus aus DRG und Pflege ein, 9,2 Millionen Euro aus Ambulanzen und 4,7 Millionen Euro aus Wahlleistungen. Hinzu kommen 3,1 Millionen Euro aus den Reha-Einrichtungen in Stadtsteinach. Deren Einnahmen sind durch die wochenlange Schließung des Hauses während des Lockdowns deutlich reduziert. Zu den größten Ausgabenpositionen zählen die Personalkosten mit 86,2 Millionen Euro, der medizinische Sachbedarf mit 23,9 Millionen Euro, die Instandhaltung mit 5 Millionen Euro und der Verwaltungsbedarf von 3,1 Millionen Euro.

 

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